Erste Folgen der Währungsreform in Nordkorea: Lage gespannt aber nicht prekär

Nachdem das Regime in Pjöngjang am vergangenen Montag eine Währungsreform in verkündet hat, die vor allem vermögende Nordkoreaner trifft, die außerhalb des Führungszirkels stehen, also Schwarzmarkthändler sowie vermutlich einige mittlere und untere Funktionäre in den Provinzen, zeichnen sich jetzt erste Folgen dieses Vorgehens ab. So scheint es innerhalb der Bevölkerung vereinzelt Widerstand wie das Verbrennen von Banknoten, aber auch gegen Kim Jong Il gerichtete Parolen an Häuserwänden, sowie Flugblätter gegeben zu haben (Allerdings ist die Quelle, der Daily NK immer etwas mit Vorsicht zu betrachten, da sich die Macher dieser Seite vor allem einen Regimewechsel in Pjöngjang auf die Fahnen geschrieben haben). Allerdings deuten auch die Reaktionen des Regimes darauf hin, dass Unruhen befürchtet werden. So machte sich das Militär für die Niederschlagung von Protesten bereit. Weiterhin wurde der Befehl erlassen, Personen die versuchten die Grenze unrechtmäßig zu überqueren (Das betrifft eigentlich alle Nordkoreaner außer der politischen Führung) an Ort und Stelle zu erschießen.

Ein interessantes Detail Gerücht, dass der Chosun Ilbo verbreitet besagt, dass Kim Yong-il (nicht zu verwechseln mit Kim Jong Il), der Premierminister Nordkoreas von nordkoreanischer Seite als Kopf hinter der Reform dargestellt wird. Interessant ist das vor allem, weil man hier schonmal einen Prügelknaben für den Fall des Misserfolgs der Aktion bereitstellt. Ähnlich erging es nämlich 2002 dem damaligen Premier Pak Pong-ju, der für den ausbleibenden Erfolg der Wirtschaftsreformen von 2001 verantwortlich gemacht und degradiert wurde. Einerseits zeugt das von einer Art bösartigem Weitblick, andererseits davon, dass man ein Scheitern nicht ausschließt. Aber in Sachen Machterhaltung kennt sich Kim Jong Il halt bestens aus. Die Berichte die es bis jetzt zu den Folgen der Reform gibt, lassen vermuten, dass es kurzfristig eher keinen größeren Widerstand geben wird, dass sich das Regime in Pjöngjang aber durchaus Sorgen macht. Die Tatsache dass man versucht die Grenzen jetzt auch wirklich dicht zu machen (Theoretisch waren Grenzübertritte auch in der Vergangenheit unter schwerster Strafe verboten, wurden aber geduldet, bzw. durch Bestechungsgelder an lokale Beamte und Militärs erkauft. Der illegale Grenzverkehr machte den Schmuggel und damit das Florieren der Schwarzmärkte erst möglich.) zeigt einerseits, dass die Maßnahmen tatsächlich gegen die Schwarzmärkte gerichtet sind. Weiterhin könnte dieses Vorgehen jedoch auch bedeuten, dass man sich vor einem Massenexodus der neu entstandenen wohlhabenden Schicht fürchtet.Was mir aber zusätzlich in den Sinn kommt ist die Möglichkeit, dass man, ganz im Sinne Machiavellis, wo man ja schon dabei ist die Leute gegen sich aufzubringen, so richtig durchgreifen will. Was auf gutdeutsch heißt, dass es eventuell eine neue Säuberungswelle geben könnte, durch die sich das Regime möglicher Widerstandszellen oder einzelner unsicherer Personen entledigen könnte. (Das ist jetzt aber mal wild drauflosspekuliert und dafür gibts bisher keinerlei handfeste Belege.) Naja, wir werden sehen was kommt, aber da das Regime in Pjöngjang ja herausragende Fähigkeiten im Überstehen aussichtsloser Situationen ist, darf man kaum darauf hoffen, dass es kurzfristig zu grundlegenden Verbesserungen für die Bevölkerung des Landes kommen wird.

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