A Quiet Opening. North Koreans in a Changing Media Environment — Spannende Studie zum Wandel des medialen Umfelds für die nordkoreanische Bevölkerung

Immernoch nicht viel Zeit, aber um euch auf einen interessanten Bericht hinzuweisen, der gestern veröffentlicht wurde, reicht es noch geradeso. “A Quiet Opening. North Koreans in a Changing Media Environment” befasst sich mit dem veränderten Zugang der nordkoreanischen Bevölkerung zu ausländischen Medien. Die Studie wurde von einem Informationsconsulting Unternehmen durchgeführt und von der US-Regierung bezahlt. Damit trägt man wohl der Annahme Rechnung, dass viele Kenner der Materie Nordkorea annehmen, dass durch eine erhöhte Medienpenetration langfristig ein Wandel in der nordkoreanischen Bevölkerung ausgelöst werden könnte.

Die üblichen methodischen Schwierigkeiten, aber ausgewogen und reflektiert

Ich habe die Studie bis jetzt nicht ganz gelesen, sondern nur die Findings und den methodischen Teil. Dabei hat mir sehr gut gefallen, dass die Autoren die Schwächen der Studie nicht verschweigen (Repräsentativität, Informationsquellen) und daher vor einer Überinterpretation warnen. Was ich gelesen habe klingt ausgewogen und durchdacht und macht nicht den Anschein, als habe man auf Teufel komm raus daran gearbeitet, das vorher definierte Ergebnis zu erhalten.

Aber wie gesagt, muss sich die Studie mit den Schwächen rumschlagen, die alle derartigen Arbeiten aufweisen. Es gibt eben nur die Flüchtlinge als direkte Informationsquellen. Und die stellen eben eine besondere Bevölkerungsgruppe dar, von der man nicht wirklich weiß, wie sehr sie mit den restlichen Nordkoreanern, die im Land bleiben zu vergleichen sind. Ihre Wahrnehmung des Landes, aus dem sie — oft unter Lebensgefahr — geflohen sind, könnte Einfluss auf die Erinnerungen und Ansichten haben und daher muss man damit immer vorsichtig sein. Aber wie gesagt, dass sprechen die Autoren auch sehr offen an und daher kann man ihnen keinen Strick daraus drehen, man kann ja nur mit den Infos arbeiten, die man hat.

Die Ergebnisse bestätigen bisherige Annahmen

Die Ergebnisse der Studie bestätigen weitgehend das, was man bisher häufig vermutet hat:

  • Der Zugang zu ausländischen Medien ist gestiegen und vor allem südkoreanische DVDs spielen eine Rolle.
  • Wer ein ausländisches Informationsmedium nutzt, versucht Zugangn zu weiteren zu bekommen.
  • Es besteht ein Zusammenhang zwischen dem Zugang zu ausländischen Medien und der Sicht auf das Ausland.
  • Wer mehr Zugang hat sieht das Ausland positiver, was quer zur nordkoreanischen Staatspropaganda läuft.
  • Je einflussreicher (und damit wohl auch materiell reicher jemand ist) desto einfacher ist der Zugang zu ausländischen Medien.
  • Innerhalb der Bevölkerung spielt Mundpropaganda als Informationsmittel immernoch eine entscheidende Rolle.

Zugang zu Informationen langfristig ein Katalysator für Wandel

Die Autoren sehen in diesen Entwicklungen und daraus resultierenden einen möglichen Kern von so etwas wie einer Zivilgesellschaft, wobei dieser Weg noch weit ist. Insgesamt sei aber nicht zu erwarten, dass der erweiterte Zugang kurzfristig zu Veränderungen führe. Allerdings sei auch nicht zu erwarten, dass das Regime nochmal einen Damm gegen den Informationsfluss errichten können würde. Daher seien langfristig Veränderungen durchaus zu erwarten.

Naja, klingt soweit für mich alles schlüssig und ich werde mir das definitiv in den nächsten Tagen mal genauer anschauen, wenn ich wieder mehr Zeit habe. Solange müsst ihr aber natürlich nicht warten. Hier gehts zur druckfrischen Studie

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2 Antworten

  1. So ganz schlüssig finde ich das mit der Mundpropaganda nicht, schließlich läuft man jederzeit gefahr verraten zu werden ( in den Erschienen Büchern, gehen die Autoren teilweise soweit….das viele noch nichtmal mehr der eigenen Familie vertrauen ).

    • Ich glaube es kommt drauf an, was man darunter versteht. Ich denke da geht es nicht oder nur begrenzt um regimekritsche bzw. -feindliche Dinge sondern eher um unverfängliche und eher allgemeine Infos. Zum Beispiel den Lebensstandard in China, oder die Wahrnehmung Nordkoreas dort. Da besteht wohl eine Grauzone, in der man nicht von direkt feindlichen Infos sprechen kann, die Infos können aber gleichzeitig Prozesse auslösen, die eine Veränderung der Wahrnehmung bei den Leuten auslöst, die das hören.

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