“The KPA never makes an empty talk.” — Oder vielleicht doch?

Heute gab es aus Nordkorea mal wieder massive Drohungen. Man wolle das Rimjin Pavillon direkt und ohne Vorwarnung unter Feuer nehmen, sollten südkoreanische Aktivisten wie geplant am kommenden Montag von dort aus Luftballons mit regimekritischem Inhalt in Richtung Nordkorea abschicken. Daher sollten vorsorglich die Zivilisten aus der Gegend evakuiert werden:

The Western Front Command of the KPA issues following notice upon authorization:

1. Rimjin Pavilion in Phaju City, location from where the puppet forces made public they would send leaflets and its surrounding area will become targets of direct firing of the KPA from now.

The location is the origin of provocation which can never be left as it is and a target of physical strike to be immediately blown away.

2. The moment a minor movement for the scattering is captured in Rimjin Pavilion and in its vicinity, merciless military strike by the Western Front will be put into practice without warning.

Scattering of leaflets amounts to an undisguised psychological warfare, breach of the Korean Armistice Agreement and an unpardonable war provocation.

3. South Korean inhabitants at Rimjin Pavilion and its surrounding area are requested to evacuate in anticipation of possible damage.

The KPA never makes an empty talk.

Die Reaktion aus dem Süden ließ nicht lange auf sich warten. Verteidigungsminister Kim Kwan-jin, der momentan ohnehin ein bisschen unter Druck steht, weil seinen Leuten der Grenzübertritt eines geflohenen nordkoreanischen Soldaten entgangen war, was Fragen hinsichtlich der Grenzsicherheit aufwarf, kündigte an, auf einen Beschuss mit einem lokal begrenzten Gegenschlag (die Quelle des Beschusses ausschalten) zu antworten.

Die Drohungen beider Seite klingen erstmal auf ihre Art recht glaubwürdig. Die nordkoreanische, weil sie einerseits auch die Evakuierung von Zivilisten verlangt und damit den (vielleicht realen) Anschein erweckt, bei diesem Angriff nicht dieselben Fehler wie beim Beschuss von Yonpyong zu machen und zivile Opfer zu verantworten, das macht es für mich irgendwie glaubwürdiger. Außerdem schließt der Text der Drohung mit der Aussage, dass man keine leeren Worte mache. Und irgendwie kann man es sich ja schwer vorstellen, dass man in so einer Ankündigung auch noch sagt, man mache keine leeren Worte, nur um genau das dann ein paar Tage später zu tun. Die südkoreanische Gegendrohung ist deshalb glaubwürdig, weil sie ganz genau beschreibt, was die südkoreanische Arme tun wird (bzw. vorhat zu tun, denn ob das gelingt, steht ja auf einem anderen Blatt) falls es zu einem Beschuss kommt, nicht mehr und nicht weniger.

Allerdings sollte man die Drohungen aus dem Norden vielleicht doch nicht ganz so ernst nehmen, wie sie auf den ersten Blick scheinen. Südkoreas Verteidigungsminister Kim hat nicht ohne Grund darauf hingewiesen, dass dies nicht die ersten Drohungen aus dem Norden gegen südkoreanische Luftballonstarter und andere Propagandaquellen seien. Solche Drohungen kommen um genau zu sein ziemlich regelmäßig aus Nordkorea. Aber da das Rimjin Pavillon immernoch steht, wurden sie bisher nicht in die Tat umgesetzt. Auch die Aussage, die Koreanische Volksarmee mache keine leeren Worte, lässt sich bei näherer Prüfung nicht wirklich halten. Hier ist ein Beispiel aus dem Mai 2010, in dem die Armee ebenfalls ankündigt, keine leeren Worte zu machen und hier eines aus dem Jahr 2008. Nur zu diesem Anlass hatte es mit dem Beschuss von Yonpyong auch Taten gegeben, allerdings waren die Worte auf die Taten gefolgt (nicht umgekehrt) und dann ist es natürlich einfach zu sagen, wir machen keine hohlen Drohungen. Und das bringt mich auch schon zum letzten Punkt, der mich an der Glaubwürdigkeit der nordkoreanischen Drohungen zweifeln lässt. Denn bisher scheinen Drohungen und Taten eher voneinander abgekoppelt stattzufinden, bzw. scheint sogar ein negativer Zusammenhang zu bestehen. Auf explizite Drohungen folgen keine Taten und vor Taten wird nicht explizit gedroht. Wenn man dieser Logik folgen will, könnte man am Montag beruhigt zum Rimjin Pavillon gehen und die Luftballons starten. Allerdings würde ich nicht mein Leben drauf wetten, dass es dieses Mal nicht doch anders ist.

Naja, wir werden sehen. Aber wenn am Montag doch etwas passieren sollte, wäre ich doch überrascht. Dann müsste man nochmal über die innere Stabilität und Einigkeit des Regimes in Pjöngjang nachdenken. Und dann würde ich mir auch mal nähere Gedanken dazu machen, wie die Nachrichtenagentur KCNA funktioniert. Aber wie gesagt, ich erwarte außer Schimpf- und Drohkanonade keinen weiteren Beschuss aus Nordkorea…

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