Verkehr auf der Koreanischen Halbinsel (III): Grenzüberschreitende Projekte mit Nordkorea

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Nikola Medimorec

Der dritte Teil der Serie behandelt die grenzüberschreitenden Projekte von Russland, China und Südkorea mit Nordkorea. Hierbei geht es nicht zu sehr ins Detail, weil die vorgestellten Projekte in der Planung bzw. Umsetzung sind und sich so noch viele Veränderungen vollziehen können. Darüber hinaus ist das Thema mit seiner Mischung aus wirtschaftlichen und politischen Interessen sehr komplex. Vielmehr soll mit dem dritten Teil der Serie „Verkehr auf der Koreanischen Halbinsel“ das Grundprinzip verdeutlicht werden, um die Bedeutung dieser Projekte verstehen zu können.

Das andere Korea

Südkorea ist eigentlich eine Insel. In drei Himmelsrichtungen von Meer umschlossen und im Norden ist die Grenze mit Nordkorea. Das führt zu absurden Überlegungen wie Tiefseetunnel nach Japan und sogar nach China. Die einzige Möglichkeit für die Expansion von Verkehrswegen ist in Richtung Norden, was unter den bestehenden Umständen nur wenige Kilometer über die Grenze möglich ist.

Die Karte zeigt vorhandene und fehlende Bahnverbindungen zwischen Süd- und Nordkorea. (Quelle: LEE, SUNG-WON (2010): Integrated Transport and Logistics Infrastructure Development for Northeast Asia: With Special Emphasis on Korean Peninsula, S. 17.)

Die Sonnenschein-Politik Südkoreas in der vorigen Dekade engagierte sich primär für grenzüberschreitende Projekte mit Nordkorea. Diese sollten für mehr Stabilität, Sicherheit und Annäherung sorgen. Die Wiederherstellung der Schienen- und Straßenverbindung der Kyungui-Linie nördlich von Seoul nach Kaesong (mit der Verlängerung nach Pyongyang), der Aufbau des Kaesong Industriekomplexes und die Entwicklung des Touristenressorts in der Bergregion Geumgang über die Ostküste zählen zu den Projekten. Heute wird nur noch die Autobahn Nr. 1 (oder auch Unification Highway genannt) zum Transport von Gütern und Personen zwischen Südkorea und Kaesong genutzt. Nachdem eine südkoreanische Touristin vom nordkoreanischen Militär im Gebiet von Geumgang erschossen wurde, wurden diese Touren suspendiert. In den fünf Jahren waren um die 300.000 Touristen dort. Ob man Kaesong als Erfolgsmodell bezeichnen kann, ist schwierig zu beurteilen. Die Infrastruktur wurde komplett von Südkorea gestellt und es ist eine Möglichkeit für südkoreanische Betriebe billig Produkte herstellen zu lassen. Die Zahl von Arbeitern und gefertigten Produkten steigt, aber ursprünglich war geplant, dass bis 2012 ca. 730.000 Nordkoreaner dort arbeiten. Diese Zahl wirkt illusionär, wenn man betrachtet, dass es heute nur 50.000 Arbeiter sind. 2008 suspendierte Nordkorea jeglichen Zugtransport von Kaesong in Richtung Süden. Aber der Gütertransport per Schiene hat sich wegen dem geringen Produktionsvolumen nie wirklich gelohnt. Auf der Westverbindung operieren nur noch Lkws, die Rohstoffe anliefern und mit fertigen Produkten wiederkommen. Als eine weitere Verbindung zwischen dem Norden und Süden könnte außerdem noch eine Schienen- und Straßenverbindung im Innern der Halbinsel durch einen Wiederaufbau von jeweils weniger als 30 km hergestellt werden.

Russland

Russland ist vor allem daran interessiert den Hafen von Rajin zu benutzen, weil es der nördlichste, über das Jahr komplett eisfreie Hafen an der Westpazifik-Küste ist. 2001, als sich King Jong-Il und Vladimir Putin trafen, wurde der Grundstein für dieses Projekt gelegt. Mittlerweile ist die ca. 52 km lange Schienenstrecke mit Mehrschienengleise (wegen der untersch. Spurbreite) fertiggestellt und ab Oktober 2012 sollen dort Gütertransporte durchgeführt werden. Außerdem spielt Russland eine signifikante Rolle in der Stabilität und Sicherheit auf der koreanischen Halbinsel, weil Russland mit beiden Teilen gute Beziehungen unterhält. Das zeigt sich vor allem durch die Planung der Gas-Pipeline, die von Russland durch Nordkorea nach Südkorea verlaufen soll. Die Bedeutung dieses Projekts für eine Annäherung ist extrem hoch.

Bei den Nachbarn sehr begehrt. Der Hafen von Rajin. (Quelle: Google Earth)

Rohstoffhungriges China

Chinas Intentionen sind relativ klar: Ressourcen und Wirtschaftswachstum. China investiert sehr viel in Nordkorea. Es ist kein Geheimnis, dass China Nordkorea am Leben erhält. Die Investitionen lassen sich in zwei Arten einteilen: Förderung von Ressourcen und Ausbau der intranationalen Infrastruktur. Dazu kommt unter dem Schlagwort „Chang-Ji-Tu“ mehrere Projekte, die für Nordkorea bedeuten, dass China viel Geld in den Ausbau der Infrastruktur stecken wird und dafür die Rechte auf bestimmte Bodenschätze erhält. Die Grenzgebiete Chinas würden wirtschaftlich von Kooperationen mit Nordkorea profitieren. Autobahnen und Grenzübergänge sind bereits auf chinesischer Seite realisiert. Eine Hochgeschwindigkeitsstrecke ist in Planung. Aber auf nordkoreanischer Seite läuft die Umsetzung viel langsamer ab und scheitert teils schon in der Planungsphase bei Verhandlungen oder Finanzierungsfragen. China ist wie Russland auch an der Nutzung von Rajin bzw. anderer Häfen an der koreanischen Ostküste interessiert. Die Straßenverbindung von der chinesischen Region Jilin bis nach Rajin sind verbessert worden und 2011 wurde chinesische Kohle über Land nach Rajin und dann per Schiff nach Shanghai transportiert.

 Grenzüberschreitende Projekte: Schwierige Aufgaben mit großem Potential

Die grenzüberschreitenden Projekte zeigen, wie schwer es unter den aktuell gegeben Umständen, also bei fehlender Stabilität, Sicherheit und Frieden, ist, zwischenstaatliche Kooperationen mit Nordkorea aufzubauen. Gleichzeitig zeigt es aber auch, was für ein Potential Nordkorea in der Zukunft unter den Bedingungen einer freien Marktwirtschaft hätte. Für die wirtschaftliche Entwicklung der grenznahen Regionen Chinas und Russlands sind diese Kooperationen vorteilhaft und für Nordkorea überlebenswichtig. Jedes dieser Projekte wird wichtiger Ausgangspunkt für die wirtschaftliche Entwicklung eines wiedervereinten Koreas.

 

Alle dargestellten Inhalte sind nur ein Abriss meiner Abschlussarbeit „Reunification Through Transport. Lessons from the German Transport Unity Transport Projects for the Korean Peninsula“. Wer sich für die Quellen, mehr Details, weitere Ausführungen interessiert und das gesamte Bild der Verkehrswegestruktur kennenlernen möchte, kann meine Abschlussarbeit unter folgendem Link erwerben: http://www.lulu.com/shop/nikola-medimorec/reunification-through-transport-lessons-from-the-german-unity-transport-projects-for-the-korean-peninsula/ebook/product-20282587.html

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