Nordkorea und die Entführungen von Ausländern: Höchst empfehlenswerter Bericht vom HRNK

Das Committee for Human Rights in North Korea (HRNK), eine amerikanische Gruppe von Experten und ehemaligen Offiziellen, die auf die Menschenrechtssituation in Nordkorea aufmerksam machen und Ratschläge zur Verbesserung der Situation geben möchte, hat wieder einen Bericht veröffentlicht, der einen bisher nur in Teilen thematisierten Aspekt nordkoreanischer Menschenrechtsverletzungen beleuchtet. “TAKEN! North Korea’s Criminal Abduction of Citizens of Other Countries” (der Link führt zum Blog von Noland und Haggard, weil die HRNK den Bericht noch nicht online hat, Noland aber schon) befasst sich auf etwa 130 Textseiten so eingehend und umfassend mit den nordkoreanischen Entführungen ausländischer Staatsbürger, wie nichts, das ich bisher dazu gelesen habe und kommt insgesamt auf bis zu 180.000 mögliche Opfer aus 14 Nationen.

Die bisher bekannten Fälle werden beschrieben (sowohl die Einzelfälle, z.B. die der Japaner und einzelner Südkoreaner, als auch die “Gruppenentführungen bspw. während des Koreakriegs oder auch eine Vielzahl verschollener Fischer, von denen zumindest ein Teil nach Nordkorea entführt wurde) und Hintergründe und Motive genau erläutert. Es wird beschrieben wozu die durchaus heterogene Gruppe der Entführten eingesetzt wurde und wie sie in Nordkorea behandel wurden. Die Institutionellen Verantwortlichkeiten in Nordkorea für die Entführungen werden näher beleuchtet und rechtliche Fragen, Verantwortlichkeiten und Interventionsmöglichkeiten geklärt. Abschließend gibt es eine Vielzahl von Handlungsempfehlungen für die Staatengemeinschaft.

Ich habe das Buch bis jetzt nur etwas quergelesen und bin, wenn ich was Interessantes gesehen habe, ein bisschen verweilt, um etwas tiefer einzusteigen. Was ich bis jetzt gesehen habe gefällt mir sehr gut. Die Entführtenfrage wird nicht auf irgendwelche Einzelaspekte (oder Staaten reduziert), wie das ja sonst öfter mal der Fall ist, sondern es werden die bisher vorhandenen Informationen zusammengetragen, durch Befragung von Opfern bzw. Angehörigen etwas lebendiger und authentischer dargestellt und sinnvoll geordnet. Wenn ich mich nicht total durch meine nur oberflächliche Lektüre täuschen lasse, dann hat Yoshi Yamamoto das bisher einzige Standardwerk zu der Entführung ausländischer Staatsbürger durch das nordkoreanische Regime vorgelegt. Daher sollte sich jeder, den dieses schwierige Thema interessiert, das kostenlose Buch genauer anschauen. Ich habe mich in der Vergangenheit ja auch schonmal mit der Frage auseinandergesetzt, aber da ich weder die Mittel noch die Expertise habe, freue ich mich sehr, dass das HRNK beides eingesetzt hat und diesen Bericht schreiben ließ. Er hilft mir zumindest etwas aus meiner Ratlosigkeit, was diese Geschichte angeht.

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2 Antworten

  1. Man kann dem Autor nicht vorwerfen parteiisch zu sein, der Name “Committee for Human Rights in North Korea” ist Programm. Was man ihm allerdings schon verwerfen kann bzw. sollte, ist einen Bericht in Form einer wissenschaftlichen Arbeit zu verfassen, ohne einigermaßen wissenschaftlich zu arbeiten.

    Ein paar Punkte, zu denen ich sagen würde “this doesn’t make sense”:

    200 Chinesen sollen nach NK entführt worden sein. China ist bekannt als ein Land, das sich sehr stark um seine Staatsbürger weltweit kümmert. Ebenso hat China kein Interesse an Flüchtlingen aus NK. Wenn NK also gegen Flüchtlinge vorgehen will, wäre es sinnvoller dies in Kooperation mit chinesischen Behörden zu tun, als ein befreundetes Land durch Entführung seiner Staatsbürger zu verprellen.

    Ausgesprochen dubios ist die Geschichte der südkoreanischen Schauspielerin Choi. Wenn jemand entführt wird, ist doch normal, das die entführte Person ihren Entführern feindlich gegenübersteht. Gleich bei Ankunft ein Empfang bei Kim Jong-Il, danach Teilnahme bei den wichtigsten Staatsempfängen (was hätte sie da für einen Skandal auslösen können) und schließlich Ausreise zu einem Konzert ins westliche Ausland, das paßt alles nicht zusammen.

    Wenig Klarheit bringt der Bericht in der entscheidenden Frage, was sollen die Entführungen? In Südkorea und anderen Ländern gibt es genug Leute, die mit NK sympathisieren, die würden die angesprochenen Jobs sehr viel motivierter ausführen, als Entführte. Wobei (zumindest in den letzten Jahren) NK die Schwelle für Südkoreaner und Ausländer sich in NK anzusiedeln, extrem hoch setzt. (Vor wenigen Monaten gab es einen Bericht, daß 2 SKoreaner, die schon lange für NK Propaganda gemacht hatten, in den Norden übersiedeln wollten. NK lehnte den Antrag ab. Daraufhin wurden die beiden in SK vor Gericht gestellt, wegen Verstoß gegen die Sicherheitsgesetze).

    Geschichtlich: was völlig fehlt ist der Hinweis daß vor und während des Bürgerkrieges in Südkorea eine blutrünstige Diktatur herrschte. Die Frage, ob unter den 83000 Leuten, die damals von SK nach NK gingen, nicht mehr Flüchtlinge und Freiwillige als zwangsweise umgesiedelte waren, wird in dem Bericht nicht mal in Erwägung gezogen.

    Dazu kommen viele viele Detailfragen, wie z.B. das sehr plump gefälschte Bild auf Seite 122….

    Neeee, der Bericht gefällt mir nicht.

  2. Die über 90.000 in den 70er Jahren von Japan nach Nordkorea umgesiedelten Koreaner so viele Jahre im Nachhinein als Entführungsopfer zu bezeichnen dient wohl nur zur Aufbeserung der Statistik …?

    Japan versuchte linke teilsaufmüpfige Koreaner lozuwerden und nach Südkorea zu schicken. Rhee Syng-Man lehnte die Aufnahme dier “linken” Koreaner strikt ab, das Rote Keuz berichtete stolz, die Repatriierung der Koreaner in ihre Heimat (nach Nordkorea) erfolgreich abgewickelt zu haben und von den offiziellen USA gab es damals keine Kommentare …

    Interesanter (au deutscher Sicht) finde ich da den auf S.33/34 bechriebenen Fall der Thailanderin Anocha Panjoy.
    Gibt es tatsächlich einen deutschen Gechäftsmann, der sich meist in Pyongyang aufhält und dem die Thai seitens der nordkoreanischen Administration zugeführt wurde?
    Bei den wenigen deutschen in Nordkorea müßte dieser Geschäftsmann wohl längst einmal einem Vertreter der deutschen Botschaft oder Mitarbeitern der deutschen NGOs über den Weg gelaufen sein?
    Wie sehen die diesen Fall ?

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