JoongAng von schwerem Hackerangriff getroffen. “Racheakt” Nordkoreas?

In den letzten Wochen hat die Berichterstattung südkoreanischer Medien ja in Nordkorea zunehmend für Ärger gesorgt. Jedenfalls verspürte man in Pjöngjang das Bedürfnis, eine eindeutige Warnung an die entsprechenden Medien zu senden, indem man ihnen mit dem kaum mehr zu bezwingenden Zorn der Mitglieder des nordkoreanischen Militärs drohte und das ganze durch die Nennung der genauen Koordinaten einiger Hauptquartiere der Medien untermalte, was die Drohung irgendwie wirklich bedrohlich machte. Allerdings ist es wohl absolut unrealistisch, dass man in Pjöngjang aus Ärger über Berichterstattung Medienhäuser mitten in Seoul mit konventionellen Waffen aufs Korn nimmt und damit einen Krieg provoziert. Denn ich kann mir kaum ein Szenario vorstellen, bei dem Pjöngjang das Feuer auf Seoul eröffnet und keine schwere Vergeltung zu erwarten hat. Das wird also nicht passieren.

Schwerer Hackerangriff auf JoongAng

Am Wochenende wurde jedoch eine der bedrohten Zeitungen anders aufs Korn genommen. Am Samstag wurde die JoongAng Zeitungsgruppe (JoongAng Daily und JoongAng Ilbo) von einem schweren Hackerangriff getroffen, in dessen Folge, soweit ich das verstanden habe, einiger Schaden in den Bild und Artikelarchiven entstanden ist und auch die Produktion gestört wurde. Von der Schwere der Attacke her, ist die ganze Geschichte recht ungewöhnlich. Die JoongAng Daily schreibt, dass ein solcher Angriff auf eine Medienseite laut Experten beispiellos sei. Der Angreifer hinterließ die Nachricht:

“Hacked by IsOne”

Erinnert an den Slogan “Korea is one”, oder? Das soll es sicherlich auch, aber natürlich lässt sich daraus kein Schluss über die Herkunft des oder der Angreifer ziehen. Allerdings ist eben zu vermuten, dass der Angriff vor dem Hintergrund der gespannten Situation in der jüngsten Zeit und der Drohungen Pjöngjangs gegen südkoreanische Medien zu sehen ist. Die Frage ist nur, welcher Art der Zusammenhang ist.

Mögliche Hintergründe: Angriff von Nordkoreanern…

Vor allem zwei Überlegungen drängen sich da auf. Einerseits hatte ich es schon vor gut anderthalb Monaten auf der Facebookseite des Blogs für nicht abwegig gehalten, dass das Regime in Pjöngjang seine Drohungen die damals ausgesprochen wurden, mit Hilfe eines Hackerangriffs umsetzen würde.

Once the above-said special actions kick off, they will reduce all the rat-like groups and the bases for provocations to ashes in three or four minutes, in much shorter time, by unprecedented peculiar means and methods of our own style.

Our revolutionary armed forces do not make an empty talk.

[Wenn die oben genannten speziellen Aktionen losgehen, werden sie mithilfe nie dagewesener besonderer Mitteln und Methoden unseres eigenen Stils alle rattengleichen Gruppen und die Zentren ihrer Provokation in drei oder vier Minuten in Asche legen.

Unsere revolutionären bewaffneten Streitkräfte sprechen keine leeren Drohungen aus.]

Wenn man ständig sagt, man mache keine leeren Drohungen und dann passiert nichts, dann kann ich mir vorstellen, dass das auch irgendwann dem blödesten oder hirngewaschensten Soldaten bzw. Bürger auffällt und das kann auf Dauer nicht gut für die Legitimität und Autorität des Regimes sein. Ich habe vor einiger Zeit ja auch schonmal auf die Möglichkeit Pjöngjangs hingewiesen, zu asymmetrischen Methoden zu greifen und wer weiß, vielleicht war das ein Weg, den Worten Taten folgen zu lassen. Ist jedenfalls eine Aktion mit eigenem Style.

Andererseits haben solche Angriffe zwar den großen Vorteil, dass man nicht wirklich mit Vergeltung rechnen muss, aber gleichzeitig kann man die Attacke auch nicht für sich reklamieren. Dadurch könnte das Ganze für das Regime weniger attraktiv sein, denn man kann ja dann auch nicht wirklich sagen: “Seht ihr: Wir machen keine leeren Drohungen!” Außerdem gibt es zu den nordkoreanischen Cyber-Krieg-Kapazitäten fast nur Gerüchte und man weiß nicht wirklich, was da existiert und wie gefährlich es ist. Die Art der Nachricht, die der Angreifer hinterließ ist darüber hinaus irgendwie “unnordkoreanisch”. Keine politischen Hinweise (außer vielleicht dem Namen) und eine Katze. Das sieht irgendwie nicht nach einer durchideologisierten Hackerbrigade aus.

…oder Sympathisanten

Aber es könnte ja auch noch eine andere Erklärung für die Herkunft des Angriffs geben. Vielleicht reicht für so eine Geschichte schon ein einzelner oder eine kleine Gruppe gut ausgebildeter Nerds aus. Dann könnte es sein, dass Sympathisanten im Süden (oder sonstwo), die sich von den Drohungen und Tiraden auf KCNA motiviert fühlten, hinter der Aktion stehen. Es könnte natürlich auch sein, dass nordkoreanische Staatsbedienstete in China dahinterstecken (aber die Katze…).

Natürlich könnte man auch noch verschwörungstheoretische Überlegungen hinzuziehen, aber das überlasse ich lieber anderen (wenn ihr Lust drauf habt: Je blödsinniger und unwahrscheinlicher, desto besser. Gut ist es, wenn mächtige falschspielende Regierungsinstitutionen mitmischen. Der Rest geht dann wie von selbst…). Außerdem kann es natürlich noch ein vollkommen unpolitischer Nerd mit sehr destruktiver Ader sein, dessen Leserbriefe nie abgedruckt wurden. Das ist nicht unmöglich, wäre aber ein einigermaßen großer Zufall. Jedenfalls finde ich die beiden oben genannten Optionen am wahrscheinlichsten.

Südkoreas Behörden ermitteln. Hoffentlich unbeeinflusst von der politischen Atmosphäre im Land

Da die südkoreanischen Behörden bereits ermitteln, kann ich mir gut vorstellen, dass es bald einiges mehr zu dem Fall gibt. Allerdings könnte die momentane politische Atmosphäre im Land eventuell dazu beitragen, dass bestimmte Verdachtsmomente oder Vermutungen politisch gewünschter sind als andere und dass das Ergebnis der Untersuchung daher nicht zu tausend Prozent objektiv sind. Mal sehen, ob sich die Konservativen auch diesen Vorfall zunutze machen, um den roten Teufel aus dem Norden an die Wand zu malen. Unwahrscheinlich ist das nicht und mal ehrlich: Wer würde eine solche Möglichkeit in der Vorwahlkampfzeit liegenlassen? Gut möglich also, dass der Süden bald eine weitere Spielart der Kommunistenhatz aufweisen kann und der Feind, der ja eh schon überall ist (sogar im Parlament) bald noch bedrohlicher mitten unter den friedliebenden Bürgern steht.

About these ads

Meinungen, Anregungen, Kritik? Alles gern gesehen!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 64 Followern an