Ri Yong-ho: Mentor Kim Jong Uns???

Update (16.07.2012): Mehr zu Ri Yong-hos Entlassung gibt es hier.

Ursprünglicher Beitrag (11.10.2010): Irgendwie ist mir in den letzten Tagen der Name Ri Yong-ho öfter mal im Kopf rumgespukt. Ich meine ich habe zwar in meinem Artikel über die Zusammensetzung des neuen Politbüros geschrieben, dass das auf jeden Fall ein Kerl ist, den man besser im Auge behalten soll, aber trotzdem habe ich auch das Gefühl, als sei das noch nicht genug der Würdigung. Daher habe ich mir überlegt, mal alles zusammenzutragen was ich so auf die Schnelle zu ihm finden kann. Und, keine Angst, ist nicht so viel. Aber genug, um die These zu untermauern, dass er ein Mann ist, der noch eine gewichtige Rolle spielen wird.

Auffälligkeit bei Fotos: Kim – Ri – Kim

Einsteigen möchte ich mal mit Links zu drei Fotos: Hier das Gruppenfoto (bzw. ein Ausschnitt davon) nach der Parteikonferenz, hier ein Foto des “Führungsbalkons” (keine Ahnung ob es für den Platz einen Fachterminus gibt) während der Militärparade zum 65. Geburtstag der Partei der Arbeit Koreas und hier ein Foto der Abendgala zum Abschluss der Festlichkeiten.

Und? Fällt euch was auf? Ja stimmt schon, Kim Jong Il sieht schlecht aus und Kim Jong Un wohlgenährt. Aber genau. Zu allen drei Anlässen hat auch Herr Ri sich aufs Foto geschlichen und zwar nicht irgendwo im Eck, sondern zwischen Vater und Sohn. Ich weiß nicht wie es euch geht. Ich finde das jedenfalls bemerkenswert. Das Wallstreet Journal übrigens auch. Das hat der Sitzposition Ris schon nach dem Gruppenfoto zum Ende der Parteikonferenz einen Artikel gewidmet. Und dann ratet mal, wer gestern bei der Militärparade die Rede gehalten hat…Nicht Kim Jong Il (die Tagesschau sagt er wäre zu schwach gewesen) und auch nicht Kim Jong Un. Nein, wieder der Mann dazwischen (Warum er von der Tagesschau zumindest missverständlich als Kim Jong Ils Stellvertreter bezeichnet wird verstehe ich nicht, aber vielleicht meinen sie in der Militärkommission der Partei). Wie gesagt, der Mann ist jetzt ein Wichtiger und wird das vorerst wohl auch bleiben, denn er ist ja wie gesagt erst 68 Jahre alt.

Ri erscheint erst 2009 auf der Bildfläche

Um seinen raschen Aufstieg und seinen Bedeutungsgewinn besser verstehen zu können hilft es vielleicht seine Vergangenheit etwas näher zu beleuchten. Und da gibt es nicht so übermäßig viel, was Ri nochmal interessanter macht. Die erste Erwähnung bei KCNA fand Ri 2002, als er in den Stand eines “major-Generals” (ein Stern) erhoben wurde. Und dann geb es erstmal lange Zeit nichts mehr zu lesen über ihn. Genaugenommen bis zum 11. Februar 2009. Zu diesem Zeitpunkt wurde seine Ernennung zum Vorsitzenden des Generalstabs der Koreanischen Volksarmee bekanntgegeben und es wurde auch unverzüglich über einen Inspektionsbesuch Kim Jong Ils bei einer Armeeeinheit berichtet, bei dem er auch zugegen war (Das ist insofern bemerkenswert, dass sein Name vorher nie in der Teilnehmerliste solcher Besuche auftauchte). Seitdem wurde Kim Jong Il bei über 30 solcher Inspektionsbesuche von Ri begleitet, wasa aber aufgrund seines Amtes auch kaum anders vorzustellen ist.

In dem von KCNA veröffentlichten Steckbrief zu Ri Yong-ho wird sein Werdegang wie folgt beschrieben:

Ri Yong Ho, member of the Presidium of the Political Bureau of the C.C., the WPK

Born in Thongchon County, Kangwon Province on October 5, Juche 31 (1942), he joined the Korean People’s Army in August Juche 48 (1959).

After graduation from Kim Il Sung Military University he worked as chief of staff of a division, director of the operations department of an army corps, head of a training center, vice-director of the operations department of the General Staff, its deputy chief and head of a training center of the KPA.

He has worked as chief of the General Staff of the KPA since February of Juche 98 (2009).

Oberster Verteidiger Pjöngjangs

Eine besondere Position die hier allerdings nicht näher ausgeführt wird ist seine Tätigkeit als kommandierender Offizier der Truppen, die für die Verteidigung Pjöngjangs zuständig sind. Diese Stellung ist mit hohem Prestige, aber auch hohem Vertrauen Kim Jong Ils verbunden, denn letztendlich ist der Chef des “Pyongyang Defence Command” für die Verteidigung Kims selbst zuständig. Dementsprechend haben Militärs in diesen Positionen gewöhnlich auch enge Bindungen zu Kim Jong Il selbst, oder stehen in einem Verwandtschaftsverhältnis zu ihm. Vor allem seine Ernennung zum Vorsitzenden des Generalstabs der Koreanischen Volksarmee scheint äußerst ungewöhnlich gewesen zu sein. Nie zuvor ist der Chef der Verteidigungstruppen Pjöngjangs in diese Position erhoben worden und wäre Kim Jong Il der grundsätzlich herrschenden Ämterhierarchie (die Obersten zuerst) in der Armee gefolgt, wären andere an der Reihe gewesen. In einem Working Paper zu diesem Thema wird gemutmaßt (S. 5), dass

Ri Yong-ho’s promotion to the chief of the General Staff must have been an extraordinary destruction of the military hierarchy

für Konflikte innerhalb der Führung gesorgt haben könnte, die die Degradierung zweier hoher Offizieller nach sich zog.

Ein bisschen Außenpolitik

Seit seiner Ernennung zum Vorsitzenden des Generalstabs der Armee hat Ri sich außerdem mit einigen ausländischen Delegationen, um genauer zu sein mit einer kubanischen Militärdelegation, dem chinesischen Botschafter und einer chinesischen Delegation für öffentliche Sicherheit. Außerdem war er beim letzten Besuch Wen Jiabaos in Pjöngjang zugegen. Er hatte also schon Gelegenheit sich mit einigen engen Freunden des Landes bekannt zu machen.

Ungewöhnlich, schnell und überraschend…aber warum?

Bei einer umfassenden Betrachtung der Informationen die es über Ri Yong-ho gibt, fällt eines sofort ins Auge: Sein Aufstieg war ungewöhnlich, schnell und überraschend. Hätte man zum Zeitpunkt von Kim Jong Ils Schlaganfall einen Nordkorea-Beobachter nach dem Namen Ri Yong-ho gefragt, wäre die Wahrscheinlichkeit relativ hoch gewesen, dass dieser ihn noch nie gehört, oder ihn mit dem Namensgleichen Außenpolitiker verwechselt hätte, der ebenfalls kürzlich aufgestiegen ist. Aus alledem lassen sich einige weiterreichende Schlüsse ziehen:

  • Ris aufstieg hängt mit Kims Schlaganfall zusammen. Vielleicht war er für eine exponierte Position vorgesehen, aber der Prozess musste mit Blick auf Kim Jong Ils Gesundheitszustand beschleunigt werden.
  • Kim Jong Il und Ri müssen schon sich schon lange kennen, sonst wäre Ri nicht mit der Aufgabe der Verteidigung Pjöngjangs betraut worden.
  • Ri ist eine Rolle bei der Etablierung Kim Jong Uns zugedacht. Die Bilder der letzten Tage sprechen für sich. Immer ist Ri an Kim Jong Uns Seite. Vielleicht, aber das ist jetzt sehr spekulativ, hörte man deshalb so wenig von Ri, weil er mit Kim Jong Un befasst war. Und da der im Dunkeln stand, wurde auch Ri nicht beleuchtet. Vielleicht ist Ri sowas wie sein persönlicher Mentor gewesen. Damit wäre dann auch der Zeitpunkt der endgültigen strategischen Entscheidung für eine Nachfolge Kim Jong Uns sichtbar. Nämlich Februar 2009 als Ri völlig überraschend zum Chef des Generalstabs ernannt wurde.
  • Vermutlich ist es Ri, der Kim Jong Un in die Führungskreise des Regimes einfügen soll. Jang Song-thaek und seine Frau Kim Kyong-hui sind auch was ihre Ämter angeht nicht so nah an Kim Jong Un dran. Vermutlich werden sie dem Aufstieg des jungen Kim eher allgemeine Rückendeckung geben, ohne sich unmittelbar um ihn kümmern zu müssen.
  • Die Vorbereitung Kim Jong Uns könnte schon um die Ernennung Ris zum Chef der Verteidigung  Pjöngjangs begonnen haben (Das würde auch grob mit dem einzigen gerüchteweise vorhandenen Eckdatum aus Kim Jong Uns Vita zusammenpassen, dem vermuteten Schulbesuch in der Schweiz bis 2001). Vielleicht hat der Junge unter Führung Ris erste Erfahrungen gesammelt und Kontakte geknüpft. Außerdem hätte er die Verantwortungsvolle Aufgabe der Verteidigung seines Vaters mit übernommen (wenn ich mich richtig entsinne eine entfernte Parallele zu Kim Jong Ils Einführung, denn er war, glaube ich, auch zeitweise für den Schutz seines Vaters verantwortlich).

In Zukunft werde ich dann wohl ein sehr scharfes Auge auf Ri haben und darauf achten ob die beiden weiterhin viel  im Doppelpack auftreten, ob sie auch in den Institutionen eng beisammen bleiben und ob es im institutionellen Gefüge um sie herum weitere überaschende und ungewöhnliche Aufstiege gibt.

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