Bäumchen wechsel dich geht weiter: Außenpolitisches (nuklear-)Triumvirat steigt in Nordkoreas Hierarchie auf

Erstmal sorry das es so lange nichts von meiner Seite gab, aber ich steck gerade mitten in einem Umzug und das ist stressiger als man denken sollte. Zwar gönne ich mir gerade den Luxus zweier Wohnungen, aber die eine sieht aus, als wäre sie stark von Tommys Behausung in “Trainspotting” inspiriert und die andere könnte genausogut jahrelang einem Messie Unterschlupf geboten haben (aber wenigstens ist jetzt Farbe an den Wänden (und überall sonst)), aber um das alles so “herzurichten” braucht es Zeit. Allerdings habe ich jetzt irgendwo aus den Kartons meinen Router sowie den Laptop gezogen und werde meine regelmäßige Bloggerei wohl wieder aufnehmen können (die Trainspotting-Wohnung bin ich nämlich bald los und die Messie-Wohnung wird sich wohl nach und nach zivilisieren (wenn ich noch mehr Sachen als den Router brauche und ihnen dann sofort einen neuen Ort zuweise)). Naja, jedenfalls war ich in den letzten Tagen ziemlich abgeschnitten von aktuellen Nachrichten und suche mir daher mal ein Thema raus, das ich für wichtig und interessant halte. Da ist mir sofort die Tatsache ins Auge gesprungen, dass das muntere Bäumchen-wechsel-dich-Spiel in der nordkoreanischen Führung auch unmittelbar vor der Konferenz der Arbeiterpartei, die nächste Woche wohl definitiv stattfinden wird, weitergeht. Und diesmal gibt es einige, meiner Meinung nach, hochinteressante Personalien zu vermelden.

Kang Sok-ju: Erfahrener Recke mit gutem Netzwerk

Nordkorea hat am vergangenen Mittwoch seinen außenpolitischen Stab innerhalb des Kabinetts neu sortiert. Nachdem vor gut drei Monaten Choe Yong-rim als neuer Premierminister an die Spitze der Regierung gerückt war, wurde ihm nun mit Kang Sok-ju ein erfahrener Außenpolitiker als erster Vize Premierminister zur Seite gestellt. Vor allen denjenigen, die die (außenpolitischen) Entwicklungen bezüglich Nordkorea schon seit längerem verfolgen dürfte der Name ein Begriff sein, denn Kang spielte als Verhandlungsführer Nordkoreas eine tragende Rolle bei den Verhandlungen um das Genfer Rahmenabkommen. Außerdem hatte er 1991 die Ehre die Rede anlässlich der Aufnahme in die Vereinten Nationen (S. 52 – 57, aber das ist hauptsächlich das übliche diplomatische Gerede) zu halten. (Diese und weitere Reden nordkoreanischer Diplomaten vor der UN, sowie Links zu anderen Dokumenten der UN zu Nordkorea könnt ihr auch in meiner entsprechenden Linksammlung finden.) Es wird vermutet, dass Kang sich in seiner Position vor allem um Nordkoreas Außenpolitik kümmern wird. In manchen Pressemeldungen wird Kang als “Architekt des nordkoreanischen Nuklearprogramms” dargestellt (wie genau er zu diesem Attribut kommt weiß ich nicht genau, aber naja, Verhandlungsführer und Architekt, das ist ja fast das Gleiche), aber was da dran ist weiß ich nicht genau, da es aber nur ein paar Medien aufgreifen vermute ich mal, nicht so viel. Achja, ein weiteres spannendes Detail: Kang gehört zur Familie Kim Jong Ils. Wenn auch nur entfernt, er ist ein Cousin seines Vaters Kim Il Sung (aus der Linie von dessen Mutter), so ist dies mal wieder ein Beispiel dafür, dass auch die Familie (die herausragendsten aktuellen Belege sind wohl Kims Schwester Kim Kyong-hui sowie ihr bekannter Mann Jang Song-thaek) für Kims Machterhaltungsstrategie eine große Rolle spielt. Außerdem arbeitete Kang im Laufe seiner Karriere schon unter Kims Schwester und scheint auch mit ihrem Mann in Verbindung zu stehen.

Kim Kye-gwan: Nordkoreas Mann bei den Sechs-Parteien-Gesprächen

Kangs vorheriger Posten als erster Vize-Außenminister, den er für 24 Jahre innehatte wurde auch sofort wieder besetzt und zwar durch einen weiteren bekannten Namen. Kim Kye-gwan dürfte den Meisten als Chefunterhändler Nordkoreas bei den Sechs-Parteien-Gesprächen um die Denuklearisierung des Landes in Erinnerung sein. Außerdem spielte er eine wichtige Rolle für Nordkoreas Beziehungen zu den USA und sprach unter anderem mit den beiden Ex-Präsidenten Clinton und Carter, als diese zu diversen Gefangenenbefreiungen in Pjöngjang weilten. Darüber hinaus reiste er auch außerhalb der Sechs-Parteien-Gespräche wiederholt nach China und traf sich dort unter anderem mit Chinas Chefunterhändler und seit diesem Jahr Sondergesandten für die Koreanische Halbinsel Wu Dawei. Auch Kim Kye-gwan spielt schon seit langem in der obersten außenpolitischen Riege Nordkoreas mit. Seit 1995 war er Vize-Außenminister und bekleidete zuvor einige wichtige Funktionen im außenpolitischen Apparat Nordkoreas. Sein Aufstieg kann direkt mit Kim Jong Il in Verbindung gebracht werden, denn er wurde von diesem (wobei scheinbar auch Kim Kyong-hui und Jang Song-thaek mittaten) in den 1970ern ins Außenministerium berufen.

Ri Yong-ho: Jung aber erprobt

Der dritte im Bunde der Aufsteiger ist zwar weniger bekannt, aber gehört inhaltlich in die Selbe Gruppe wie Kang und Kim. Ri Yong-ho nahm unter Kim Kye-gwan an den Sechs-Parteien-Gesprächen teil, hatte verschiedene Posten im außenpolitischen Apparat Nordkoreas inne, unter anderem spielte er eine Rolle bei den Beziehungen zu den USA und begleitete unter anderem in diesem Jahr Außenminister Pak Ui-chun auf dessen Reise durch Südostasien und zum ASEAN-Regional-Forum in Hanoi. Ri gilt als Schützling von Kang Sok-ju, ist aber im Gegensatz zu diesem (71) und Kim Kye Gwan (67) mit seinen 56 Jahren noch ein wahrer Jungspund und repräsentiert die jüngste Generation von Führungspersonen, die in Nordkoreas Staatsspitze aktiv sind.

Was man daraus lernt

Was es mit diesen Beförderungen genau auf sich hat kann wohl keiner so genau sagen, allerdings gibt es einige Bemerkenswerte Sachverhalte in diesem Zusammenhang:

  • Wie unschwer zu erkennen ist, stehen alle drei schon seit langem im engen Zusammenhang mit den Verhandlungen um die Denuklearisierung Nordkoreas. Das die nordkoreanischen Unterhändler im Rahmen der Gespräche um Nordkoreas Nuklearprogramm immer wieder Gewinne aus dem Programm schlagen konnte, ohne dass das Land echte Zugeständnisse gemacht werden mussten ist eine Binsenweisheit. Daher könnten die Beförderungen eine Belohnung für ihre bisherigen Erfolge darstellen.
  • Darüber hinaus kann man daraus aber auch den Schluss ziehen, dass Nordkorea ein Zeichen setzen wollte. Nämlich dass Verhandlungen Priorität eingeräumt wird und das Leute die sich damit auskennen daher bedeutendere Positionen im Staat einnehmen (vielleicht auch mit etwas mehr Kompetenzen verbunden).
  • In eine ähnliche Richtung deutet die Tatsache, dass sowohl Kim Kye-gwan als auch Ri Yong-ho in ihrer Laufbahn mit den Beziehungen zu den USA befasst waren. Auch dies könnte als Geste gesehen werden, die symbolisieren soll, dass man die Beziehungen zu den USA auf neue Beine stellen will.
  • Bei den Beförderungen scheint es keine Verlierer gegeben zu haben. Wenn ich mich täusche war der Posten, den Kang nun bekleidet, nicht besetzt und die Kim und Ri rückten dann nur in die jeweils freigewordenen Positionen auf.
  • Alle drei stehen direkt oder indirekt (bei Ri konnte ich nichts finden, aber er wird ja von Kang protegiert) mit Jang Song-thaek und Kim Kyong-hui in Verbindung und dürften damit den Einfluss Jangs innerhalb des Regims weiter untermauern.
  • Die drei Männer gehören zwar verschiedenen Generationen der nordkoreanischen Führung an, aber selbst Kang, der älteste dieses Triumvirats hat mit 71 vermutlich noch einige Jahre vor sich und Ri ist selbst nach westlichen Maßstäben noch im besten Politikeralter und könnte in einer veränderten Führung als erfahrenes und loyales Mitglied den Übergang mit gestalten.
  • Interessant finde ich auch den Zeitpunkt der Beförderung, kurz vor der Konferenz der Partei. Jedoch weiß ich nicht (das kann man kaum einschätzen), ob die Beförderungen in irgendeiner Verbindung mit der Konferenz stehen. Allerdings glaube ich es eigentlich nicht, denn so wichtig ist das Ganze nun auch wieder nicht, dass es als Vorbereitung für das Große dienen kann, das die Konferenz ja angeblich mit sich bringen wird. Und schließlich geht es hier um Positionen im Kabinett und nicht in der Partei. Aber wie gesagt, wissen kann man es nicht.

Der Aufstieg des außenpolitischen Triumvirats kann also in verschiedener Hinsicht interpretiert werden. Nach innen hin stabilisieren und festigen die drei, die durch langjährige Tätigkeit im Regime ihre Loyalität bewiesen haben, die momentanen Strukturen und können darüber hinaus einen Teil der “Rampe” für den Übergang bilden. Nach außen können die Beförderungen als Signal gesehen werden, dass Nordkorea sich künftig aktiv in Verhandlungen mit den USA und wohl auch den anderen vier Parteien stürzen will. Interessant wird auch sein, ob Kim und Ri ihre Positionen bei den Sechs-Parteien-Gesprächen (sollten sie wieder aufgenommen werden) behalten werden. Sollte das der Fall sein, werde ich mich damit nochmal näher befassen.

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