Ein Strauß voll Buntes V: Papers, Zeitschriften, Atlas, APs North Korea Journal — Beschäftigung für die Sommerferien

In letzter Zeit ist mal wieder einiges liegen geblieben bei mir. Nicht, weil  es irgendwie nicht gut wäre, sondern weil ich schlicht nicht hinterher kam, das ganze gute Zeug aufzuarbeiten (vor allem Noland und Haggard waren ziemlich fleißig in den letzten Wochen und hatten einen beachtlichen Ausstoß von drei Papers in zwei Monaten. Junge, Junge!). Damit ich mir nicht irgendwann vorwerfen muss, ich hätte es euch nicht gesagt, habe ich beschlossen, mal wieder einigermaßen kurz und Bündig einen Strauß voll Buntes zu packen. Der ist, wie es sich im Sommer gehört, besonders bunt, so dass für Jede/n was dabei sein sollte. Ich habe es nicht geschafft, alles zu lesen (was entweder an meiner Faulheit oder am Fleiß der Anderen, vermutlich aber einer Kombination aus beidem liegt) was schade ist, weil ich euch nichts empfehle, von dem ich nicht ausgehe, dass es irgendwie interessant ist, aber vielleicht komme ich dann ja irgendwann dazu, wenn ich es brauche.

Haggard und Noland zu wirtschaftlichen Verknüpfungen und Geschlechterrollen

Naja, fangen wir einfach mal mit den Papers von Haggard und Noland an. Im Mai veröffentlichten sie eins, dass die Frage von wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen China und Nordkorea auf Unternehmensebene beleuchtet und damit das Paper, über das ich hier geschrieben habe, vertieften. Wie bei Haggard und Noland so üblich, haben sie sich dem Thema auf Basis einer Befragung von Unternehmen genähert. Zu “Networks, Trust, and Trade: The Microeconomics of China–North Korea Integration” geht es hier lang.

Eine ziemlich ähnliche Übung, die aber natürlich inhaltlich trotzdem ganz andere Ergebnisse lieferte haben sie auch für südkoreanisch-nordkoreanische wirtschaftliche Verflechtungen auf Unternehmensebene durchgeführt und darüber noch im selben Monat ein Paper rausgehauen. Hier lang zu “The Microeconomics of North–South Korean Cross-Border Integration”.

Und kürzlich haben sie sich dann noch eines ziemlich anderen aber nicht minder spannenden Themas angenommen. Der Veränderung der Geschlechterrollen in Nordkorea, Frauen haben durch ihre Dominanz in den Marktaktivitäten (was vor allem gesetzlichen Regelungen geschuldet ist) eine neue Rolle errungen, stehen aber gleichzeitig einem männlich dominierten Staatswesen gegenüber, dem sie wenig entgegenzusetzen haben. Diese Ergebnisse wurden mit Hilfe der Befragung von Flüchtlingen gewonnen. Ich hab nur den Abstract gelesen, aber das klingt spannend. Zu “Gender in Transition: The Case of North Korea” kommt ihr hier.

Dossier von interessanten Autoren. Guter Überblick

Daneben gab es im Mai ein ziemlich interessantes Dossier des “American Foreign Policy Council”. Keine Ahnung, ich kenne den Laden nicht, aber ich kenne die Autoren die an dem Dossier mitgeschrieben haben und die lassen vermuten, dass der Verein eher konservativ ausgerichtet ist. Aber nicht schlimm. Einerseits kann man nie genug von Andrei Lankov lesen und andererseits gibt es sehr selten mal was (open Content mäßiges) von Nicholas Eberstadt (was damit zu tun haben könnte, dass er immer nur seine These aus den 1990ern vom (wirtschaftlichen) Kollaps Nordkoreas verteidigen will, was mit der Zeit langweilig wird. Die vier Artikel des Dossiers setzen sich mit Nordkoreas Nuklearprogramm und dem Vorgehen gegenüber diesem (Peter Brookes), der Frage der Stabilität des Systems (Andrei Lankov), der wirtschaftlichen Lage (Nicholas Eberstadt) und dem schwierigen Feld der humanitären Hilfen (James S. Robbins) auseinander. Es gibt nicht großartig was Neues zu lesen, aber jeweils gute Zusammenfassungen zu den Themen, wie sich das für ein Dossier auch gehört. Finden könnt ihr es hier.

Mark Fitzpatrick zur EU-Rolle gegenüber Nordkorea

Ein sehr spannendes Paper, von dem ich mir wünschen würde, dass es auch ein paar deutsche bzw. europäische Entscheidungsträger läsen, hat Mark Fitzpatrick für das EU-Non-Proliferation-Consortium geschrieben, in dem unter anderem die deutsche HSFK und das schwedische Sipri vertreten sind. Darin beschreibt er die Herausforderungen, die von Nordkorea auf dem Feld der Proliferation (also nicht nur der nuklearen) ausgehen um dann die Rolle der EU in diesem Feld bisher (eine Zeit lang war die ja recht aktiv) und eine mögliche Perspektive für die Zukunft zu beschreiben. Das Paper ist sehr geerdet und verlangt von der EU keine grundsätzliche Politikänderung, nur eine etwas aktivere Politik. Als einen zentralen ersten Schritt schlägt Fitzpatrick dabei die wechselseitige Eröffnung von Botschaften in Pjöngjang und Brüssel vor. So könnte die EU unter anderem unabhängig von den USA und Südkorea Informationen gewinnen und in mögliche politische Prozesse aktiver eingreifen. So wie Fitzpatrick es darstellt gab es bisher keine ernsthaften Initiativen, wechselseitig Botschaften zu eröffnen. Das stimmt allerdings so nicht. Wie man hier nachlesen kann, baten die Nordkoreaner darum, genau dies zu tun (jedenfalls eine eigene Botschaft bei der EU zu eröffnen. Das wurde jedoch von der EU blockiert). Daher ist vielleicht die gesamte EU-Politik nicht so positive zu bewerten, wie Fitzpatrick das tut und ein erster Schritt wäre es, sich eine Linie gegenüber Nordkorea zurechtzulegen, die unabhängig von denen der USA und Südkoreas ist. Darin sehe ich nämlich momentan noch das Problem und so kann man auch nicht als ehrlicher Makler agieren, wie Fitzpatrick ganz richtig rät. Zu dem sehr lesenswerten Paper kommt ihr hier.

Wie die NLL entstand. Neues (bzw. Altes) aus den Archiven

Jetzt wird es eher historisch. Vom North Korea International Documentation Project (NKIDP) des Wilson Center gibt es mal wieder ein sehr spannendes Dossier, in dem wie immer beim NKDIP Quellen aus Archiven verschiedener Geheimdienste und anderer Behörden unterschiedlicher Länder ausgewertet wurden und so ein relativ differenziertes und oftmals neues Licht auf historische Momente und Sachverhalte werfen. Dieses Mal geht es um die Entstehung der Northern Limit Line, also der de facto Seegrenze zwischen Nord- und Südkorea im Gelben Meer, die jedoch vom Norden nicht anerkannt wird und wo es in der Vergangenheit relativ regelmäßig zu Zusammenstöße kam. Zum “NKIDP e-Dossier No. 6: The Origins of the Northern Limit Line Dispute” kommt ihr, wenn ihr hier klickt.

Zeitschrift: Korean Histories

Und da wir gerade schon historisch unterwegs sind, bleiben wir noch kurz da. In Leiden (NL) veröffentlicht Remco Breuker die peer-reviewte Zeitschrift Korean Histories. Der Titel spricht für sich. Das Feld ist relativ breit und es geht nicht nur um Nordkorea. Aber hin und wieder gibt es auch mal etwas dazu, wie z.B. in der letzten Ausgabe: “North Korean Art Works: Historical Paintings and the Cult of Personality” von Min-Kyung Yoon. Artikel wie Zeitschrift sind eine schöne Abwechslung, wenn man nicht nur an aktuellen Fragen interessiert ist, sondern auch die historischen Hintergründe erschließen möchte.

Zeitschrift: Asian Literary Review

Ebenfalls gut für eine etwas andere Perspektive ist die Zeitschrift Asia Literary Review. Auch hier gibt es hin und wieder was zu Nordkorea (und Literatur, spannende Kombination über die es selten was gibt). Zwar sind nicht alle Artikel frei zugänglich, aber manche. Derhier zum Beispiel über die Figur Kim Seon-dal die zum Schatz der Koreanischen Volkssagen gehört und vor allem auch in Nordkorea sehr populär ist.

Nordkoreanischer Atlas

Für die eher geographisch interessierten bin ich hier noch über einen eingescannten nordkoreanischen Atlas aus dem Jahr 1997 gestolpert. Leider kann ich nicht so viel damit anfangen, aber vielleicht hilft es euch ja für irgendwas.

Die Früchte ihrer Arbeit: APs North Korea Journal

Zu guter Letzt noch was für Leute, die sich nicht mit ellenlangen Artikeln zu speziellen Themen rumschlagen wollen, sondern mehr Lust auf Presseerzeugnisse haben. Dass die AP ein Büro in Pjöngjang hat wussten wir ja schon alle. Mir war bisher nur leider entgangen, dass es von der AP eine Seite gibt, auf der der gesamte Ausstoß dieses Büros zentral gesammelt wird. Bilder, Artikel und Tweets der Mitarbeiter vor Ort sind im “North Korea Journal” von AP immer zeitnah zu finden und stellen wohl eines der besten medialen Schaufenster dar, das es von westlichen Medien nach Nordkorea momentan gibt. Irgendwie bricht sich mein PC immer einen ab, wenn ich die Seite aufrufe, aber das Ding ist auch schon ziemlich alt und kaputt (wenn ihr auch so einen PC habt, dann könnten seine Schwierigkeiten von der AP-Seite herrühren).

Die Links werde ich wie immer in die entsprechenden Linkseiten einsortieren. Die Zeitschriften zu den andere Online Zeitschriften und die AP Seite zu den Nachrichtenagenturen, Zeitungen, Radio, Fernsehen und sonstigen Hilfsmitteln.

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