Zu zweit, zu sechst, oder doch lieber gar nicht…Die Verhandlungen um Nordkoreas Nuklearprogramm vor einem neuen Anlauf

Pjöngjang bittet zum Tanz — aber wie schon seit Jahren ziert sich das Objekt der Begierde noch. Das altbekannte Lied, dem forschen Verehrer wäre es natürlich in trauter Zweisamkeit am liebsten, das Objekt seiner Begierde findet es so ganz alleine aber unschicklich. Also doch umgeben von anderen, nicht dass noch etwas passiert, das die Öffentlichkeit falsch auffassen könnte (bzw. nicht das der Verehrer behauptet es sei etwas passiert, denn das kann den Ruf ja auch ganzschön ruinieren). Allerdings ist es ja so einfach nicht. Der Verehrer versucht durch allerlei Gesten der Männlichkeit (das erinnert dann eher an Pogo zu einem Metal-Konzert, als an einen sanften Walzer) das Objekt seiner Begierde zu beeindrucken, verschreckt damit aber das zarte Gemüt eher, als nachhaltigen (positiven) Eindruck zu erwecken. Gleichzeitig fürchtet der Verehrer aber, den Kontakt zu seiner Angebeteten vollends zu verlieren, daher besteht auch ein gewisser Drang, im Zweifel ein Zusammentreffen zur Not in größerem Kreis durchzuziehen. Aber klar ist natürlich, eine wirklich nachhaltige Beziehung ist nur aufzubauen, wenn man sich in intimer Atmosphäre allein treffen kann. Gleichzeitig schlagen auch in der Brust der Angebeteten zwei Herzen. Denn wenn der stürmische Verehrer endlich aufhörte mit seinem Geprotze, dass nicht nur sie, sondern auch ihre Freunde immer wieder erschrickt, wäre es dazu nicht gut und billig, das direkte Gespräch zu suchen? Aber was sollen die Leute nur denken, wenn man sich mit solch rüden Zeitgenossen abgibt!

Verhindertes Liebesglück?

Natürlich ist der Vergleich etwas schief, denn eins ist schonmal sicher: Ein Liebespaar wird aus den beiden Hauptakteure in: „Nordkoreas Nuklearpogopoker; Klappe die Xte; Ein Herzschmerz-tanz-film in X Episoden“ so bald nicht werden. Aber die Rituale die die Beiden eingeübt haben, die erinnern schon manchmal an ein verhindertes Liebespaar, das wohl nie zusammenkommen wird. Und im Moment erleben wir eine neue Runde der versuchten Annäherung, der Unsicherheit, des Werbens (und am Ende (aber das kann noch n Zeitchen dauern) wohl mal wieder, des Scheiterns). Natürlich zählt dazu einiges, über das hier schon gesprochen wurde. Aber in der letzten Woche hat sich natürlich auch neues getan. Und nach welcher Art von Party es im Moment aussieht, also zu zweit, zu sechst, oder ob das ganze schöne Fest am Ende ganz abgesagt werden muss, dazu will ich jetzt kurz was schreiben.

Washington tanzt sich warm…

Kim Jong Il hatte ja nach dem Besuch Bill Clintons in Pjöngjang mehrmals deutlich gemacht, dass Nordkorea zu bilateralen Gesprächen bereit sei und Lud den Unterhändler der USA für Nordkorea, Stephen Bosworth zu solchen nach Pjöngjang ein. Nach anfänglichem Zögern und Verneinen der Einladung sah es Anfang der Woche dann fast so aus, als würden die USA darauf eingehen. Philip J. Crowley, ein Sprecher des Außenministeriums hatte erklärt, die USA seien vorbereitet einen bilateralen Dialog mit Nordkorea aufzunehmen, um es zur Rückkehr zu den Sechs-Parteien-Gesprächen, deren primäres Ziel die Denuklearisierung Nordkoreas darstellt, zu bewegen. Auch Stephen Bosworth ließ ähnliches verlauten. Gleichzeitig wurde aber auch immer auf den Sechs-Parteien-Prozess als Rahmen für eine Einigung verwiesen. Außerdem wurde über die Möglichkeit eines Zusammentreffens hochrangiger Vertreter der USA und Nordkoreas im Rahmen der Generalversammlung der Vereinten Nationen, die letzte Woche begonnen hat, spekuliert. Allerdings scheint man sich in den USA auf Regierungsebene noch immer nicht wirklich sicher zu sein, ob es eine gute Idee ist, bilaterale Gespräche mit Nordkorea aufzunehmen (Wozu nicht zuletzt ein gewisses Störfeuer aus Südkorea beitragen mag). Daher vermeidet man bisher klare Aussagen, sondern laviert um das Thema herum. (Die Laviererei scheint dabei die gesamten Fähigkeiten der Sprecher des US-Außenministeriums in Anspruch zu nehmen, wie die recht interessante Transkription zweier Pressekonferenzen der vergangenen Woche auf One Free Korea nahelegt (Der Artikel drumrum ist übrigens auch lesenswert und der Autor vertritt eine interessante Position, wenn man bedenkt, welche Ansichten er ansonsten so äußert)) Es scheint bisher sowohl Uneinigkeit mit den regionalen Partnern (sprich Südkorea) aber auch zwischen den verschiedenen Ministerien (vielleicht aber auch nicht) zu bestehen. Allerdings ist eine definitive Entscheidung in relativ kurzer Zeit (in einigen Wochen) zu erwarten.

…Pjöngjang ist allzeit bereit

Da aber die USA in diesem Stück nicht die einzigen Meister der unklaren Aussage und der Vieldeutigkeit sind, ließ sich Nordkorea nicht lumpen und zog gestern mit einem ähnlichen, für alle Interpretationen offenen Statement nach. Die Aussage, die Kim Jong Il nach der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua im Rahmen eines Zusammentreffens mit dem chinesischen Abgesandten Dai Bingguo getroffen haben soll,  lautet:

The DPRK is willing to solve problems through bilateral or multilateral talks

Klingt ja erstmal gut, aber ist ja auch klar, dass man den Chinesen etwas Zucker geben will, damit sie auch ihren Anteil an der aktuellen Verbesserung der Situation auf der Koreanischen Halbinsel reklamieren können und was handfestes zu vermelden haben. Wie handfest die Aussage im Endeffekt jedoch ist, das bleibt noch unklar. Ein Fortschritt ist die Nennung einer multilateralen Möglichkeit durch Kim Jong Il allemal. Allerdings ist es schwer vorstellbar, dass die Nordkoreaner die sich abzeichnende Möglichkeit eines bilateralen Zusammentreffens mit einem Vertreter der USA so mirnichts dirnichts aus der Hand geben (wofür auch spricht, dass die von Xinhua zitierte Aussage Kim Jong Ils bei der Agentur Nordkoreas KCNA mit keinem Wort erwähnt wird). Allerdings wurde, auch seitens der DVRK nichts definitiv ausgeschlossen. Das heißt, sollte es kein bilaterales Treffen geben (ich glaube, dass es eine Art von bilateralen Gesprächen, zumindest am Rande der Vollversammlung der Vereinten Nationen, wahrscheinlich aber auch  in Pjöngjang geben wird), so steht die Tür zu den Sechs-Parteien-Gesprächen trotzdem noch weit offen. Weiterhin ist es durchaus möglich, dass die USA ein bilaterales Zusammentreffen als Gegenleistung für die Rückkehr Nordkoreas an den Sechsertisch geboten haben.

Einen Tanz wirds geben…ob Walzer oder Pogo, das bleibt offen

Dementsprechend sieht es durchaus danach aus, dass zumindest ein Tanz stattfinden kann, vermutlich sogar zwei (Wobei die USA wahrscheinlich mehr am öffentlichen Zusammentreffen interessiert sind, Nordkorea mehr am intimen). Wie kuschelig es dabei wird, steht jedoch auf einem anderen Blatt, vor allem weil Nordkoreas Nebenbuhler aus dem Süden weiterhin die Anstandsdame spielen und einer allzu deutlichen Annäherung im Wege stehen wird. Aber auch, weil es ganz danach aussieht, als würden beim Tanz beide Seiten führen wollen. Da wird man sich ganzschön auf den Füßen stehen und es dürfte etwas ruppig ablaufen, was für den Start einer wunderbaren Freundschaft ja meist ein schlechtes Zeichen ist! Vielleicht tanzt am Ende doch wieder jeder für sich, und es sieht eher aus wie ein wildes Geschubse und  Gestoße bei nem Metal-Konzert, nicht wie ein synchrones Dahingleiten zweier Partner… Naja, wir werden sehen und ich werde das Parkett im Auge behalten!

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