Rason als regionaler Logistikknoten? — China gründet “international cooperation demonstration zone” in Hunchun

Über die beiden Sonderwirtschaftszonen Nordkoreas im Nordosten und Nordwesten des Landes habe ich ja in letzter Zeit einiges geschrieben. Vor allem die Zone in Rason ist für die Nachbarn Nordkoreas aufgrund ihrer strategisch günstigen Lage interessant. Insgesamt verfügt die Region um den Tumen über vielfältige nicht ausgeschöpfte Potentiale. Um diese nutzbar zu machen wurde bereits Anfang der 1990er Jahre unter Federführung des UN Entwicklungsprogramms (UNDP) das Tumen River Area Development Programme, das später in Greater Tumen Initiative (GTI) umbenannt wurde, ins Leben gerufen. (Hier gehts zur Homepage der Initiative. Hier findet ihr eine schon etwas ältere (2001), aber nichtsdestotrotz lesenswerte Dissertation zu dem Projekt und hier einen sehr viel kürzere Überblick aus der gleichen Zeit und vom selben Autor. Hier findet ihr die Materialsammlung von North Korean Economy Watch zum Thema.)

Zu den Gründerstaaten gehörten neben Nordkorea noch Russland, China und die Mongolei. Südkorea und Japan hatten einen Beobachterstatus inne. Die Initiative hatte die Ausschöpfung der wirtschaftlichen Potentiale zum Ziel u.a. durch eine stärkere touristische Nutzung, den Ausbau von Infrastruktur und die Schaffung von Sonderwirtschaftszonen, die beim Gewinnen von Investoren helfen sollen.

Dornröschenschlaf und…

Allerdings zog sich Nordkorea 2009 aus der Initiative zurück, scheint aber soweit ich das verstehe auf Arbeitsebene nicht wirklich außen vor zu sein. Irgendwie ist Nordkorea ja, wenn auch ein kleiner, so doch ein entscheidender Baustein für die Entwicklung der Region. Insgesamt muss zur GTI gesagt werden, dass sie ihre bisherige Geschichte in einer Art Dornröschenschlaf verbracht hat. Scheinbar nahmen die Partner es bisher nicht wirklich ernst, die regionale Entwicklung voranzutreiben und so existierten die Pläne zur Entwicklung des Gebiets oft nur auf dem Papier. Das könnte sich nun langsam zu ändern beginnen. Chinesische und russische Infrastrukturprojekte führen zu einer stärkeren verkehrlichen Integration der Region und dass Pjöngjang in Rason einiges tut, um seinen Teil des Gebiets zu entwickeln ist ja bekannt. Außerdem wird dort auch der Hafen aufgerüstet, was unerlässlich ist, wenn er der Region als Handels- und Logistikknoten dienen soll (dem kommt für die Entwicklung eine Art Schlüsselstellung zu, denn wer will schon in der Gegend für den Weltmarkt produzieren, wenn er nicht ganzjährig sicher sein kann, dass die Ware schnell aufs Schiff kommt.).

…Frühlingserwachen?

Nun scheint auch China nachzuziehen. Im April hat die Regierung beschlossen, in der Stadt Hunchun eine “international cooperation demonstration zone” auszuweisen. In dem 90 Quadratkilometer großen Gelände sollen bessere steuerliche Bedingungen herrschen, es soll besondere finanzielle Unterstützung und eine Fachkräfteförderung geben. Außerdem soll von dort aus die Visavergabe in Richtung Nordkorea erleichtert werden (zu touristischen Zwecken). Auch infrastrukturell soll die Zone besser in die Region und an de Rest von China angebunden werden, u.a. durch den Bau von neuen Bahnstrecken und dem Ausbau von Flughäfen.

Potentiale sind vorhanden und die China und Russland wollen Entwicklung. Nur,…

Diese jüngsten Entwicklungen zeigen erneut, dass auch China, neben Russland an einer Entwicklung der Region interessiert und zu Investitionen in diese Entwicklung bereit ist. Das bietet gute Chancen, nicht nur für eine weitergehende wirtschaftliche Integration dieser bisher recht wenig erschlossenen Region, sondern auch für eine stärkere Integration Nordkoreas in die Region. Dabei bietet gerade die Form des GTI die Möglichkeit, sich einer allzu einseitigen Abhängigkeit von China zu entziehen, zumindest wenn die anderen Partner gleichberechtigt im Boot bleiben.

…will Pjöngjang auch?

Ich hoffe, dass man in Pjöngjang diese Chance sieht und sich nicht permanent als “Free-rider” darauf verlässt, dass Rason für die Entwicklung der Region eine Schlüsselrolle spielt. Denn einige Akteure in diesem Spiel sind sehr pragmatisch und werden sich im Zweifel andere Wege zum Pazifik suchen. Eine Rückkehr zur GTI und eine konstruktive Mitarbeit dort wäre daher sicherlich langfristig positiv für die Entwicklung Rasons und darüber hinaus.

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