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    Deutschlands Agenda, das Debattenforum für deutsche Außenpolitik, in dem die Arbeit von Bundesregierung und Bundestag sowie aktuelle außen- und sicherheitspolitische Themen diskutiert werden.

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Verkehr auf der Koreanischen Halbinsel (V): Lektionen aus der Wiederherstellung der deutschen West-Ost Verbindungen für Korea


Klickt auf das Bild und findet die anderen Artikel der Serie, die bisher erschienen sind

Nikola Medimorec

Bei der Betrachtung der vorigen Beiträge wird deutlich, dass viel mehr Schwierigkeiten bei einer Wiedervereinigung in Korea als in Deutschland auftauchen werden. Deswegen ist es wichtig, dass Südkorea die gleichen Fehler vermeidet und die Wiedervereinigung gut vorbereitet, indem die Lektionen aus Deutschland gesammelt und analysiert werden. Dazu gibt es zwar viele Abhandlungen, aber nur wenige befassen sich mit Verkehr.

Unser aller Problem: Zeit und Geld

Eine Lektion betrifft den Faktor Zeit: Auf der einen Seite braucht der Prozess der Wiedervereinigung Zeit bis er vollkommen abgeschlossen ist, andererseits müssen Verkehrsverbindungen innerhalb kürzester Zeit realisiert werden. Immerhin ist das Hauptziel die wirtschaftliche Entwicklung im Norden anzutreiben, die wahrscheinlich mit der direkten Konkurrenz im Süden große Schwierigkeiten haben wird. Neben gut durchdachter Planung ist politischer und gesellschaftlicher Konsens sehr wichtig. Später kommen wir noch einmal auf den Faktor Zeit zurück.

Vorbereitung ist wichtig

Ein Fonds für eine Wiedervereinigung, also ein spezieller Geldtopf für die Wiedervereinigung, fehlte im Voraus in Deutschland. Der Solidaritätszuschlag war zwar eine gute Finanzierungsquelle aber bei weitem nicht ausreichend. Wenn in Korea zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung ein Fonds vorhanden wäre, könnten Projekte schneller starten, da die Finanzierung nicht geklärt werden müsste. Auch weil die Umstrukturierung und Entwicklung der Wirtschaft im Norden teuer werden wird, höchstwahrscheinlich in Relation viel teurer als es in Deutschland der Fall war, ist eine finanzielle Vorbereitung geboten.

Die Verkehrsprojekte Deutsche Einheit wurden mit einem Investitionsvolumen und Zeitlimit versehen. Das motivierte die Planer zur schnellen und kosteneffizienten Umsetzung. Es wurden privatrechtlich organisierte Projektgesellschaften gegründet, die über mehrere Regionalbüros eng mit der jeweiligen Verwaltung zusammenarbeiteten. Mehrere Gesetze verkürzten die Planungsdauer effektiv. Wie es bei Großprojekten ja schon fast die Regel ist konnte allerdings der Zeitrahmen nicht immer eingehalten werden und die Gesamtkosten fielen deutlich höher als geplant aus. Dies kann allerdings nicht zuletzt damit erklärt werden, dass sobald die Projekte erst einmal anliefen, deren erfolgreiche Fertigstellung die höchste Priorität hatte .Aus der deutschen Situation kann Korea lernen, wie die Aufgabe der Infrastrukturplanung organisiert und umgesetzt werden kann.

If wealth doesn’t come to North Korea, North Koreans will come to the wealth.” (1)

Eine sehr wichtige Sache, die in Deutschland aus bestimmten Gründen nie explizit in die Planung der Verkehrswege miteinbezogen wurde, war die Frage über die Migration von Ost nach West. Deutschland erlebte zwei große Wellen der Migration: zuerst direkt nach dem Mauerfall in der Euphorie und dem Wunsch der direkten Verbesserung des Lebensbedingungen und die zweite Welle war knappe acht Jahre später als die Frustration über die langsame Anpassung zu einem gewissen Punkt angestiegen war. Teils wurden Autobahnen und Straßen gebaut, die eine viel zu große Kapazität haben, weil das projizierte Verkehrsvolumen zu hoch war. Die Arbeitsmigration wurde durch die gut ausgebaute Infrastruktur verstärkt. Das bedeutet, dass es möglich wurde im Osten zu leben und im Westen zu arbeiten. Was die Folgewirkungen des Infrastrukturausbaus noch komplizierter macht, ist die Tatsache, dass die verbesserte Verbindung von Hinterland und Zentrum dazu führt, dass Firmen und Betriebe ihren Einflusskreis (in Bezug auf Lieferungen und Serviceleistungen) erweitern konnten. Das führte zur Existenzgefahr von Betrieben auf dem Land, die mit dieser neuen Konkurrenz nicht mithalten konnten. Oben erwähnte ich, dass die Konkurrenz aus dem Süden die Wirtschaft in Nordkorea schädigen würde. Gute Verkehrsnetzanbindung ist aber essentiell, damit ein Standort überhaupt konkurrenzfähig sein kann. Ohne noch weiter auf die Effekte von Infrastruktur einzugehen, lässt sich festhalten, dass die Wirkungen sehr vielfältig sind, aber der Ausbau entscheidende  Möglichkeiten zur Entfaltung und Mobilität fördert.

Tipping Point

Der Faktor Zeit beschreibt sich nicht nur durch Dauer sondern auch durch gewisse Momente bzw. Zeitpunkte. Das wahrscheinlich Wichtigste, was Südkorea lernen sollte, ist den richtigen Zeitpunkt abzupassen, ab dem man von kleinen und schnell realisierbaren Projekten zu langfristigen, sich über ganz Nordkorea erstreckende Großprojekte wechselt. In der englischen Literatur wird es als „tipping point“ (2) bezeichnet. Während zwischen DDR und BRD die genauen Details der Wiedervereinigung diskutiert wurden, gab es bereits eine Verkehrswegekommission, die wichtige Verkehrsrouten (je für Schiene und Autobahn) ausarbeitete. Wie in den vorhergehenden Artikeln schon mehrmals erwähnt, die verschärfte Situation in Nordkorea mehr Planung und mehr Projekte brauchen, sollte frühestmöglich angefangen werden. Zumindest könnte jetzt bereits die Planung stattfinden, wobei hier zwei Gefahren herrschen: Wenn die Wiedervereinigung noch weit in der Zukunft liegt, wäre es ein großer Fehler diesen bis dahin veralteten Plan 1:1 umzusetzen. Außerdem kann die Planung jetzt nur aus südkoreanischer Sicht ohne Bestandsaufnahme der exakten Verhältnisse im Norden oder deren Kooperation stattfinden. Nordkoreas neue Verwaltung und Bürger müssen in den Planungsprozess involviert werden, damit ein bestmöglichster Konsens entsteht. Das macht den „Tipping Point“ aus.

Die Verkehrsprojekte Deutsche Einheit werden als ein Erfolg bewertet. Deswegen wäre eine Übertragung des Grundprinzips auf Korea eine große Hilfe und in Kombination mit anderen Lektionen könnte der Erfolg einer Wiedervereinigung auf der koreanischen Halbinsel sehr wahrscheinlich sein. Im nächsten (und auch letzten) Beitrag lassen wir die Phantasie spielen und schauen uns die Zukunft des Verkehrs in Korea an.

(1) TORRY, HARRIET (2012): Lessons From German Reunification. The Wall Street Journal Asia.

(2) CHA, VICTOR/ KANG, DAVID (2011): Challenges for Korean Unification Planning. Justice, Markets, Health, Refugees, and Civil-Military Transitions. An Interim Report of the USC-CSIS Joint Study. The Korea Project: Planning for the Long Term.

 

Alle dargestellten Inhalte sind nur ein Abriss meiner Abschlussarbeit „Reunification Through Transport. Lessons from the German Transport Unity Transport Projects for the Korean Peninsula“. Wer sich für die Quellen, mehr Details, weitere Ausführungen interessiert und das gesamte Bild der Verkehrswegestruktur kennenlernen möchte, kann meine Abschlussarbeit unter folgendem Link erwerben: http://www.lulu.com/shop/nikola-medimorec/reunification-through-transport-lessons-from-the-german-unity-transport-projects-for-the-korean-peninsula/ebook/product-20282587.html

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