Das 13. Pyongyang International Film Festival startet morgen: Ein bisschen was zur Einstimmung


Ab morgen steigt in Pjöngjang ein Event, das wir auf die Schnelle nicht unbedingt mit dem oberflächlichen Bild in Verbindung bringen werden, das sich in unseren Breiten von dem Land festgesetzt hat. Dann findet das 13. Pyongyang International Film Festival statt. Zur Einstimmung hier die Berichterstattung des nordkoreanischen Fernsehens zur Veranstaltung:

Das zweijährlich stattfindende Festival, das nicht zuletzt auf Kim Jong Ils Leidenschaft für die Filmkunst zurückgeht ist in ihrer Ausrichtung, wie der Name schon sagt, international. Der Schwerpunkt liegt zwar auf nordkoreanischen Filmen, aber auf den Festivals wurden in der Vergangenheit Filme aus einigen Dutzend Ländern gezeigt. Darunter war zum Beispiel auch relativ bekannte britische Produktion “Kick it like Beckham”. Für die nordkoreanische Bevölkerung, die häufig als sehr filmbegeistert charakterisiert wird, ist das Festival so ziemlich die einzige Gelegenheit, ein breites Angebot aktueller ausländischer Filme im Kino zu sehen, während ausländische Gäste die bisher zumindest einmalige Chance haben, mit gemeinsam mit Einheimischen einen Kinofilm anzugucken. Dieses Jahr werden erstmalig auch Filme auf einer Großleinwand vor dem Bahnhof gezeigt.

Soweit ich das im Vorhinein aus den Artikeln herauslesen konnte, stehen in diesem Jahr besonders zwei Filme unter Beobachtung. Beides sind Koproduktionen nordkoreanischer Filmschaffender mit ausländischen Akteuren. Zum einen die chinesische-nordkoreanische Produktion “Meet in Pyongyang”, ein Projekt, das scheinbar für die chinesischen Partner nicht ganz ohne Herausforderung war, das aber trotz kleinerer Querelen im Juli in Peking Premiere feierte. Zum anderen die britisch-belgisch-nordkoreanische Koproduktion “Comrade Kim goes flying“, bei der der Kopf hinter Korytours, Nick Bonner wohl treibende Kraft war. Aber vielleicht gibt es auch ansonsten noch ein paar interessante Filme zu sehen.

Wenn ihr euch für nordkoreanischen Film interessiert, schaut doch einfach mal in das entsprechende Blog “North Korean Films” rein. Wenn euer Interesse nicht ganz so ernster Natur ist, schaut euch dieses Filmchen von Vice an. Und wenn euch all das zu larifari ist, lest doch einfach diesen Aufsatz eines der wenigen Experten für nordkoreanischen Film, der auch noch Deutscher ist (der Artikel ist leider in englischer Sprache und fokussiert vor allem auf eine der obskursten Episoden der nordkoreanischen Kinogeschichte: Als Kim Jong Il den südkoreanischen Regiestar Shin Sang-ok entführen ließ, um das nordkoreanische Kino in seiner Entwicklung voranzubringen).

Und auch dieses Filmchen kann ich nur jedem empfehlen, der sich für das Thema Kino und Nordkorea interessiert:

Nordkoreanischer Roman und Film: Interessantes Interview und toller Fernsehbericht


Heute sind mir zufällig zwei interessante Sachen über den Weg gelaufen, die sich mit verschiedenen Aspekten nordkoreanischer Kultur befassen und auf die ich euch kurz hinweisen möchte, da es recht selten etwas zu dem Thema gibt und noch seltener auf Deutsch.

In der taz gibt es ein Interview mit Bryan Myers, der sich schon sehr lange mit diesem Thema auseinandersetzt (sein Buch “The Cleanest Race” war (zumindest hier) etwas umstritten, aber ich kann dazu nichts sagen, weil ich es nicht gelesen habe). Darin befasst er sich mit dem nordkoreanischen Roman, zwar nicht besonders tiefgehend, aber trotzdem interessant. Spannend finde ich es zum Beispiel, dass im nordkoreanischen Roman Kim Il Sung und Kim Jong Il als fiktive Figuren vorkommen dürfen. In den Staaten des ehemaligen Ostblocks wäre das für Führungspersonen wohl eher ein No-Go gewesen. Zum Interview geht es hier.

Auf arte gab es anlässlich der nordkoreanischen Filmwoche in der Sendung Metropolis (die finde ich ohnehin klasse) einen zehnminütigen Bericht, der sich etwas tiefergehend mit dem nordkoreanischen Film befasste, verschiedene Aspekte kurz beleuchtet und nordkoreanische und deutsche bzw. französische Experten zu Wort kommen lässt. Einfach nur gut und auch für Leute, die sich nicht unbedingt mit dem Thema Film befassen, absolut sehenswert.

Und noch etwas Interessantes hat der Bericht beinhaltet. Da gab es nämlich eine Filmaufnahme des jungen Kim Il Sung zu sehen und jetzt verstehe ich noch etwas besser, was mit der frappierenden Ähnlichkeit zwischen ihm und Kim Jong Un gemeint ist…

Der jung Kim Il Sung vor gut sechs Jahrezehnten...

...und sein Enkel heute

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