Niederländische Anfänge und Enden — Leiden inK. und Pyongyang Restaurant

“Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.” Dieses geflügelte Hesse-Wort beherzigen auch unsere Medien immer mal wieder gerne und berichten daher lieber über zauberhafte Anfänge als über schreckenvolle Enden (obwohl natürlich auch jene einen gewissen Reiz haben, sind die Schrecken nur spektakulär genug). So war das jedenfalls im Falle des Pyongyang Restaurant, das vor ungefähr einem halben Jahr unter viel medialem TamTam in Amsterdam eröffnete. Natürlich wurde auch ein bisschen über moralische Fragen wie die Ausbeutung der Arbeiter und Freiheit bzw. Unfreiheit der Menschen in Nordkorea und dem Sinn oder Unsinn des Besuchs eines solchen Lokals diskutiert, aber am Ende siegte doch die Lust am Kuriosen und Fremden. Wie man hörte schmeckte es dort ganz gut, das Ambiente war wie erwartet spektakulär und die Preise nicht eben niedrig. Aber man gönnte sich ja sonst nix.

Gerade wegen der Mischung aus der Neugier der Menschen und der nicht niedrigen Preise, hätte ich nicht gedacht, schon so bald von der Schließung des Lokals zu hören, aber genau das scheint der Fall zu sein, wie ich kürzlich las. Wie man lesen kann, scheint es einen Streit ums Geld gegeben zu haben, bei dem sich die nordkoreanischen Bediensteten (sagen sie hätten ihren Lohn nicht gekriegt) und die niederländischen Eigentümer (sagen die Nordkoreaner hätten garnicht in dem Restaurant arbeiten wollen, sondern nur einen perfiden Plan geschmiedet, um an ein Arbeitsvisum zu kommen) gegenseitig für das Ende des Geschäfts verantwortlich machen. Die ganze Geschichte geistert schon fast seit 2 Wochen durch die Medien, aber nicht wirklich durch die Deutschen. Hier musste man ziemlich genau lesen, um der Schließung gewahr zu werden.

Die Relevanz dieser Nachricht ist nicht überragend groß, aber zwei Erkenntnisse lassen sich letztendlich doch gewinnen: Geschäfte machen mit nordkoreanischen Partnern ist scheinbar nicht immer einfach. Darauf deuten einige Erfahrungen aus der internationalen Politik hin, aber auch diverse Berichte aus der Geschäftswelt (ob China, Deutschland oder Südkorea, überall gibt es gebrannte Kinder). Allerdings heißt das nicht, dass die nordkoreanische Seite auch am Scheitern dieses Geschäfts eine Schuld trägt.

Eine etwas handfestere Erkenntnis betrifft die, die in den nächsten Tagen oder Wochen im Pyongyang Restaurant essen gehen wollten. Die sollten über einen Alternativplan nachdenken. Sollten sie der niederländischen Coffeekultur nicht zugetan sein, könnten sie darüber nachdenken, nächsten Mittwoch einfach ein paar Kilometer weiter zu fahren und sich in Leiden den Vortrag von Geir Helgesen mit dem Titel “A user’s manual to North Korea: Matters and issues that shape relations between them and us” anhören. Das ist bestimmt alles andere als uninteressant, es klingt jedenfalls danach, als würde sich Helgesen unter anderem sehr kritisch mit der medialen Darstellung Nordkoreas in der westlichen Welt auseinandersetzen. Sollte jemand Zeit haben, kann er sich hier anmelden.

Insgesamt läuft an der Uni in Leiden gerade einiges interessantes zu Nordkorea, denn unter Führung von Remco Breuker und Koen De Ceuster ist man dort gerade dabei, die Leiden Initiative on Northern Korea (Leiden inK.) aus der Wiege zu heben.  Bisher gibt es außer einem kleinen Image Flyer noch nicht viel dazu, aber der klingt schonmal vielversprechend. Man will Nordkorea in seinem historischen wie sprachlichen Kontext verstehen und eher mit, als über Nordkorea sprechen. Die Initiative wird in dieser Woche mit einem internen Roundtable von Nordkoreaexperten gestartet und ich denke, dann wird es bald mehr dazu geben. Generell halte ich ein solch ambitioniertes Projekt für vielversprechend und hoffe, dass es einen guten Start haben wird und dass auf die gut klingenden Ankündigungen handfestes folgt. Aber wie ich ja zu Beginn bereits sagte: “Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne”. Auf dass dieser akademische niederländische Anfang etwas länger währe, als der zuvor erwähnte kulinarische…

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