Vielsagendes Treffen: Kim Jong Il trifft russischen Geheimdienstchef

Dem Chef des russischen Auslandsgeheimdienstes SVR (Foreign Intelligence Service), Mikhail Fradkov, ist gelungen, was Jimmy Carter vor einigen Wochen verwehrt blieb. Er hat sich in Pjöngjang mit Kim Jong Il getroffen und in einer freundlichen Atmosphäre über irgendetwas gesprochen. Das “irgendetwas” steht dabei — wie ihr euch wohl denken könnt — nicht für “irgendetwas völlig unwichtiges”, sondern eher für “irgendetwas nicht näher spezifiziertes”. Wichtig dürfte es vermutlich schon gewesen sein, wenn Kim selbst sich zu dem Treffen einfindet. Achja, sein Sohn spielte auch ne Rolle. Es wird nämlich erwähnt, dass Kim Jong Un auch ein Geschenk von Fradkov bekam. Nur leider nicht vor Kammeras, als sein Vater sein Präsent entgennahm, war der Junge jedenfalls nirgends zu sehen

Teilnehmerliste und Rückschlüsse aufs Thema

Einen kleinen Hinweis auf die behandelten Themen dürften die anderen Teilnehmer auf der nordkoreanischen Seite geben. Kim Kye-gwan ist kürzlich im Außenministerium aufgestiegen und vor allen Dingen als Chefunterhändler bei den Sechs-Parteien-Gesprächen um die Denuklearisierung der Koreanischen Halbinsel bekannt. U Tong-chuk ist formal noch etwas wichtiger, denn er sitzt in der National Defence Comission (NDC) und damit im innersten Machtzirkel und ist ein hohes Tier State Security Department, einem der Inlandsgeheimdienste. Es ist also nicht abwegig zu denken, dass sich die Gespräche um große Politik (Kim und U) mit Fokus auf die Sechs-Parteien-Gespräche (Kim Kye-gwan) drehten.

Interessant ist aber vor allen Dingen der Gesprächspartner, den sich Kim und seine Delegation da ausgesucht haben. Denn einerseits ist es nicht eben häufig, dass sich Kim Jong Il mit ausländischen Politikern trifft, die nicht Staatschefs sind oder waren (China kann man vielleicht als Ausnahme werten) und andererseits ist Mikhail Fradkov nicht nur kein Staatschef, er scheint auf den ersten Blick als Politiker noch nicht einmal besonders wichtig zu sein. Sein Geheimdienst ist zwar für die Auslandsoperation Russlands zuständig (ihr erinnert euch vielleicht an den russischen Spionagering in den USA, der letztes Jahr aufflog), aber politische Entscheidungsbefugnisse hat er nicht. Und das ist Kim ja sonst wichtig, wenn er jemanden trifft. Allerdings war Fradkov unter dem Präsidenten Putin drei Jahre lang Premierminister Russlands und dürfte daher auch politisch gut vernetzt sein.

Russlands neue Rolle: Vermittler?

Daher ist es schwer etwas über die wirklichen Hintergründe des Treffens zu sagen. Allerdings kann es zumindest als politisches Signal gesehen werden. Den Amerikaner Jimmy Carter, der vermitteln will, lässt man links liegen und trifft sich stattdessen mit dem Russen Fradkov. Einerseits wird dadurch einiges über die Haltung Nordkoreas klar. Man scheint mit der außenpolitischen Situation nicht ganz zufrieden zu sein, sonst würde man sich weiter einigeln und mit niemandem außer den Chinesen sprechen. Man scheint aber auch keine Lust zu haben, mit den „gegnerischen Parteien“ (v.a. USA und Südkorea) in Verbindung zu treten und zieht stattdessen die vertrauteren Russen hinzu. Mit diesen scheint man irgendeine Art von Initiative auszuhecken, sonst wäre es nicht nötig, dass Kim Jong Il sich zu dem Treffen gesellt.

Gleichzeitig wird aber auch etwas über die Rolle Russlands deutlich. Moskau scheint gewillt, die Chance zu ergreifen und ein stärkeres Profil unter den Sechs Parteien einzunehmen. Ein großes Problem an dem der Prozess (wenn man das überhaupt so nennen darf) zurzeit krankt, ist das Fehlen eines Vermittlers. Bis vor einigen Jahren hatte China diese Rolle inne, aber durch das zunehmende Misstrauen zwischen den Washington und Peking und eine Politik, der kompromisslosen Haltung Seouls und nicht zuletzt der fast bedingungslosen Schutz Pjöngjangs durch Peking (das haben die Chinesen erst letzte Woche wieder bewiesen, als sie für einen weiteren Aufschub des Berichtes des Expertenpanels des UN Sicherheitsrates zu den Sanktionen gegen Nordkorea gesorgt haben. Wenn der Bericht nicht mehr nur Reuters zugänglich ist, werde ich darüber nochmal was schreiben) in der letzten Zeit, fällt China in der Vermittlerrolle, die es bis vor zwei Jahren spielte (oder zumindest spielen wollte), aus. Die Zeichen verdichten sich mit diesem Treffen weiter, dass Russland hier zumindest teilweise einspringen könnte. Auch Russland besitzt noch teilweise das Vertrauen Pjöngjangs und war gerade in der kritischen Phase der letzten Monate bemüht, eine Position zwischen den Seiten einzunehmen, die weder Pjöngjang vergrätzte, noch für die USA und Südkorea unhaltbar war.

Ob dem Treffen konkrete Ergebnisse folgen werden bleibt natürlich weiterhin offen, aber festzuhalten bleibt, dass Moskau momentan die Einzige Partei ist, die nicht in einer Sackgasse zu stecken, aber gleichzeitig gewillt scheint, etwas zu bewegen. Wie und ob das dem Sechs-Parteien-Prozess nutzen wird, bleibt vorerst offen, aber gut zu sehen, dass wenigstens nicht alle Parteien ihre Bemühungen bis zu den nächsten Wahlen in Südkorea vertagen.

About these ads

Meinungen, Anregungen, Kritik? Alles gern gesehen!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 77 Followern an