Dürftiges Geburtstagsfeuerwerk: Nordkoreas Satellitenstart scheitert

Heute Morgen hat Nordkorea den erwarteten Satellitenstart durchgeführt. Allerdings kam die Trägerrakete nicht besonders weit. Nach etwa 90 Sekunden soll sie nach internationalen Angaben auseinandergebrochen und ins Meer gestürzt sein. Das Scheitern des Startversuchs wurde mittlerweile auch von den nordkoreanischen Staatsmedien eingestanden. KCNA brachte die folgende knappe Meldung dazu (NK Tech hat etwas mehr dazu und Marcus Noland gibt seine erste Einschätzung zu den Folgen ab):

DPRK′s Satellite Fails to Enter Its Orbit

Pyongyang, April 13 (KCNA) — The DPRK launched its first application satellite Kwangmyongsong-3 at the Sohae Satellite Launching Station in Cholsan County, North Phyongan Province at 07:38:55 a.m. on Friday.

The earth observation satellite failed to enter its preset orbit.

Scientists, technicians and experts are now looking into the cause of the failure.

[DVRK Satellit schafft den Eintritt in seinen Orbit nicht

Die DVRK startete ihren ersten Gebrauchssatelliten Kwangmyongsong-3 von der Sohae Satellitenstartanlage im Kreis Cholsan, in der North Phyongan Provinz um 07,38 h und 55 Sekunden am Freitagmorgen.

Der Erdbeobachtungssatellit schaffte den Eintritt in den geplanten Orbit nicht.

Wissenschaftler, Techniker und Experten untersuchen jetzt die Ursache des Fehlschlags.]

Internationale Reaktionen

Erstmal ist es gut, dass das Ding offensichtlich fernab von jeglichem Festland ins Meer gefallen ist und nicht zu unmittelbaren Schwierigkeiten geführt hat. Mittelbar könnte es schon eher zu Problemen kommen. Wenig überraschend haben die USA und Südkorea den Start als Provokation bezeichnet und es wurde für heute eine Sondersitzung des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen einberufen. Auch Russland hat ungewöhnlich deutlich in die Kritik eingestimmt und den Start als Verstoß gegen die Resolutionen 1874 und 1817 des Sicherheitsrates kritisiert. Das lässt sich eigentlich nur so interpretieren, dass Russland im Zweifel bei einer Resolution oder einem Presidential Statement des Sicherheitsrates dabei wäre. Bleibt noch China. Und was man von dort hört, klingt verdächtig nach den Statements aus China nach den Cheonan- und Yonpyong-Zwischenfällen des Jahres 2010. Alle Seiten sollten sich zurückhalten und von Maßnahmen absehen, die Frieden und Stabilität in der Region gefährden könnten. China scheint ein weiteres Mal seine schützende Hand über Pjöngjang zu halten. Das wird sich endgültig aber erst zeigen, wenn der Sicherheitsrat das Thema besprochen hat.

Die nächsten Wochen und Monate: Das alte Spiel?

Dann ist nach den eingeübten Spielregeln wieder Nordkorea am Ball. Wenn man Gerüchten der letzten Tage Glauben schenken darf (womit ich mitunter meine Schwierigkeiten habe, aber diesmal würden sie ganz gut ins Bild passen), dann hat sich Pjöngjang auch bereits auf einen neuen Nukleartest vorbereitet. Also könnte es wilde Proteste und Drohungen aus Pjöngjang geben (als Reaktion auf das Vorgehen des Sicherheitsrates oder einzelner Staate), die dann in die Ankündigung eines Nukleartests münden. Es kann sein, dass der dann verhandelbar wäre, allerdings stellt sich die Frage, ob den USA und Südkorea der Sinn nach Verhandeln steht, nach dem letzten Fehlschlag. Ohne Verhandlungen wird es wohl einen Test geben (man muss ja auch irgendwie die Schmach des fehlgeschlagenen Raketenstarts wettmachen) und wo China dann steht, das muss sich erst noch zeigen. Vielleicht soll die jetzige Zurückhaltung Chinas, das ja auch nicht glücklich mit Nordkoreas Vorgehen war, auch schon helfen, einen Nukleartest zu vermeiden. Naja, immer eins nach dem Anderen, wir werden sehen was die Folgen sind.

Interne Auswirkunge

Interessant sind aber auch die internen Auswirkungen des Fehlschlags. Es ist schon eine peinliche Angelegenheit, wenn gerade das Geburtstagsfeuerwerk für Kim Il Sung so fehlzündet. Laut nordkoreanischer Propaganda, kreisen ja bereits zwei (Test-)Satelliten um die Erde, die 1998 und 2009 von nordkoreanischen Raketen ins All gebracht wurden (komischerweise hat man noch nirgends außer in Pjöngjang Signale von denen aufgefangen). Warum musste gerade dieser Versuch fehlschlagen? Ein Omen? Einen Tag nach der Erhöhung Kim Jong Ils und Kim Jong Uns. Solche Sachen könnten sich die Ottonormalverbraucher in Nordkorea ja schon fragen. Und das nur, weil der Fehlschlag publik gemacht wurde.

Und das ist die eigentliche Frage. Warum zeigt man sich dermaßen transparent und verkündet den Misserfolg? Ich meine, bisher hat man sich ja auch einfach eine bessere Geschichte einfallen lassen. Dafür könnte es verschiedene Ursachen geben:

  1. Man glaubt nicht, das geheim halten zu können. Zu viele Leute waren beteiligt und würden was spitz kriegen und wenn sich das Gerücht erstmal festsetzen würde, das die Regierung die Bevölkerung so weitgehend belügt, dann wäre das schädlicher, als ein unmittelbares Eingestehen des Scheiterns.
  2. Man will das außenpolitisch instrumentalisieren. Man wirft irgendwem anderes vor, für den Fehlschlag verantwortlich zu sein und rechtfertigt damit künftige aggressive Maßnahmen.
  3. Man will das innenpolitisch  instrumentalisieren. Man wirft irgendwem innerhalb des Regimes, der ohnehin bei Kim Jong Uns Nachfolge stört, vor, für den Fehlschlag verantwortlich zu sein und rechtfertigt so, dass man ihn (und seine Leute) aus dem Weg räumt.

Noch weiß man nichts genaues, aber ein solches Eingeständnis des Scheiterns werden die Strategen in Pjöngjang nicht einfach so aus dem Wunsch nach Transparenz heraus, nach außen getragen haben. Das wird einen Zweck haben und wahrscheinlich werden wir in den nächsten Tagen sehen, was die Idee dahinter war. Vielleicht gibt es ja schon heute im Laufe der Obersten Volksversammlung eine Überraschung. Wir werden sehen.

Unmittelbare Bedrohung für die USA? Vorerst nicht.

Einen weiteren interessanten Effekt hat der nordkoreanische Fehlschlag noch. Die USA haben in den letzten Wochen ja keinen Zweifel daran gelassen, dass das nordkoreanische Nuklear- und Raketenprogramm eine Bedrohung für das US-Territorium darstellt. Nach diesem Rückschritt, gegenüber dem Versuch von 2009 lässt sich diese These wohl kaum mehr halten. Damit bekam Washington neue Zeit für einen Erfolg am Verhandlungstisch geschenkt. Ob man sich darüber allerdings freut in der US-Regierung ist fraglich, denn damit geht ein Argument für ein schärferes Vorgehen gegenüber Pjöngjang verloren. Mit recht werden die Forderungen lauter werden, die Regierung möge sich etwas einfallen lassen, bevor ein nordkoreanischer Raketentest erfolgreich sei.

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8 Antworten

  1. DPRK′s Satellites for Peaceful Purposes to Continue Orbiting Space: KCST Spokesman
    Pyongyang, April 19 (KCNA) – The army and people of the DPRK will shatter all the obstructions of the U.S. and Japanese reactionaries and their followers and more dynamically advance for the peaceful use of space along the road of Songun. Scientists and technicians of the DPRK have already wound up the specific and scientific probe into the cause of Kwangmyongsong-3’s failure to enter its orbit.
    All the scientific and technological data and precious experience gained this time will serve as a very precious boon to space development and a reliable guarantee for greater success in the days ahead.
    We have a comprehensive state plan for space development including expansion and strengthening of space development institutions as required by latest science and technology and continued launch of working satellites needed for the country’s economic development.
    The U.S. is now keen to deprive the DPRK of its right to space development while showing off food “aid” worth a petty amount of money but it is nothing but a foolish dream. Our army and people have lived without any U.S. “support” and someone’s “cooperation”. We have all substantial foundations for enabling our people to fully enjoy wealth and prosperity under socialism, without tightening their belts any longer. (…)
    The sky-high spirit of Juche Korea dynamically advancing toward the development of cutting-edge science and technology will be fully displayed in the struggle to conquer space, too.
    The world will clearly know how the struggle for justice and truth for protecting sovereignty will be crowned with victory, while watching dignified satellites of the DPRK being put into vast space one after another.

  2. KCNA heute:

    “We would like to ask them whether the U.S. and other satellite launchers have ever launched their satellites after getting approval from someone and has there ever been a precedent that satellites lifted by carrier rockets of other countries were not termed satellites. Did the U.S. or Japan lift their satellites with puffs of breath or with magic strength?”

    ^^

    diese Koreaner..

    Aber recht haben sie ja.

    • HeHe, ja, sie verstehen es mit dem Finger auf Ungereimtheiten zu deuten. Ein paar Aspekte “vergessen” sie zwar dabei auch mal gerne, aber bei manchen Beschwerden über Ungerechtigkeiten kann man ihnen auch nur schwer widersprechen.

  3. Nordkorea reagiert wie erwartet auf das Statement des Sicherheitsrates und kündigt “Vergeltungsmaßnahmen” gegenüber den USA an. Was das wohl sein wird…

    “DPRK Rejects UNSC′s Act to Violate DPRK′s Legitimate Right to Launch Satellite

    Pyongyang, April 17 (KCNA) — The DPRK Foreign Ministry Tuesday issued the following statement:

    The U.S. and its followers committed a hostile act of violating the DPRK’s right to satellite launch by abusing the United Nations Security Council again.

    On April 16 the UNSC issued a statement of its president “condemning” the DPRK’s satellite launch for peaceful purposes.

    The DPRK took steps to show the sincerity and transparency of the satellite launch for peaceful purposes to the maximum from A to Z as an exception and aroused sympathy of broad world public.

    The U.S., finding it hard to conceal the truth, after hatching all sorts of dastardly trick to prevent the peaceful nature of the DPRK’s satellite launch from being confirmed objectively and persistently term it a long-range missile launch, imposed upon the UNSC its brigandish demand that the DPRK should not be allowed to launch even a satellite for peaceful purposes.

    The UNSC has been abused under the pressure of high-handed and arbitrary practices of the U.S. and its catastrophic consequences have been felt still today in various parts of the world.

    UNSC resolutions 1718 and 1874 which the hostile forces regard as the “ground” to take issue with the DPRK’s satellite launch are a product of their high-handed policy for antagonizing and oppressing the DPRK and the height of illegality they faked up at random, disregarding even universally accepted international law.

    It is the brigandish essence of these resolutions that those countries which refuse to meekly obey the U.S. should not be allowed to develop their national defence capability and to this end they should be deprived of even their right to launch satellites for peaceful purposes.

    Such unreasonable double standards are possible at the UNSC because such standards are in line with the interests of those countries keen to monopolize such cutting-edge technology as satellite launch.

    The present developments clearly show that the principle of equality as regards sovereignty clarified in the UN Charter is a mere high-sounding word and justice should be protected by one’s own efforts.

    The DPRK Foreign Ministry declares as follows in connection with the grave infringement upon the right of the sovereign state to launch satellites for peaceful purposes:

    Firstly, we resolutely and totally reject the unreasonable behavior of the UNSC to violate the DPRK’s legitimate right to launch satellites.

    It is the unshakable principle of the army and people of the DPRK not to tolerate even the slightest element to deride and encroach upon the dignity of the nation and the sovereignty of the country.

    Secondly, we will continue exercising the independent right to use space recognized by the universally accepted international laws which are above the UNSC resolutions.

    We will expand and strengthen space development institutions and continue launching a variety of working satellites needed for economic development of the country including geostationary satellites under the state plan for space development.

    Nothing can stand in the way of the DPRK’s space development for peaceful purposes.

    Thirdly, as the U.S. violated the Feb. 29 DPRK-U.S. agreement through its undisguised hostile acts, we will no longer be bound to it.

    We have repeatedly clarified from the outset that we will sincerely implement the Feb. 29 agreement to the last and took practical steps to implement it as the satellite launch for peaceful purposes is an issue quite different from the agreement.

    No sooner had the DPRK’s plan for satellite launch been announced than the U.S. suspended the process for the provision of food pursuant to the DPRK-U.S. agreement under that pretext. This time, the U.S. spearheaded the hostile act of encroaching upon the DPRK’s legitimate right to launch satellites by abusing the position as president of the UNSC.

    The U.S. finally reneged on its promise that “it respects the sovereignty of the DPRK and has no hostile intent toward it” in practice, totally violating the Feb. 29 agreement.

    We have thus become able to take necessary retaliatory measures, free from the agreement. The U.S. will be held wholly accountable for all the ensuing consequences.

    Peace is very dear for us but the dignity of the nation and the sovereignty of the country are dearer for us.”

  4. Es ist doch eigentlich eine Frechheit des Regimes gegenüber seinen Bürgern, die nicht genug zu essen haben und dem Rest der Welt, wo des Öfteren nach entsprechender Nahrungsmittelhilfe gebettelt wird, aber für solche Raketentests werden mal gleich 850 Millionen $ verpulvert!

  5. Ein fehlgeschlagener Nukleartest liesse sich sicher leichter vertuschen als ein fehlgeschlagener Raketenstart.Jedoch glaube ich irgendwie nicht daran das es einen Nukleartest geben wird.Da kann der südkoreanische Geheimdienst noch so viele angebliche
    “Informationen” haben.Denn letzlich tappen die doch im Dunkeln was die Vorgänge im Norden angeht, das hat man ja spätestens im Dezember nach Kim Jong Ils Tod gesehen.

    Ich tippe eher darauf das so schnell wie möglich ein neuer Versuch einen Satelliten zu starten duchgeführt wird.Die Infrastruktur dafür ist ja nun vorhanden.

    • Mit dem im dunklen Tappen hast du recht. Aber ich meine, man könnte doch auch einen Nukleartest als Köder ins Schaufenster hängen und sehen, was man am Ende raushandeln kann.

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