Uf Wiederluege: Schweizer Entwicklungsghelfer verlassen Nordkorea

Das kleine aber feine Programm, das die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) des Departements für Auswärtige Angelegenheiten der Schweiz über Jahre hinweg betrieb, ist mit dem Beginn dieses Jahres ausgelaufen. Das Ende der Maßnahmen zum capacity building, v.a. in den Bereichen nachhaltige Landwirtschaft und Marktwirtschaft, wurde bereits im Jahr 2008 beschlossen, da sich kein Wandel in der nordkoreanischen Politik gezeigt habe. Von dieser Entscheidung nicht betroffen sind humanitäre Hilfen wie z.B. Babynahrung, die die Schweiz in der Vergangenheit relativ großzügig gewährte.

Strategischer Fehler und Ergebnis eines bekannten Dilemmas

Den Beschluss die Zusammenarbeit einzustellen halte ich für einen strategischen Fehler, denn zur langfristigen und nachhaltigen Verbesserung der Lage im Land ist der Aufbau von Kapazitäten und Know How unerlässlich, während humanitäre Hilfen “nur” an den Symptomen “rumdoktern”. Außerdem gehen so möglicherweise direkte Kanäle nach Nordkorea verloren, die für und bei Änderungen innerhalb des Systems sehr wertvoll sein werden. Jedoch ist die Entscheidung der Schweiz eben auch ein Ergebnis des Dilemmas, in dem jeder Staat im Umgang mit Nordkorea steckt und für das das Regime in Pjöngjang hauptverantwortlich ist (ich hatte mich vor zwei Jahren ja schonmal kurz mit diesem Dilemma anhand des Beispiels des Rückzugs der DEZA befasst).

Engagement wirkt fort: Ehemalige Projektleiterin bereichert den US-Diskurs mit praktischen Erfahrunge

Einen kleine Eindruck von der Arbeit der schweizerischen Entwicklungshelfer kann man aus diesem interessanten Interview der ehemaligen Projektleiterin in Pjöngjang, Katharina Zellweger gewinnen (es ist zwar auf Schwyzerdütsch, aber verstehen kann mans trotzdem und Leser aus der Schweiz freuen sich ja vielleicht sogar). Wem das zu anstrengend ist, der kann dieses kurze Interview mit ihr von Peter Hossli lesen. Frau Zellweger bleibt übrigens dem Thema treu und hat nun eine Stelle an der Stanford University. Wir werden also in Zukunft vermutlich noch öfter von ihr hören (gut, dass der oft sehr polit-strategische dominierten Beschäftigung mit dem Thema Nordkorea in den USA ein weiteres humanitäres “Korrektiv” entgegengesetzt wird und dass das meist eher theoretisch-akademische Wissen in den USA durch die Erfahrungen einer Praktikerin ergänzt wird). Einen ersten Beleg dafür gibt es schon auf dem Blog der Elders nachzulesen, wo Frau Zellweger einen bedenkenswerten Vorschlag zur bedarfsgerechten Verteilung von Lebensmitteln macht, nämlich über ein Landesweites “school meals” Programm. Klingt nach einer guten Idee. Ich hoffe, dass es davon noch mehr gibt und dass die an den richtigen Stellen ankommen. So würde das Schweizerische Entwicklungshilfeprogramm trotz seines Endes noch weiter Früchte tragen…

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