Whatever happened to…CNC — Wurde die Wundertechnologie mit Kim Jong Il begraben?

Kennt ihr CNC? Wenn ihr in den letzten Jahren hin und wieder mal bei KCNA oder einem anderen nordkoreanischen Propagandaorgan mitgelesen habt, oder euch auch Bilder des großen Arirang-Festivals angeschaut habt, dann wurdet ihr sicherlich schonmal damit konfrontiert.

Und wenn ihr dann ein bisschen weitergelesen habt, dann wisst ihr auch, dass CNC für Computerized Numerical Control, also Computergestützte numerische Steuerung steht und dass diese Technologie der nordkoreanischen Wirtschaft früher oder später zum Durchbruch verhelfen wird. CNC wurde quasi zum Allheilmittel aller Probleme erhoben (und wenn man dieser, eher technischen Bewertung aus Südkorea glauben schenken darf, dann steht Nordkorea garnicht so schlecht da in diesem Bereich.). Es wurde viel darüber geschrieben, was es mit dieser leicht obskuren Vernarrtheit in diese Technologie (die sicherlich nicht ohne Nutzen für die Wirtschaftliche Entwicklung ist, aber eben auch nicht alleine für den Aufschwung sorgen kann) auf sich hat. Die meiner Meinung nach treffendste Analyse liefert Andrei Lankov, der solchen Technologiefetischismus in eine Traditionslinie stalinistischer Staaten stellt und das quasi als Eigenschaft solcher Staaten beschrieb, die sich aus den Bedürfnissen der jeweiligen Führer nach wirtschaftlichem Erfolg speiste, die den realen Entwicklungen entgegenlief. Hierfür nennt Lankov auch Nordkoreas CNC-Wahn als Beispiel.

CNC kaum noch in den Medien vertreten

Umso interessanter, dass sich die nordkoreanische Euphorie für CNC in den vergangenen Monaten merklich abgekühlt zu haben scheint. Um genauszusein wurde es in diesem Jahr erst zweimal im Zusammenhang mit den Erinnerungen an Kim Jong Ils Großtaten erwähnt und einmal im Neujahrseditorial (aber da auch recht lieblos im Vergleich zu den Vorjahren). Dagegen gab es in den letzten drei Monaten des Vorjahres allein 5 Unternehmensporträts, die sich auf CNC beriefen, daneben einige Nennungen von CNC bei Vor-Ort-Besichtigungen Kim Jong Ils (das kann man natürlich schlecht vergleichen, weil Kim Jong Un bisher kaum industrielle Anlagen besucht hat) und einige weitere Nennungen in Artikeln, so dass das Wort in dieser Zeit insgesamt 26 Mal erwähnt wurde. Besonders bemerkenswert finde ich dabei die Nennungen bei Unternehmensporträts, denn solche Porträts gab es auch in den letzten drei Monaten, nur dass man da nichts von CNC lesen konnte.

Zeichen deuten auf erkaltete Liebe zum Thema

Natürlich sind drei Monate noch nicht viel und daher würde ich das noch nicht als endgültigen Beleg dafür sehen, dass Pjöngjangs heiße Liebe für CNC plötzlich erkaltet ist. Ein Hinweis ist es trotzdem, genauso wie die lieblosere Behandlung des Themas im diesjährigen Neujahrseditorial. Dann bleibt nur noch die Frage: Wieso könnte das so sein. Bei denjenigen, die sich des Themas in der Zeit vor Kim Jong Ils Tod angenommen hatten, wurde häufiger darüber spekuliert, ob die CNC-Begeisterung von Kim Jong Un herrühren würde und das sozusagen einer seiner Beiträge zur Entwicklung des Landes sein könnte. In Lankovs Beitrag zu dem Thema findet sich jedoch auch eine andere Möglichkeit. Er schreibt, dass in Stalinistischen Ländern der Technikfetischismus von den Führern ausgeht, die versuchen das Scheitern der Wirtschaft durch eine neue Wundertechnologie zu verhindern.

Nicht nur die Liebe zu CNC wurde begraben…

So könnte man sagen, die Liebe des nordkoreanischen Regimes für CNC mag parallel mit ihrem heißesten Verfechter erkaltet (also jetzt wortwörtlich) sein. Möglicherweise hat das Regime das Wundermittel zur Wirtschaftsrettung (oder zumindest seine propagandistischen Auswüchse) zusammen mit Kim Jong Il beerdigt (scheinbar hat Kim Jong Il dem Regime hinsichtlich CNC nichts ins Stammbuch geschrieben. Im Gegensatz zu dem Satellitenstart). Dann wäre es jetzt an Kim Jong Un, eine neue allesrettende Technologie zu finden und zu verfechten. Oder man wendet sich in Pjöngjang etwas von solcher technologischer Obskurität ab und versucht mal realistische Auswege aus der wirtschaftlichen Misere. Auch das halte ich nicht für völlig unwahrscheinlich.

Kleine Relativierung

Ein kleines relativierendes Element habe ich noch, zu meinen CNC-Überlegungen. Natürlich wäre es auch möglich, dass man mit der neuen Führung neue wirtschaftliche Prioritäten gesetzt hat. Dann würde die kaum vorhandene Berichterstattung über CNC nichts mit einem geringeren Interesse an dem Thema zu tun haben, sondern nur damit, dass man sich für die Sektoren, in denen CNC genutzt wird, weniger interessiert. Das alles wird sich vermutlich über eine längere Beobachtungsperiode herausstellen. Also mal abwarten und schauen, ob CNC doch noch nicht propagandistisch tot ist.

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