Verkehr auf der Koreanischen Halbinsel (I): Vorstellung des Verkehrs auf der Koreanischen Halbinsel

Klickt auf das Bild und findet die schon erschienenen Artikel der Serie.

Nikola Medimorec

Wenn man im Internet nach “Verkehr in Nordkorea” sucht, stößt man zuerst auf Bilder von Verkehrspolizistinnen, die an Kreuzungen von Pjöngjang den kaum vorhandenen Pkw-Verkehr dirigieren. In den letzten Jahren soll zwar der innerstädtische Verkehr angestiegen sein, aber in Vergleich zu anderen Hauptstädten ist er immer noch sehr gering. Wie wird es dann erst auf dem Land aussehen und wie gut ist das Verkehrswegenetz überhaupt ausgebaut?

Verkehrspolizistin in Pjöngjang

Die Verkehrspolizistinnen, die in Pjöngjang den teilweise inexistenten Verkehr regeln, sind international zu einer gewissen Berühmtheit gekommen (Foto: Joseph A. Ferris III; CC Lizenz: “Attribution 2.0 Generic (CC BY 2.0)”)

Seit der Teilung Koreas entwickelten sich beide koreanischen Staaten sehr unterschiedlich, was sich unter anderem in der Verkehrsinfrastruktur ausgeprägt hat. In der Karte wird deutlich, dass Nordkorea von der reinen Fläche her größer als Südkorea ist. Es sind aber weniger Städte verzeichnet, weil es dort nur halb so viele Einwohner wie im Süden gibt. Die Distanzen zwischen den Städten scheinen also größer zu sein und bei den wenigen eingezeichneten Straßen, fragte ich mich, wie die Städte verkehrlich miteinander verbunden sind, wie Güter transportiert werden und Einwohner von einer Stadt in eine andere gelangen. Um diese Fragen zu beantworten zu können, muss zuerst das Angebot der Verkehrsinfrastruktur beschrieben werden.

traffic ways korean peninsulaKim Il-Sung hat den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur als Schlüssel zur wirtschaftlichen Entwicklung gesehen. Straßen waren zwar sehr wichtig, aber es wurde der Schienentransport (hierbei Güter- sowie Personentransport) als Priorität betrachtet. Zu Beginn des Regimes bis in die 60er funktionierte das Regime gut und Nordkoreas Wirtschaft erlebte nach Japan die dynamischste Entwicklung unter den Staaten Ostasiens. Aber die Zugtechnologie wurde weder verbessert noch das Netz erweitert. Das Schienennetz ist 5,250 km lang und damit auch viel länger als die 3,400 km Schiene Südkoreas. In Zahlen ist das komplette nordkoreanische Straßennetz um die 25,000 km lang und es gibt sieben Straßenkategorien in Nordkorea, wobei die oberste Kategorie die Autobahnen sind und die übrigen Kategorien von Level 1 bis 6 durchgestuft sind. In Südkorea gibt es ebenfalls sieben Straßenkategorien, aber das Straßennetz ist viel dichter mit knapp über 100,000 km Länge. Vergleicht man nur die Autobahnen (in Südkorea: National Expressways) hat man in Nordkorea nur 661 km und im Süden 3,776 km.

Nur die Länge zählt?

Soweit die quantitative Betrachtung, bei dem Nordkorea dem wirtschaftlich viel stärkeren Südkorea relativ nicht allzu weit hinterher hinkt. Es liegen jedoch Welten zwischen den Qualitäten der beiden Verkehrsinfrastrukturangebote. Nur Autobahnen und 40 % der Straßen Level 1 sind im Norden asphaltiert, alle anderen Wege bestehen aus Schotter. Anders ausgedrückt: weniger als 5 % des Straßennetzes verfügen dort über einen Asphalt-Belag. Dazu kommt, dass Schlaglöcher durch fehlende Instandhaltung, Risse durch Winterfrost oder Überflutungen entstanden sind, und selbst auf asphaltierten Wegen nur niedrige Fahrtgeschwindigkeiten erlauben. Das Abstruse hierbei ist, dass es gar nicht so schlimm ist, weil so gut wie kein Verkehr existiert. Eine nennenswerte Automobilindustrie existiert nicht und durchschnittliche Haushalte könnten sich kein Auto leisten. Abgesehen von der schlechten Wirtschaft, ist wegen UN-Sanktionen Benzin eine Mangelware. Oftmals wurden Trucks so umgebaut, dass sie mit Hilfe eines Holzvergasers fahren können. Dementsprechend sind die Autobahnen leer und Fahrradfahrer sowie Ochsenkarren nutzen die breiten Fahrbahnen zum Zurücklegen von kurzen Strecken.

Nordkorea Schienen

Gut frequentiert: Nordkoreas Schienenwege… (Foto: Joseph A. Ferris III; CC Lizenz: “Namensnennung 2.0 US-amerikanisch (nicht portiert) (CC BY 2.0)”)

Also bleibt Nordkoreanern als einzige Möglichkeit zur Zurücklegung von größeren Distanzen die Schiene. Jedoch hoffentlich nicht auf die Weise, die im obigen Bild aufgenommen wurde. Es ist aber festzuhalten, dass Nordkoreaner ohne schriftliche Erlaubnis ihre Region nicht verlassen dürfen. Deswegen könnte man annehmen, dass der Fernverkehr mit Passagieren schwach ausgeprägt ist. Es gibt Fahrpläne bei Zügen, aber diese sind sehr unzuverlässig und die Züge sind immer überfüllt. Nachrichtenagenturen berichten, dass Leute auf den Dächern von Zügen sitzen und an den Fenstern hängen. Also ein Bild, welches bei uns eher aus dem extrem übervölkerten Indien als typisch bekannt ist. Zur Unzuverlässigkeit trägt bei den Zügen auch die Energieknappheit bei. 80 % des Schienennetzes ist elektrifiziert, jedoch fehlt die Elektrizität für die Züge. Daraus resultiert, dass Diesellokomotiven fahren um bei Stromausfällen weiterhin mobil zu sein. Südkoreas Schienen sind nur zu ungefähr 54 % elektrifiziert. Dafür gibt es Hochgeschwindigkeitsstrecken und viele neue, moderne, mehrgleisige Schienenstrecken. Nordkoreas Schienennetz wurde größtenteils unter der japanischen Besatzung für Güterverkehr errichtet. Auf dem gesamten Nordkoreanischen Gebiet gibt es mit einer Ausnahme nur eingleisige Streckenführung.

Ohne Nachfrage kein Angebot, richtig?

Im Gesamtüberblick könnte man nun behaupten, dass die Situation in Nordkorea gar nicht so schlimm einzustufen ist, weil es immerhin praktisch keinen Verkehr gibt und somit viele Probleme nicht existieren. Es gibt keine Staus und kaum Verkehrstote. Bei der Analyse ist aber immer der Gedanke an die Wiedervereinigung präsent. Da würde es zu großen Schwierigkeiten im Bereich Verkehrssicherheit und Kapazität kommen. Es wird im nächsten Teil deutlich vermittelt, dass „Schwierigkeit“ untertrieben ist. Sobald die Grenzen fallen, wird Straßenverkehr kommen.

Alle dargestellten Inhalte sind nur ein Abriss meiner Abschlussarbeit „Reunification Through Transport. Lessons from the German Transport Unity Transport Projects for the Korean Peninsula“. Wer sich für die Quellen, mehr Details, weitere Ausführungen interessiert und das gesamte Bild der Verkehrswegestruktur kennenlernen möchte, kann meine Abschlussarbeit unter folgendem Link erwerben: http://www.lulu.com/shop/nikola-medimorec/reunification-through-transport-lessons-from-the-german-unity-transport-projects-for-the-korean-peninsula/ebook/product-20282587.html

About these ads

3 Antworten

  1. Sollte die gezeigte Karte mit den Autobahn- und Eienbahnlinien teil einer akademischen Arbeit sein, dann bezweifle ich die Existenz jener eingezeichneten Eisenbahnlinie, die von Manpo ausgehend stets dem Yalu flußauf folgend bis kurz vor Kim Hyong Jik, wo sie auf eine quer durchs Land verlaufende Linie treffen soll, führt.

    • Ich habe die Daten über Schienen und Straßen vom koreanischen Verkehrsinstitut KOTI übernommen, welches von sich behauptet die aktuellsten Daten zu haben. Und in einer anderen koreanischen, sehr detaillierten Karte war diese Strecke auch enthalten. In vielen Karten gibt es diesen Abschnitt nicht, das stimmt.

      • Dann müssen die Nordkoreaner diese Bahnlinie heimlich und sehr rasch gebaut haben. 2009, als ich von Changbaihyon über Linjiang – stets dem Yalu entlang – bis Jian flußabwärts reiste, gab es diese Bahnlinie noch nicht. Bei google earth kann ich sie auch nirgends erkennen.

Meinungen, Anregungen, Kritik? Alles gern gesehen!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 66 Followern an