Immerhin, man spricht wieder: US Sondergesandter Bosworth reist nach Nordkorea

In der Vergangenheit habe ich mich ja schon wiederholt mit den delikaten Beziehungen zwischen den USA und Nordkorea beschäftigt, die für beide Seiten voller Fallstricke waren und sind. Nun machen die USA einen neuen Anlauf Kim Jong Il und sein Regime zu besänftigen und vor allen Dingen zur Rückkehr an den multilateralen Verhandlungstisch zu  bringen. Zu diesem Zweck ist Stephen W. Bosworth, der Sondergesandte der US-Regierung für Nordkorea am vergangenen Samstag in die Region gereist und wird heute nach einem Austausch mit südkoreanischen Politikern nach Pjöngjang weiterreisen. Dort ist ein Aufenthalt bis zum kommenden Donnerstag geplant.

Die Positionen der USA und Nordkoreas

Seitens der USA wird dabei immer wieder darauf verwiesen, dass die bilateralen Gespräche (die ersten unter Barack Obama und insgesamt eine recht seltene Angelegenheit) einzig dem Zweck dienen sollen, Nordkorea zur Rückkehr zu den nunmehr seit über einem Jahr ruhenden Sechs-Parteien-Gesprächen zu bewegen. In Pjöngjang wünscht man sich dagegen naturgemäß eine etwas andere Agenda. Am liebsten wäre es dem Regime wohl, wenn es zu einem Friedensvertrag zwischen Nordkorea und den USA käme, was unter den gegebenen Umständen allerdings wohl jenseits jeglicher realistischer Einschätzungen liegt (aber das weiß man wohl auch in Pjöngjang. Aber da man dort eine gewisse Meisterschaft im feilschen besitzt, weiß man auch, dass man in Verhandlungen nicht mit niedrigen Anfangsgeboten geht!). Allerdings dürfte zwischen beiden Seiten zumindest eine grundlegende Einigkeit über die Agenda der Gespräche bestehen, da es im Vorfeld der Gespräche bereits vorbereitende Konsultationen über die nordkoreanische Botschaft bei den Vereinten Nationen in New York gegeben haben soll.

Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte

Was jedoch konkret bei den Gesprächen herauskommen wird, dass ist schwer abzuschätzen. Wahrscheinlich wird das Ergebnis wie so oft irgendwo in der Mitte liegen zwischen der minimalistischen Forderung der USA, Nordkorea möge ohne Vorbedingungen zu den Sechs-Parteien-Gesprächen zurückehren und der Maximalforderung Nordkoreas nach Gesprächen über einen Friedensvertrag. Dabei dürfen wir uns allerdings leider nicht erhoffen, dass aller Ergebnisse der Gespräche in naher Zukunft publik werden. Während das Resultat der Minimalforderung, nämlich ob Nordkorea zu den Sechs-Parteien-Gesprächen zurückkehrt oder nicht, klar messbar ist (Ich wäre überrascht, wenn es nicht zu einer Rückkehr Nordkoreas käme), unterliegt alles Andere (also mögliche Zugeständnisse der USA) einer für Beobachter oft unbefriedigenden Geheimniskrämerei. Aber entscheidend ist natürlich, mit welchem Verhandlungsmandat Bosworth ausgestattet ist und was das Minimalziel des Regimes in Pjöngjang ist. Beides werden wir wohl kaum in Erfahrung bringen, sondern höchstens aus den Ergebnissen der Gespräche ablesen können.

Zum Erfolg verdammt?

Allerdings gibt es einige Anhaltspunkte, die über die altbekannten Ziele beider Seiten hinaus auf die Positionen der Akteure schließen lassen. Auf Seiten Nordkoreas währe da die jüngste Währungsreform zu nennen. Diese hat im Volk, oder zumindest in einigen Teilen Unzufriedenheit ausgelöst. Daher dürfte Kim Jong Il unter Druck stehen, durch die Gespräche greifbare Ergebnisse zu erzielen um die Legitimation des Regimes zu stärken. Sicherlich ist allein das Zustandekommen bilateraler Gespräche mit einem Vertreter der USA bereits ein propagandistisch gut nutzbarer Erfolg, allerdings dürfte es dem geliebten Führer nach der Währungsreform und den immer wieder aufkeimenden Gerüchten über sein Ableben und seine Nachfolge wichtig sein, sowohl nach außen wie nach innen zu demonstrieren, dass er die Fäden weiterhin fest in der Hand hält und erfolgreich auf internationalem Parkett agieren kann. Jedoch dürfte die nordkoreanische Seite mit diesem Erfolgsdruck nicht allein dastehen. Nachdem Barack Obamas außenpolitisches Engagement in aller Welt, vor allem aber in den USA, zunehmend kritisch betrachtet wird (hier ist zum Beispiel die Asienreise Obamas zu nennen, die von Beobachtern meist irgendwo zwischen ertraglos und totalem Desaster bewertet wurde, zu nennen), wäre der Konflikt mit Nordkorea eine ideale Möglichkeit zu belegen, dass sein neuer außenpolitischer Stil doch erfolgsträchtig sein kann und auch konkrete Ergebnisse liefert. Würden die Verhandlungen in Pjöngjang eine Perspektive für den Abrüstungs- und Friedensprozess auf der koreanischen Halbinsel aufzeigen, könnte Obama erstmals seit langem (eigentlich seit er den Friedensnobelpreis bekam), Erfolge auf internationaler Ebene verbuchen. Aus diesen Gründen gehe ich davon aus, dass beide Seiten gewillt sind, die Gespräche zu einem erfolgreichen Ergebnis zu führen und wir uns Anfang des kommenden Jahres über eine Wideraufnahme der Sechs-Parteien-Gespräche freuen können, die den Stillstand (bzw. die Verschlechterung) der Situation im vergangenen Jahr aufbrechen können. Ob diese Gespräche dann jedoch wirklich nachhaltige Ergebnisse liefern werden, dass steht auf einem völlig anderem Blatt.

Meinungen, Anregungen, Kritik? Alles gern gesehen!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s