Parteikonferenz beendet: Kim Jong Un übernimmt die Führung, Kim Jong Il ein Ehrenamt und weitere Personalrochaden

Das erste Event der “nordkoreanischen Woche” ist heute zu Ende gegangen und wurden bereits einige interessanten Ergebnisse sichtbar (Danke C.R. übrigens für die Updates in den Kommentaren, sogar mit Übersetzung. Super!).

Kim Jong Un wurde nicht zum Generalsekretär ernannt, aber irgendwie doch.

Nur auf den ersten Blick erstaunlich ist die Tatsache, dass Kim Jong Un nicht Generalsekretär der Partei der Arbeit Koreas wurde, sondern ein Anderer. Ganz folgerichtig hat Kim Jong Il nach seinem Vater ebenfalls ein permanentes Amt erhalten. Während Kim Il Sung als ewiger Präsident in den Herzen der Nordkoreaner weiterlebt, soll Kim Jong Il das Gleiche als ewiger Generalsekretär tun. Das wird faktisch allerdings nicht viel ändern, denn Kim Jong Un wurde zum ersten Sekretär der PdAK gewählt. Vermutlich kommen dem Amt nach der Revision der Statuten (allerdings ist das noch nicht klar, weil die revidierten Statuten noch nicht bekannt sind) der Partei ähnliche bzw. die gleichen Kompetenzen zu, wie zuvor dem Generalsekretär.

Naja, jedenfalls ist der junge Kim damit jetzt der faktische Führer der Partei und mehr konnte man von der Konferenz nicht erwarten. Daneben scheint er jetzt auch an der Spitze der zentralen Militärkommission zu sitzen, denn dort wurde Choe Ryong-hae als stellvertretender Vorsitzender “gewählt” (zu ihm werde ich später noch ein paar Takte schreiben), also auf den Posten, den Kim Jong Un vorher inne hatte.

Choe Ryong-hae. Teil des zentralen Führungsteams

Aber auch in den Kreisen unmittelbar um Kim Jong Un wurde kräftig rotiert. Wie ich bereits vermutet hatte, wurde ein freier Stuhl im Präsidium des Politbüros des Zentralkomitees der Partei neu besetzt. Und dort nahm der eben angesprochene Choe Ryong-hae Platz. Choe ist weder ein Shootingstar des Regimes, noch ein alter Recke, sondern irgendwas dazwischen. Er gilt als alter Freund Kim Jong Ils und scheint auch mit Jang Song-thaek (Kim Jong Uns strippenziehender Onkel) gut bekannt zu sein. Interessant ist er, weil er nach hoffnungsvoller Karriere 1998 von der Bildfläche verschwand und erst 2006 in der Provinz wieder auftauchte. Ab 2010, als das Regime dann unter Hochdruck an die Nachfolge Kim Jong Uns vorzubereiten begann, kehrte Choe dann nach Pjöngjang zurück und seitdem scheint sein Aufstieg nicht zu bremsen zu sein. Erst gestern wurde er zum Vize-Marschall der Armee ernannt, dadrüber kommt dann nur noch der Marschall und den gibt es eigentlich nie, wenn man nicht der Führerfamilie angehört. Choe scheint also eine weitere zentrale Figur in Kim Jong Uns neuem Führungsteam zu sein.

Erwartbare Beförderungen.

Daneben gab es einige wenig überraschende Beförderungen und Ernennungen. So bekamen Kim Jong-gak, Jang Song-thaek und Pak To-chun bekamen volle Mitgliedschaften im Politbüros des Zentralkomitees der Partei. Kim Jong Uns Tante Kim Kyong-hui wurde ins Sekretariat des Zentralkomitees gewählt, wo bisher auch eine sehr illustre Runde versammelt war. Die Namen des Führungsteams beginnen sich zu wiederholen.

Interessant Kim Jong-gaks neuer Job und Kim Yong-chuns Verlagerung

Eine weitere Personalie, die bereits gestern bekannt wurde, ohne dass KCNA sie bisher öffentlich verlautbart hätte, betrifft Kim Jong-gak und Kim Yong-chun. Ersterer hat nämlich von letzteren als Verteidigungsminister beerbt. Interessanterweise hatte ich beide als mögliche Kandidaten für den Platz im Präsidium des Politbüros gesehen. Kim Jong-gak ist jetzt auf eine andere Art aufgestiegen und wird wohl mehr in der militärischen als in der politischen Lenkung aktiv sein. Kim Yong-chun wurde heute zum Abteilungsleiter des Zentralkomitees ernannt. Hier weiß ich nicht genau, was davon zu halten ist, klingt für mich nicht nach Aufstieg, aber er hat ja noch den Vizevorsitz der NDC inne, was ja auch nicht schlecht ist. Nichtsdestotrotz kann man ihn mal im Auge behalten.

Rapide Machtkonsolidierung des Führungsteams

Insgesamt lässt sich sagen, dass Kim Jong Un und seine Leute weiter rasant an den neuen Machtstrukturen arbeiten. Kim Jong Un hat die Führung der Partei erlangt und einige seiner wichtigsten Gefolgsleute in Stellung gebracht. Es kann natürlich auch genau umgekehrt sein. Das lässt sich nur schwer sagen. Nichtsdestotrotz schreitet die Machtkonsolidierung der Führungsgruppe rapide voran und die nächste Runde dürfte es dann übermorgen im Rahmen des Zusammentretens der SPA geben.

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11 Antworten

  1. MAN KANN’S MIT DER “EWIGKEIT” AUCH ÜBERTREIBEN…
    5. Tagung der “Obersten Volksversammlung” am Freitag, 13. April 2012
    Daily NK meldete vor fast einer Stunde: Lt. KCNA Kim Jong Un “1. Vorsitzender des Verteidigungskomitees”, Kim Jong Il “ewiger Vorsitzender”. — 13:15 MESZ –

  2. RADIO CHINA: GRUßBOTSCHAFT HU JINTAOS AN KIM JONG UN
    Der Generalsekretär der Kommunistischen Partei Chinas, Staatspräsident Hu Jintao, sandte am Mittwoch ein Telegramm an Kim Jong Un, in dem er ihm zu seinem neuen Amt als Erster Sekretär der PdAK gratulierte.
    In seiner Botschaft bezeichnete Hu Jintao China und Nordkorea als freundschaftliche Nachbarländer. Die Partei und die Regierung Chinas würden unbeirrt daran festhalten, die traditionell guten Beziehungen zu festigen und weiterzuentwickeln.

    KCNA berichtet ferner über ein Glückwunschschreiben des Partei- und Staatschefs von Laos mit ähnlichem Inhalt.

    • Sieht aus, als würde China erstmal nicht aus der Ruhe bringen lassen von Pjöngjangs Satellitenstart.

  3. Kim Jong Un hat nun ein Porträt von sich selbst für die Amtsstuben anfertigen lassen. Der Unterschied zu dem des jungen Großvaters (1. Link) ist nahezu gravierend …
    http://galeri.uludagsozluk.com/9/kim-il-sung_3270.jpg http://www.dailynk.com/efile/201204/DNKF00009101_2.jpg

    • Nicht nur nahezu gravierend. Die gewollte, aber auch die Familienähnlichkeit (Ältere Gerüchte über irgendwelche Schöheits-Ops, zur Herstellung dieser Ähnlichkeit sind vermutlich mal wieder dem übliche Propaganda bzw. Sensationsgeschreibe südkorenischer und japanischer Medien entsprungen) ist nicht zu leugnen. Ich glaube das macht zumindest bei den älteren Nordkoreanern auch durchaus Eindruck. Der Asashi Shimbun war das übrigens auch ein Beicht wert. Auf dem Foto das man dort gewählt hat, sehen sich die beiden zwar im Gesicht nicht ganz so ähnlich, dafür haben sie aber sehr ähnliche Krawatten an. http://ajw.asahi.com/article/asia/korean_peninsula/AJ201204120077

    • interessanterweise geht der Blick Kim Jong Uns direkt in die Augen, scheint den Betrachter gleichsam zu fixieren (während der Blick des Großvaters in die Ferne, sprich Zukunft, geht) suggeriert (mir) Aufmerksamkeit, Wachsamkeit, Nähe, Neutralität

      • Ich finde es schwierig, den jungen anhand von ein paar Bildern zu bewerten, aber man sollte ihn (und seine Leute) auf keinen Fall unterschätzen. Wenn man jetzt schonwieder was über seine schlechten Schulnoten lesen konnte, dann mag das stimmen oder nicht. Aber wenn man ihn aufgrund solcher Gerüchte bewertet, dann ist man auf dem Holzweg. Ich hoffe, dass sowenig Politiker wie möglich den Quatsch glauben, wie es bei seinem Vater der Fall war (Schnapssaufender, diabetischer Playboy, der sich den ganzen Tag Actionfilme reinzieht) wenn man seine Politik auf Basis solcher Infos macht (dümmlicher verfressener Sadist, der nur eine Marionette ist), dann kann das bös ins Auge gehen und hilft am Ende nur ihm.

  4. Ein Zusammenschnitt der Konferenz lief heute vormittag (koreanischer Zeit) auf dem KCTV.Es wurde viel applaudiert und gejubelt.Mehrere male hielten die Teilnehmer ihre kleinen roten Büchlein hoch.Dabei dürfte es sich wohl um das berühmte Parteibuch gehandelt haben.
    Was mir als besonders erwähnenswert auffiel waren die vielen Mikrophone an Kim Jong Uns Sitzplatz.Wie wir ja wissen ist sein Vater nicht gerade als großer Redner in die Geschichte eingegangen.Ich glaube die Stimme Kim Jong Ils war nur ein einziges mal ,noch in den 90ern, anlässlich einer Parade zu hören.
    Das könnte bei seinem Sohn vielleicht anders werden.Erinnern wir uns nur an seinen Großvater, der sogar ein begnadeter Sänger war:

    Jedenfalls konnte ich mich in der Nacht, auch aufgrund der elektrisierenden Rede Kim Yong Nams nicht mehr wachhalten.Somit weiss ich nicht ob Kim Jong Un später tatsächlich seine Stimme erklingen liess oder die Mikros nur Dekoration waren.Doch zum Glück beginnt während ich diese Zeilen Schreibe bereits die Wiederholung der Konferenz.
    Ein Hoch auf KCTV!^^

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