Religion in Nordkorea. Bedeutung, Geschichte, aktueller Status

Anlässlich der (mittlerweile schon seit Tagen vergangenen, aber man hat ja schließlich auch noch anderes zu tun) Reise des EKD Vorsitzenden Wolfgang Huber hab ich mir gedacht, schreib ich doch mal was über Religion in Nordkorea. Natürlich ist auf den ersten Blick nicht das aufregendste und neueste Thema, aber wenn man mal ganz ehrlich ist, weiß man da ja recht wenig drüber und immerhin ist Religionsfreiheit ja ein Menschenrecht. Außerdem wird es ja (gerade in unserer heutigen Zeit) wenns um Religion geht oft recht emotionsgeladen. Erstaunlicherweise hab ich das auch feststellen müssen, als ich mich ein bisschen in die Materie eingearbeitet habe. Gerade auf diesem Feld ist es nämlich nicht nur so, dass die Informationen, die von nordkoreanischer Seite kommen sehr kritisch zu betrachten sind, nein, auch die „andere Seite“ (wobei ich mir immernoch nicht ganz klar bin, wer die „andere Seite“ genau ist, und was genau ihre Ziele sind) arbeitet mit ziemlich ausgefeilten Mitteln der Desinformation, die es schwer machen, die glaubwürdigen Infos von irgendwie gearteter Lobbyarbeit oder „Propaganda“ (Ich musste recht lange überlegen ob ich jetzt „Propaganda“ oder Propaganda, also mit oder ohne „…“ schreibe, aber irgendwie hat man bei dem Wort immer recht deutliche Hemmungen) zu unterscheiden, aber darauf gehe ich morgen (hoff ich) genauer ein. Erstmal möchte ich zu den spärlichen Fakten kommen und dazu eine kurze Erklärung geben: Ich stütze mich hier auf  wenige, aber dafür teils recht umfassende Quellen. Da ich es nicht für sinnvoll halte jedesmal wenn ich es zitiere auf das gleiche, über hundertseitige PDF Dokument zu verlinken, und keine Lust habe (superviele) Fußnoten zu setzen, zitiere ich erstmal einfach so aus den Quellen, und gebe dann am Ende eine kurze Beschreibung und natürlich die Verlinkung zu jeder Quelle. Ich glaube das ist für den interessierten Leser und für mich gleichermaßen sinnvoll, weil ich weniger Arbeit hab und ihr im Zweifel schneller das findet was ihr wollt. Gut. Dann mal zu den spärlichen Fakten:

Die geschichte der Religionen in Nordkorea

Traditionell, also zumindest bis 1945 existierten auf der koreanischen Halbinsel verschiedene Religionen nebeneinander. Bedeutende Gruppen waren vor allem das Christentum (wobei verschiedene Konfessionen vertreten waren, vor allem evangelische und katholische Christen haben eine Rolle gespielt), der Buddhismus und der Cheondogyoismus, eine genuin koreanische Religion, die starke Anleihen am Konfuzianismus, aber auch am traditionellen Schamanismus nimmt, sowie der (Neo-)Konfuzianismus und der Schamanismus (wobei hier natürlich die Frage ist, ob man das als „richtige Religion“ sehen kann, da Menschen die anderen Religionen folgen, durchaus schamanistische Praktiken nutzen). Das Regime unter Kim Il Sung (erstaunlicherweise stehen Kim Il Sungs Wurzeln in recht enger Verbindung zur Religion, da seine Mutter einer Presbyterianischen Kirche in Pjöngjang vorgestanden hatte) verfolgte jedoch von Beginn an eine stark religionsfeindlich Politik. Diese sollte, ganz in Übereinstimmung mit Marx, dessen berühmte Aussage vom „Opium des Volkes“ wohl jedem in den Ohren klingt, ein „Absterben“ der Religionen , was, wie wir sehen werden, in großen Teilen auch tatsächlich „gelungen“ ist. Selbst nach offiziellen Angaben Nordkoreas gab es so bis 1945 noch 120.000 Christen im Land, deren Zahl sich bis zum Ende des Koreakrieges auf 10.000 verringert haben soll (konservative Kreise in Südkorea, deren Ziel es ist, den christlichen Glauben nach Nordkorea zurückzubringen, gehen desweiteren von etwa 30.000 Christen aus, die im Verborgenen ihren Glauben weiter praktizierten (Was naturgemäß nicht nachprüfbar ist)). Anderen Schätzungen zur Folge gab es nach Ende des Zweiten Weltkrieges etwa 52.000 Katholiken und Schätzungsweise 200.000 Protestanten auf dem Gebiet der heutigen DVRK. Die Bedeutung des Buddhismus war nach Jahrhunderten der Unterdrückung (mit Ausnahme der Zeit der japanischen Besatzung) nach Ende des Zweiten Weltkrieges gegenüber den anderen Religionen sehr gering. Neo-Konfuzianische Einflüsse waren sicherlich die bedeutendsten, nicht zuletzt, weil diese über Jahrhunderte hinweg von der herrschenden Chosun-Dynastie gestützt wurden. Der Cheondogyoismus hatte Angaben seiner Führer zufolge gegen Ende des Zweiten Weltkriegs etwa 3.000.000 Anhänger unter den ethnischen Koreanern der Region. Der Einfluss des Shamanismus schließlich ist schwer abzuschätzen, da dieser oft auch von Gläubigen anderer Religionen als „Zusatz“ praktiziert wurde.

Vor allem (protestantische) Christen und Anhänger des Cheondogyoismus waren die ersten Ziele der Verfolgung durch das Kim Il Sung Regime, da sie einen hohen Organisationsgrad aufwiesen und durchaus politische Ambitionen erkennbar waren. Durch den Verfolgungsdruck  kam es zu zunehmenden Fluchtbewegungen Richtung Süden, die mit Beginn des Koreakrieges 1950 und einer weiteren Verschärfung des Drucks auf diese Gruppen noch zunahm. Außerdem etablierte das Regime eine „loyale“ christliche Organisation, die Korean Christian Federation (KCF), die eine Alternative zu den oppositionellen Protestanten bieten sollte. Da Katholiken und Buddhisten kaum organisiert waren, waren sie in den Anfängen der DVRK weniger von den Verfolgungen betroffen. Allerdings wurden in einer Bodenreform 1946 ihre Besitztümer eingezogen, so dass beide Gruppen weiter geschwächt wurden. Während des Koreakrieges hatten alle religiösen Gruppierungen unter starken Verfolgungen, die besonders die Priester und Mönche betrafen, zu leiden und es ist zu vermuten, dass ein bedeutender Anteil der christlichen, buddhistischen und cheondoistischen Anhänger unter den 10 – 14 % der nordkoreanischen Bevölkerung waren, die im Verlaufe des Krieges nach Süden flohen. Mit der Umgestaltung der nordkoreanischen Gesellschaft, die vor allem in der Einteilung der Bevölkerung in 51 Gruppen ihren Ausdruck fand, erreichte die Unterdrückung der Religionen einen neuen Höhepunkt. Die Mitglieder der religiösen Gruppen wurden als „feindlich“ eingestuft, was massive soziale und ökonomische Nachteile bis hin zur Verbringung in Arbeitslager mit sich brachte. Durch die Verstärkung des Personenkults um Kim Il Sung (dieser Kult nahm Anleihen vor allem am Neo-Konfuzianismus, aber auch am Christentum), waren konkurrierende Glaubenssysteme kaum mehr vorhanden, da es bis Ende der 1960er Jahre schlicht die Möglichkeiten (es gab keine Kirche mehr, die noch betrieben wurde) nicht gab, aber auch weil die Überwachung dies kaum zuließ.

Religionen und Juche

In den 1960er Jahren füllte „Juche“ mehr und mehr das geistige Vakuum, das die Eindämmung anderer Glaubens- und Wertesysteme bewirkt hatte. Anfänglich eher eine Staats(führungs)ideologie, entwickelte sich Juche mehr und mehr zu einer umfassenden „Kult-Ideologie“, die die Grenze von politischer Beeinflussung hin zur religiösen Überzeugung überschritt. Die Geschichte Koreas, vor allem aber der Familie Kim Il Sungs wurde neu geschrieben (Wer einen langen Atem hat, kanns zum Beispiel mal mit Kim Il Sungs über tausendseitigen (Entschuldigung, hab mich vertan:) über zweitausendseitigen Biographischem Werk  „With the Century“ versuchen), um eine quasi-Deifizierung zu rechtfertigen. Der Kim Familie wurden Wundertaten  und herausragende Fähigkeiten in nahezu allen Bereichen menschlicher Betätigung zugeschrieben. Kim Il Sung wurde zu einem „säkularen Jesus Christus“. Weiterhin beschreibt Juche den Menschen als Meister seines eigenen Schicksals, so dass für höhere Wesenheiten natürlich wenig Raum bleibt. Außerdem ergibt sich aus Juche eine „Führertheorie“, die das koreanische Volk als „soziopolitischen Organismus“ versteht, an deren Spitze der Führer als Kopf oder „top brain“ (herrlich, nicht) steht. (Erinnert mich irgendwie etwas an den Leviathan von Hobbes, aber auch an den „theoretischen“ Unterbau der deutschen Nationalsozialisten). Vor allem aber duldet Juche schlicht keine „Konkurrenz“ neben sich, sondern wird als monolithische Staatsideologie allen Nordkoreanern von der Geburt an als einzige Glaubens- und Werteoption eingebläut. Generell herrschte in Nordkorea seit dem 2. Weltkrieg eine extrem religionsfeindliche Atmosphäre, die ein Festhalten an seinem Glauben für jeden Menschen zu einer harten Probe machte. (Hier gibts einen echt hörenswerten Radiobeitrag von Bayern 2 der neben politischen Zusammenhängen auch auf die Ursprünge von Juche und die Zusammenhänge zwischen Juche und Religion eingeht.)

Heutige Situation

Nichtsdestotrotz haben bis zum heutigen Tag in verschiedenen Formen Reste von Religion in Nordkorea überdauert. Dabei sind drei Gruppen von Anhängern religiöser Praktiken in Nordkorea zu unterscheiden. Die erste Gruppe ist von Amtswegen als religiös praktizierend registriert und  ist durch Vereinigungen wie die Korean Christian Federation(KCF) (die anderen heißen: Korean Catholic/Buddist/Chondokyo/Orthodox Federation, und versuchen jeweils Beziehungen zu Gruppen der gleichen Religion in anderen Staaten zu knüpfen. Allerdings ist die KCF die bedeutendste dieser Gruppen) ins staatliche System Nordkoreas eingebunden. Diese Vereinigungen sind dem Staat, so weit bekannt, loyal ergeben. Eine weitere Gruppe hat sich ihre Religion im Verborgenen bewahrt, allerdings ist hier davon auszugehen, dass innerhalb dieser Gruppe keine (oder nur lokal begrenzte) Vernetzung besteht, und sich ihre Mitglieder nicht über andere religiös praktizierende Gruppen (teilweise noch nicht einmal über die staatlich Sanktionierten) bewusst sind. Die dritte Gruppe sind neue Religionsanhänger, die vor allem während der Hungersnot Mitte bis Ende der 1990er Jahre im Bereich der chinesischen Grenze durch Missionierung, vor allem protestantischer Christen, zur Religion kamen. Die Zahlen die KCF, also protestantische Christen, betreffend, die von offizieller Seite genannt werden variieren zwischen etwa 6.000 (1988) und etwa 12.000 (2002). Allerdings ist der „Anstieg“ eher nicht neuen Kircheneintritten geschuldet, sondern dürfte sich in  internen Schwierigkeiten begründen, die genaue Zahl zu bestimmen. Als gesichert gilt, dass der KCF etwa 500 „Hauskirchen“, also kleine Andachtszentren und 2 Kirchen (in Pjöngjang) zugehörig sind. Die Zahl der katholischen Christen wird mit knapp unter 1.000 angegeben, die für ihre Andacht zwar über eine Kirche in Pjöngjang, aber über keine Priester verfügen. Desweiteren wurde vor einigen Jahren (etwa 2005) ein russisch orthodoxes Gotteshaus eröffnet, das auch über zwei Geistliche verfügt, scheinbar allerdings nicht über eine einheimische Gemeinde. Vielmehr scheint sie ausländischen Anhängern des russisch Orthodoxen Christentums als Gebetsstätte zu dienen. Erstaunlicherweise wird bezüglich der Gotteshäuser in Nordkorea in mehreren Berichten übereinstimmend beschrieben, dass die sonst obligatorische Darstellungen Kim Il Sungs und Kim Jong Ils hier unterbleiben dürfen. Bei den offiziell registrierten und anerkannten Christen in Korea handelt es sich durchaus um echte Christen, für die ihre Religion von großer Bedeutung ist und die ein minimales Maß an religiöser Freiheit zu besitzen scheinen, so dass sie in Abwesenheit Fremder ihre Andacht ausüben können, ohne das diese von politischen Botschaften und Slogans durchsetzt ist. Aussagen über die „verborgene“ und die „neue“ Gruppe zu treffen ist naturgemäß wesentlich schwieriger, da die im „illegal“ agieren. Wie gesagt wurde die Zahl der im Verborgenen praktizierenden Christen, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Korea verblieben ist auf 30.000 geschätzt, genaueres lässt sich dazu aber kaum herausfinden. Zu den „neuen Christen“ gibt es zwar eine Vielzahl von Zahlen (Vor allem 200.000 bis 400.000 wird häufig als Zahl solcher Christen genannt. Da Open Doors (Ich werde bei Gelegenheit was zu diesen $%“$!%§Z$%§$!%$%%“ irgendwie zwielichtigen Typen schreiben) hier aber die einzige, und dazu noch nicht besonders seriöse Quelle ist, und da alle wirklich seriösen Quellen sich hüten hier irgendwelche Zahlen zu nennen, möchte ich nochmal darauf hinweisen, dass zwischen den Zahlen von Open Doors und der Realität wahrscheinlich keine sonderlich große Beziehung gibt, außer dass es wirklich Christen in Nordkorea gibt), aber es weiß keiner was genaues. Sicher scheint, dass durch zunehmende Missionstätigkeit und eine poröser werdende Grenze zwischen China und Nordkorea, die Zahl der Nordkoreaner, die vor allem mit dem protestantischen Christentum in Berührung kamen seit Mitte der 1990er Jahre stark angestiegen ist und dass diese Entwicklung vom Regime in Pjöngjang als Bedrohung wahrgenommen und dementsprechend scharf verfolgt wird. Über im Untergrund lebende Katholiken ist nichts bekannt, möglicherweise auch, weil es seitens der katholischen Kirche nicht zu solch weitreichender Missionstätigkeit kommt. Den Buddhismus betreffend gibt Nordkorea offiziell an, dass etwa 10.000 Buddhisten in Nordkorea leben, denen ungefähr 60 Tempel zur Verfügung stehen in denen etwa 200 Mönche ihren Dienst verrichten. Allerdings deuten Hinweise darauf, dass eine Vielzahl der Tempel eher als Sehenswürdigkeiten zur eventuellen touristischen Nutzung erhalten wird und dass es sich bei den „Mönchen“ zumindest zum Teil um eine Art Hausmeister handelt. Daraus wird teilweise geschlossen, dass dem Buddhismus keine reale Bedeutung zukommt. Die Zahl der Anhänger des Cheondogyoismus beläuft sich offiziellen Angaben zur Folge heute auf etwa 15.000, denen etwa 800 „Beträume“ in privaten Appartements zur Verfügung stehen. Damit wäre die stark nationalistisch geprägte Religion (Sie plädiert zum Beispiel für den Erwerb einer nuklearen Bewaffnung durch Nordkorea und für deren Erhalt auch nach einer möglichen Wiedervereinigung) weiterhin die stärkste (offizielle) Religionsgruppe in Nordkorea. Diese Gruppe ist vor allem interessant, weil noch immer (relativ) enge Beziehungen zwischen nord- und südkoreanischen Anhängern dieser Religion bestehen. Was den Schamanismus angeht, so sind keine offiziellen Angaben vorhanden, da diese Gruppe vom Staat nicht anerkannt ist. Grundideen des Schamanismus, wie zum Beispiel die Annahme, dass der Mensch Meister seines eigenen Schicksals ist, wurden von der Juche Ideologie übernommen, so das hier schwer zu unterschieden ist. Der Schamanismus scheint als Volksglaube allerdings in jüngster Vergangenheit eine Widerauferstehung erlebt zu haben. Hinweise deuten darauf hin, dass Rituale wie Wahrsagung und Exorzismus weit verbreitet sind. Dadurch, dass auch hohe Funktionäre die Dienste von Wahrsagern in Anspruch nehmen, scheinen diese zunehmend  toleriert zu werden. Von offizieller Seite werden schamanistische Praktiken zwar kritisiert, allerdings scheint man nicht einzuschreiten, solange diese Praktiken nicht mehr als zwei Menschen umfasst.

Fazit

So, dass war dann mal ein stark verkürzter Überblick über Religionen in Nordkorea. Ich fands eigentlich ganz interessant mal n bisschen mehr darüber zu lernen. Was mir bezüglich der aktuellen Situation aufgefallen ist sind folgende Punkte: 1. Jahrzehntelange religionsfeindliche Politik bewirkte, dass Religion fast vollständig an Bedeutung verlor. Allerdings kam es nach einer einige Jahre andauernden Schwäche des Staates zu einer partiellen Rückkehr von Religion.  2. Das Regime in Pjöngjang erkennt im Wiederaufleben der Religion eine Gefahr, für deren Bekämpfung es Ressourcen bereitstellt.  3. Die offiziellen religiösen Vereinigungen scheinen eine zwiespältige Rolle zu spielen: Einerseits dienen sie (außen-)politischen Interessen des Regimes in Pjöngjang, andererseits scheinen sie einen (wenn auch minimalen) Grad an religiöser Autonomie erlangt zu haben. 4. Je unklarer die Datenlage sich in einer Quelle darstellt, desto seriöser ist sie oftmals (Jemand der behauptet konkrete Zahlen zu wissen, der lügt!) Natürlich war das das jetzt alles nicht besonders viel und extrem lückenhaft. Wenn ihr weiter recherchieren wollt, dann lest einfach in den folgenden Quellen, und vielleicht gibts ja irgendwann mal mehr Infos. Bis dahin müsst ihr euch mit Folgendem abfinden:

Quellen

Zwei deutschsprachige Quellen, die glaubwürdig sind und interessante Infos zum Thema enthalten hab ich gefunden: Das ist einmal ein verschriftlichter Vortrag des mittlerweile verstorbenen Prof. Günter Freudenberg, einem anerkannten Experten bezüglich Korea. Der Vortrag befasst  sich schwerpunktmäßig mit Christen in Nordkorea, bietet dazu recht gute Daten, wurde aber leider bereits Jahr 1997 gehalten. Die andere Quelle geht auf einen Reisebericht von Lutz Drescher, Ostasienrefernt des evangelischen Missionswerkes (EMS), zurück und beschreibt vor allem seine praktischen Erfahrungen bezüglich der Religionsausübung in Nordkorea, bietet aber gerade deswegen hier eine wertvolle Ergänzung, weil es eben „echte“ Eindrücke sind. Eine weitere Quelle ist ein kurzer (englischsprachiger) Bericht von Forum 18, einer Organisation, die sich mit dem Status des Rechts auf Religionsfreiheit in aller Welt beschäftigt, der genau das kurz und knapp für den Fall Nordkorea auf den Punkt bringt und 2004 geschrieben wurde. Wenn man etwas ausführlichere Informationen sucht, dann sollte man sich die beiden Berichte „Thank you Father Kim Il Sung“ und „A Prison Without Bars“ die von der „U.S. Commission on International Religious Freedom“ herausgegeben wurden. Beide Berichte verbinden Interviews mit aus Nordkorea geflohenen Menschen mit wissenschaftlich recherchierten Informationen. Der Erste ist beschreibt umfassend die Geschichte der verschiedenen Religionen und ihrer Verfolgung in Nordkorea, sowie ihren jetzigen Status und wurde im November 2005 veröffentlicht. Der Zweite kam erst vor gut einem Jahr heraus und erfasst so auch relativ aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen. Zu beachten ist bei beiden Berichten, dass sie sich in wichtigen Punkten auf eine relativ kleine ((unter 100) Stichprobe von Flüchtlingen berufen. Daher muss man bedenken, dass die Aussagen nicht repräsentativ sind und von Menschen getroffen wurden, die (besonders) unzufrieden mit dem Regime in Pjöngjang waren. Nämlich so sehr, dass sie ihr Leben aufs Spiel setzten um zu fliehen. Ergänzend kann man des weiteren den Bericht von Lord Alton und Baroness Cox lesen, zwei britischen Parlamentariern, die Anfang dieses Jahres Nordkorea besucht haben und sich u.a. mit Vertretern verschiedener religiöser Gruppen getroffen haben. Und wenn man das alles gelesen hat, ist man, glaub ich, auf nem recht aktuellen Stand was Religion in Nordkorea angeht, ohne irgendwelchen religiösen Weltverbesserern und Blendern aufgesessen zu sein.

Ok, ich verrate noch kurz warum ich mich so über Sachen wie „Open Doors“ aufrege während der Rest des Beitrags ja eigentlich recht emotionslos war: Da sitzen irgendwelche Spassvögel in Deutschland, machen dick Lobbyarbeit, sammeln Gelder ein, kaufen davon Bibeln und Schulungsmaterialen, finanzieren dann Missionsarbeit in Nordkorea, obwohl sie selbst schreiben, dass der Kontakt mit Missionaren die Menschen in Nordkorea in Lebensgefahr bringt (was ja dann gleichzeitig auch wieder die schreckliche Statistik von „Open Doors“ noch schrecklicher macht (also ganz gut für neue Lobbyarbeit ist)) und glauben dann noch sie hätten was Gutes getan! Sind die bescheuert?! Aber vielleicht stehen dahinter ja auch monetäre anreize? Ich weiß es nicht und will es keinem unterstellen. Aber egal was die Motive sind. Da könnte ich K… wird mir speiübel! Aber dazu schreib ich in kürze was Ausführliches.

Eine Antwort

  1. […] neue Religionen in Nordkorea, die Mitte bis Ende der 1990er Jahre durch Missionierung (vor allem protestantischer Chinesen) zustande kamen (Quelle) […]

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