Flucht ins Paradies auf Erden

Hallo erstmal, hab länger nichts mehr geschrieben, was mir zwar irgendwie leidtut, aber andererseits dürfte der geneigte Leser ja durchaus in der Lage sein, sich auf anderem Wege über Entwicklungen in Nordkorea auf dem Laufenden zu halten. Ein paar Sachen habens ja sogar in die deutschen Nachrichten geschafft. Da gabs zum Beispiel einen UN-Bericht, der das Regime in Pjöngjang als grausam anprangerte (Oh Schreck, is ja n Ding, jetzt doch nicht Paradies auf Erden oder wie (Oder um es (fast) mit Erich Maria Remarque zu sagen: „Im Norden nichts Neues“)). Unter dem gleichen Motto sind wohl auch die Tests von Kurzstreckenraketen zu sehen, die unabhängigen einseitigen (Radio Free Asia) Berichten zufolge nicht erfolgreich ein absolutes Desaster (die Raketen die gestartet sein sollen, sollen ihr Ziel komplett verfehlt haben, während sich ein nicht zu vernachlässigendes Teil als Rohrkrepierer herausstellte) waren, aber naja, mal wieder das Kreuz mit der Informationslage… Vor allen Dingen kam es aber zu einer weiteren Annäherung zwischen Nord- und Südkorea. Handfester Beleg hierfür sind wohl die Lebensmittelhilfen, die Seoul sich vor ein paar Tagen zu liefern bereiterklärt hat. Zwar erreichen die bei Weitem nicht die Ausmaße der Hilfen früherer Jahre, aber es ist trotzdem bemerkenswert, denn immerhin hatte die Regierung Lee Myung-bak bis zu diesem Zeitpunkt Hilfen immer an Fortschritte bei der Denuklearisierung des Nordens geknüpft. Woher also der Sinneswandel? Keine Ahnung, aber da ich ja gerne die Zufälligkeit von Zufällen hinterfrage, möchte ich nur kurz an den Besuch des amerikanischen Verteidigungsministers Robert Gates in Seoul ein paar Tage früher erinnern. Natürlich hat Gates öffentlich nicht vielmehr gesagt, als das die Gefahr durch Nordkorea größer geworden sei, aber vielleicht hatte er jemanden im Gepäck, der hinter den Kulissen was anderes geflüstert hat… Achja und passenderweise gab es zwischen den beiden Ereignissen ja auch noch die Meldungen über Geheimgespräche zwischen Süd- und Nordkorea in Singapur, bei denen über die Möglichkeit eines Nord-Süd-Gipfels gesprochen wurde, wenn auch ohne Erfolg (Kim hat scheinbar keine Lust nach Seoul zu fahren, Lee will nicht nach Pjöngjang, aber immerhin spricht man drüber). Stimmt schon, allerlei Interessantes passiert, aber auch schon ausreichend kommentiert worden, weshalb ich mich lieber mit ner leicht kuriosen Story beschäftigen will, die scheinbar keinen ganz so hohen Nachrichtenwert hat, wie die oben genannten Entwicklungen. Jedenfalls hab ich in den deutschsprachigen Zeitungen vergeblich danach gesucht.

Warum man aus Südkorea in den Norden flieht

Lange Rede kurzer Sinn, es geht um die Flucht eines Südkoreaners in den Norden. Nein, ich hab mich nicht verschrieben. Es ist mir auch bekannt, dass man für gewöhnlich in die andere Richtung flüchtet. Aber was ich denke und weiß ist hier wohl eher irrelevant, schließlich bin nicht ich durch nen Todesstreifen geschlichen um mich in den Schoß eines der letzten Regime zu begeben, dass noch gelegentlich mit dem Begriff „totalitär“ geadelt wird, sondern ein Südkoreaner. Aber erstmal kurz die Fakten: Scheinbar ist am 26. Oktober ein südkoreanischer Schweinebauer, durch die 2 Kilometer breite, für Zivilisten absolut nicht zugängliche, Demilitarisierte Zone geschlichen, hat ein Loch in den Grenzzaun geschnitten und sich in die „warme Obhut“ der Autoritäten im Norden begeben. Im Süden ist das Ganze vor allem wegen der Besorgnis um die eigene Grenzsicherung ein großes Thema, im Norden freut man sich über das vorzügliche Propagandafutter. Alles schön und gut, aber mich würde mal interessieren: Wie kommt man denn auf so ne Schnapsidee?

Von Schweinemast und Propaganda

Die offizielle Erklärung ist die, dass der Mann den Besitzer der Schweinfarm, auf der er arbeitete, tätlich angegriffen habe, und sich danach der Strafverfolgung durch die südkoreanischen Autoritäten entziehen habe wollen. Hm, klingt ja schon ganz gut, aber andererseits ist das so, als würde man, um zu verbergen, dass man einen Teller aus Mamis guten Service kaputtgemacht hat, das ganze Haus abfackeln. Aber vielleicht machen das manche so. Tja, generell hätte der gute Mann jedenfalls jede Menge Optionen gehabt, sich sinnvoller (zum Beispiel Flucht in ein anderes Land, oder Harakiri, eigentlich gibt’s nur weniges das dümmer ist) einer Strafverfolgung entziehen zu können. Aber seis drum, vielleicht geht dem erfolgreich geflohenen mittlerweile nach und nach ein Licht auf und er muss erkennen, dass die südkoreanischen Nachrichten doch keine (oder zumindest nicht ausschließlich) Propaganda sind und sich das Paradies auf Erden doch nicht nördlich des 38. Breitengrads befindet. Naja, aber manchmal trifft man halt Entscheidungen, die sich in der Rückschau als nicht besonders pfiffig rausstellen, die aber dummerweise nur schwer rückgängig zu machen sind… Aber wer weiß, vielleicht ist Kim Jong Il, dessen ausgeprägtes Interesse an Schweinemast-Technologien ja hinlänglich dokumentiert ist, aus diesem Grunde daran interessiert in Gesprächen mit dem Flüchtling in Erfahrung zu bringen, wieweit die sozialistische Schweinemast der Kapitalistischen voraus ist. Oder es handelt sich gar um einen fehlgeschlagenen Versuch der (Schweine-)Industriespionage durch den Süden, der auf diesem Gebiet endlich zu seinem (dank der Weisen Anleitung des geliebten Führers) fortschrittlichen Bruderstaat aufschließen will! Wir werden wohl auch das nie erfahren, aber eins ist klar: Bis auf Weiteres werde ich die Entwicklung der südkoreanischen Schweinemastindustrie aufs Genaueste im Auge behalten!

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