Investor gefunden: Chinesische Reiseanbieter nehmen Touren ins Ressort am Kumgangsan auf

Lange nichts mehr gehört vom Tourismus-Resort im Kumgang-Gebirge. Ihr erinnert euch vielleicht: Das Ressort wurde von dem südkoreanischen Unternehmen Hyundai-Asan (einer Tochter des Hyundai-Konzerns, der hier vor allem durch seine Autos bekannt ist) als einer der tragenden Pfeiler der Sonnenscheinpolitik des südkoreanischen Präsidenten Kim Dae-jungs aufgebaut. Bis 2008 besuchten über 2 Millionen Südkoreaner die Anlage. Doch dann wurde eine südkoreanische Touristin unter nicht ganz geklärten Umständen von einem nordkoreanischen Soldaten erschossen und die Touren wurden abgebrochen.

Nordkoreas lange Suche nach Investoren am Kumgangsan

Seitdem diente das Ressort lange Zeit als Spielball der politischen Beziehungen zwischen Pjöngjang und Seoul und da seitdem die Beziehungen zwischen beiden Staaten nicht gerade gut waren, endete die Geschichte (wie es bisher aussieht) auch nicht gerade gut für die südkoreanische Seite. Nordkorea verkündete, dass es die südkoreanischen Besitzer enteignen würde und sah sich seitdem nach anderen Investoren für die Anlage um. Das gelang bisher eher schlecht als recht. Eine Vereinbarung mit einem Unternehmen im Besitz eines Amerikaners koreanischer Abstammung wird in der Realität  wohl kaum umsetzbar sein, denn dazu müssten die US-Behörden zustimmen, was wohl bis auf Weiteres nicht passieren wird. Außerdem gab es im September letzten Jahres noch eine kurze Episode, bei der ein nordkoreanisches “Kreuzfahrtschiff” (umgebautes Containerschiff. Hier gibts eine Broschüre vom Schiff mit vielen Bildern, das dort als “Large-Size Cargo-Passenger Ship” charakterisiert wird (ich weiß allerdings nicht von wann die ist. Könnte also sein, dass das noch aus den Zeiten herrührt, als die Mangyongbong 92 noch als Fähre zwischen Nordkorea und Japan diente)) internationale Touristen, aber vor allem Journalisten von Rason aus zu der Anlage im Kumgang-Gebirge brachte.

Was lange währt…: Chinesen richten Touren aus

Nun scheinen die Bemühungen Pjöngjangs aber weitere Früchte zu tragen. Chinesischen Medienberichten zufolge, werde die Anlage im Kumgang-Gebirge bald für chinesische Touristen geöffnet. Die erste Tour, die auch wieder per Schiff von Rason aus starten soll, sei für den 14. April geplant (für diese Zeit plant man ja viel in Nordkorea. Vielleicht können die Chinesen ja dann der Rakete beim fliegen zuschauen). Auch in dem Ressort würden Vorbereitungen getroffen. So soll dort am 15. April ein Duty-free-Shop eröffnen. Die Touristen bräuchten für den Besuch in der Anlage kein Visum. Auf chinesischer Seite würden vier Reiseveranstalter in der Provinz Jilin die Touren exklusiv vertreiben. Dem Bericht zufolge geht die Aufnahme der Touren auf eine Vereinbarung der nordkoreanischen und der chinesischen Regierung aus dem Jahr 2010 zurück. Damals habe man sich geeinigt, das Gebiet für chinesische Touristen zu öffnen.

Spiegel der südkoreanisch-chinesischen Beziehungen

Das erinnert mich an einen Bericht aus diesem Jahr, nach dem China auf Intervention Südkoreas hin den Verkauf von Touren in das Ressort untersagt habe. Das scheint sich dann wohl jetzt geändert zu haben, nachdem diese Vereinbarung fast zwei Jahre geruht hatte. Vielleicht ist dies auch eine kleine Reaktion Chinas auf den Druck, den Seoul hinsichtlich der Flüchtlingsfrage auf es ausüben möchte. Möglicherweise sieht man zurzeit weniger Veranlassung, auf die Bedürfnisse Seouls Rücksicht zu nehmen.

Der “große Unterschied”…

Ganz witzig fand ich in dem Medienbericht zu den neuen Touren noch ein Zitat eines chinesischen Tourismusverantwortlichen. Er sagte:

The big difference between Mount Kumgang and other scenic spots is that…

[Der große Unterschied zwischen dem Kumgangsan und anderen landschaftlich reizvollen Orten ist, dass…]

und? Was würdet ihr jetzt erwarten? Also ich dachte jedenfalls da käme was vonwegen “unglaubliche Schönheit” oder “einzigartige Flora”, “größter Wasserfall”, was weiß ich? Aber:

…tourists are not allowed to take mobile phones and professional camera equipment.

[…es Touristen nicht gestattet ist, Handys und professionelle Kameras mitzunehmen.]

Hm, das fände ich aber irgendwie blöd als Tourist, wenn man nicht telefonieren und fotografieren darf. Keine Ahnung, was es damit wohl auf sich hat. Eine gute Werbung ist es jedenfalls nicht.

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