Nordkoreas Charmeoffensive: Ein “natürlicher Partner” im Südosten

Normalerweise blicke ich ja meistens nach Westen bzw. Südwesten (also von Nordkorea aus), wenn ich etwas über Nordkoreas Charmeoffensive gegenüber anderen Staaten schreibe. Deshalb finde ich es eine schöne Sache, dass die nordkoreanischen Diplomaten mal für ein bisschen Abwechslung in meiner festgefahrenen Blickrichtung sorgen. Endlich kann ich mich mal ein bisschen drehen und nach Süden bzw. Südwesten schauen.

Nein! Nicht wie ihr denkt! Nordkorea hat nicht angefangen mit aller Macht um die Gunst Australiens und Neuseelands zu werben. Das wäre vielleicht doch etwas ambitioniert. Aber in der Ecke gibt es ja auch noch ein paar andere Länder. Vielleicht nicht ganz so groß und wichtig wie Australien, aber dafür auch nicht ganz so schwierige Gesprächspartner.

Fidschi und Nordkorea: Man versteht sich

Naja, genug um den Brei rumgeredet (und das, obwohl er garnicht besonders heiß ist (mir war einfach danach)), ich spreche von Fidschi, einem der ozeanischen Inselstaaten. Unter anderem dorthin war vor ein paar Monaten — weitgehend unbemerkt zumindest von der europäischen Welt (so wie so ziemlich alles in dieser Ecke weitgehend unbemerkt abläuft (gibt es Vanuatu eigentlich noch?)) — eine Delegation nordkoreanischer Außenpolitiker aufgebrochen.

Sie sprach unter anderem über Kooperationen bei der Fischerei, aber auch im kulturellen Bereich. Ich habe das zwar am Rande mitbekommen, aber mich nicht besonders dafür interessiert, denn irgendwie gehört es ja zur Außenpolitik, sich ab und zu mal gegenseitig zu besuchen. Nun gab es aber in den letzten Tagen Hinweise darauf, dass der Besuch der nordkoreanischen Delegation auf recht fruchtbaren Boden gefallen ist und so interessiere ich mich dann doch plötzlich für das Thema. Vor einer knappen Woche präsentierte Esala Teleni, der Botschafter Fidschis in Peking, Kim Yong-nam sein Beglaubigungsschreiben (der formale Akt zur Akkreditierung eines neuen Botschafters) und hatte danach einen Plausch mit ihm. Damit ist Fidschi laut örtlichen Medien (würde man jetzt “fisdschianischen Medien” oder so schreiben, oder gibt es diese Formulierung für dieses Land einfach nicht?) der erste Staat Ozeaniens, das einen Botschafter in Pjöngjang akkreditiert hat.

Abkommen über künftige Zusammenarbeit

Heute bin ich dann noch über die Meldung gestolpert, dass beide Staaten auf dem Blockfreientreffen in Teheran (Fidschi ist dem Club gerade erst beigetreten) ein Abkommen gegenseitigen Einverständnisses unterzeichnen wollen. Darin soll eine Verstärkung bilateraler Konsultationen und den Meinungsaustausch über Möglichkeiten der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zusammenarbeit und des Austausches in diesen Feldern vereinbart werden. Das klingt zwar wenig konkret, aber es ist trotzdem ein eindeutiges Signal. Bis 2002 ruhten die diplomatischen Beziehungen ganz (seit 1987), dann wurden sie zwar wieder aufgenommen, jedoch ohne großartige Auswirkungen und jetzt gibt es innerhalb von zwei Monaten drei Ereignisse, die auf engere Beziehungen hindeuten. Zufall ist das jedenfalls nicht.

Fidschis Lage ähnelt der Nordkoreas

Vielmehr hat sich Fidschi in den letzten Jahren in einer Situation befunden, die der Nordkoreas nicht vollkommen unähnlich war. Nach einem Putsch im Jahr 2006 (bei dem der heutige Botschafter des Landes in China und Nordkorea scheinbar ordentlich mitmischte (was ihn aber nicht davon abhält, den Chinesen was von Mehrparteiendemokratien zu erzählen)), hatte der Inselstaat in seiner Region eine Zeitlang fast gänzlich isoliert dagestanden. Es war zeitweise aus dem Forum pazifischer Inseln und bisher dauerhaft aus dem Commonwealth of Nations ausgeschlossen worden und die diplomatischen Beziehungen zu Australien und Neuseeland waren höchst angespannt (alle Botschafter waren zurückgerufen bzw. ausgewiesen worden) und wurden gerade erst wieder normalisiert. Diese Situation der weitgehenden Isolation führte zu weiteren wirtschaftlichen Schwierigkeiten und dazu, dass Fidschi begann sich außenpolitisch breiter zu orientieren. Es suchte Kontakt zu allen Staaten, die bereit waren sich mit ihm abzugeben (daher auch der Beitritt zu den Blockfreien), um in Zukunft nicht nocheinmal so isoliert dazustehen, aber auch um der schwächelnden Wirtschaft auf die Beine zu helfen. Solche Freunde fand es natürlich nicht zuletzt in China, aber wie sich jetzt zeigt auch in Nordkorea.

“Natürliche Partner”

Die Parallelen sind interessant und nicht wegzureden. Beide fürchten Isolation und versuchen ihrer Wirtschaft Schwung zu verleihen. Dabei wenden sie sich an alle, die sich ihnen gegenüber offen zeigen und daher sind sie ja nahezu “natürliche Partner”. Dieser Sachverhalt zeigt aber noch etwas anderes. Die Vorgehensweise westlicher Staaten, solche Mitglieder der internationalen Gemeinschaft, die sich nicht ihren Vorstellungen entsprechend verhalten, mit Nichtachtung und Isolation zu strafen hat zwar ihre Reize, jedoch auch ihre Risiken. Denn wenn die Gestraften mit der Zeit immer mehr werden und gleichzeitig auch noch China als immer mächtiger werdender, aber weniger unbequemer Freund bereitsteht, dann wird man damit irgendwann nicht mehr einzelne kleine und relativ schwache Staaten maßregeln, sondern die Einflusssphäre eines großen und relativ mächtigen Staates erweitern. Nicht undenkbar, dass diese Überlegung auch Neuseeland und Australien dazu brachte, die Maßnahmen gegen Fidschi auslaufen zu lassen. Und was hat das mit Nordkorea zu tun? Nicht besonders viel. Allerdings wird man in Pjöngjang schon sehr genau beobachten, welche Staaten gerade Spannungen mit der westlichen Welt austragen und deshalb neue Adressaten für diplomatischen Charme sein könnten.

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2 Antworten

  1. Gemeint ist sicherlich ein Partner “im Südosten”…

    • Genau das ist gemeint.
      Manchmal wundert man sich über sich selbst (aber das ist eine meiner großen Schwächen: Ich habe oft nach dem Schreiben keine Lust mehr auf intensives Korrekturlesen)! Danke für den Hinweis!

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