Neuer “trend of times” bei KCNA: “Cooperation among countries”

Nordkoreas Nachrichtenagentur KCNA ist ja ein besonderes Exemplar seiner Gattung, denn der Inhalt der Nachrichten die es da zu lesen gibt ist sehr oft mit Vorsicht zu genießen. Sie sind häufig ziemlich tendenziös und der Nachrichtengehalt ist manchmal fragwürdig, manchmal dünn und manchmal für nicht-Nordkoreaner einfach schwer zu ergründen. Daher finde ich es hin und wieder interessant, nicht danach zu schauen, worüber konkret berichtet wird, sondern zu sehen, was Themen der Berichterstattung sind.

Kooperationswelle bei KCNA

In den letzten Monaten ist mir aufgefallen, dass recht häufig über die Zusammenarbeit verschiedener Länder berichtet wird. Meistens sind das Sammelartikel die mit Überschriften wie “Cooperation among different countries” überschrieben sind. Inhaltlich beschränken sich die Meldungen dann meistens auf die Basisinformationen “wer?” und “was?” manchmal noch ergänzt durch das “wann?”.

Meist kooperieren befreundete Entwicklungsländer in Wirtschafts- und Sicherheitsfragen

Diese “Kooperationswelle” in der Berichterstattung begann etwa im März dieses Jahres und gewinnt ab August so richtig an Fahrt. Seitdem gibt es alle paar Tage Informationen zu neuen internationalen Kooperationen. Schwerpunktmäßig wird vor allem über die Zusammenarbeit der befreundeten Staaten China und Russland informiert und es ist ein regionaler Fokus auf Südost- und Südasien zu erkennen. Aber auch Kooperationen in Afrika und Mittel- und Südamerika finden Eingang in diese Meldungen. Eigentlich ist immer ein Entwicklungs- oder Schwellenland dabei und generell ist meist mindestens ein Staat, über dessen Zusammenarbeit berichtet wird, zu den “Freunden” Nordkoreas zu zählen, allerdings gibt es manchmal auch Berichte über Staaten, bei denen aktuell keine enge Bindung zu Nordkorea zu vorzufinden ist. Die Sektoren der Zusammenarbeit sind meistens in den Bereichen “Wirtschaft” und “Sicherheit” angesiedelt.

Einfach so zum Zeilen füllen? Glaub ich nicht

Natürlich kann man jetzt fragen, warum diese Meldungen interessant sein sollen, denn irgendwas muss KCNA ja schreiben und da die Welt ja voller Informationen ist, die man nordkoreanischer Sicht aus dem einen oder anderen Grund als “politisch gefährlich” einstufen könnte, ist Berichterstattung über Kooperationen zwischen anderen Staaten recht unverfänglich. Allerdings glaube ich nicht, dass die Maßgabe der Berichterstattung “politische Unverfänglichkeit” ist, sondern dass bei KCNA nur über politisch Erwünschtes berichtet wird. Ich glaube, dass jede Meldung der Agentur irgendeinen Zweck erfüllt, das heißt eine politische Botschaft vermittelt.

“Kooperation zwischen Entwicklungsländern ist normal und erstrebenswert…”

Und welche andere Botschaft kann hinter der Kooperationswelle stehen, außer der, dass Kooperation zwischen Staaten vor allen in den Bereichen Wirtschaft und Sicherheit normal und ein erstrebenswertes Ziel ist. Natürlich ist das nicht ganz neu, denn auch schon in den Jahren zuvor berichtete KCNA hin und wieder über die positiven Effekte der “south-south cooperation” auf die eigenständigen und unabhängigen Wirtschaften (hm, kann man das sagen? Also ich meine jetzt keine Orte die “Zum Anker” oder “Zum güldenen Krug” heißen) und auf das Verhältnis der Entwicklungsländer gegenüber den “Imperialisten”, aber das war nicht unbedingt ein zentrales Thema. Wie ich finde stellt diese Berichterstattung eine neue Qualität dar. Natürlich hat es auch etwas damit zu tun, dass KCNA die Quantität der Berichterstattung so seit Mitte Februar diesen Jahres rapide ausgedehnt hat und nun Platz für sowas ist. Aber dass man sich für dieses Thema entschieden hat und nicht noch ausgiebiger über Themen wie Kim Il Sungs Werke, automatisierte Schweineställe oder Grußbotschaften von und an Staats- und Regierungschefs berichtet, ist trotzdem ein deutliches Zeichen. (Übrigens ist mir eben aufgefallen, dass die Zunahme der Meldungen ziemlich genau mit Kim Jong Ils Geburtstagsfeierlichkeiten zusammenfiel. Vielleicht ist das Mehr an Informationen ja ein Geschenk von ihm für sein Volk und die ganze Welt?)

Passt zu aktuellen Entwicklungen

Die Idee der bilateralen (und manchmal auch multilateralen (v.a. ASEAN und SCO)) Kooperation ist also zumindest medial in den letzten Monaten in Nordkorea vermehrt ins Zentrum gerückt. Passt ja auch eigentlich ganz gut, wenn man bedenkt, dass sich Nordkorea seit einiger Zeit um gemeinsame Militärübungen mit den großen Nachbarn Russland und China bemüht hat und verstärkt nach internationalen Kooperationspartnern für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes sucht. Da ist es doch gut der Leserschaft klarzumachen, dass zwischenstaatliche Zusammenarbeit ein “trend of times” (irgendwie mag ich diese KCNA-Phrase) ist und dass daher künftige dahingehende Entwicklungen in Nordkorea ganz normal sind. Aber vielleicht lese ich da auch zuviel rein und die Meldungen beruhen einfach auf der Tatsache, dass ein armer Journalist sein Plansoll an Meldungen erfüllen will und verzweifelt nach Themen sucht, die keinem wehtun. Wir werden es wohl nie erfahren…

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