„Heute mal nordkoreanisch?“ Nordkoreanische Restaurants im Ausland

Ich bin heute beim Stöbern auf einen Bericht über das Pyongyang II, ein nordkoreanisches Restaurant (im doppelten Sinne: Essen nordkoreanisch, Betreiber Nordkorea) in Phnom Penh, der Hauptstadt Kambodschas gestoßen. Das fand ich dann doch relativ interessant, weil eigentlich denkt man ja immer, dass sich Nordkorea von der globalen Wirtschaft ganz abgekoppelt hat (Mit Ausnahme von Hilfslieferungen, und dem Handel mit Waffen, Drogen und Falschgeld natürlich) und weil ich im Gegensatz zu den tausendfachen und immer gleich unspektakulären Berichten über Italiener und Burgerbuden in Pjöngjang hiervon noch nichts gehört hatte. Aber denkste! Wie sich recht schnell rausstellte, gibt es seit etwa 2002 nordkoreanische Restaurants in vielen Staaten Asiens. Länder aus denen über die Existenz solcher Restaurants berichtet wurde sind: Vietnam, Laos (Vientianne) und Kambodscha (Phnom Penh, Siem Reap und Sihanoukville), Thailand (Bangkok), Bangladesch (Dhaka), Nepal (Kathmandu), Malaysia (Kuala Lumpur), Russland (Moskau), der Mongolei (Ulan Bator) und natürlich in China (in ganz schön vielen Städten, scheinbar über 100 Restaurants). Ganz schön überraschend fand ich das. Viel erstaunlicher fand ich allerdings, dass diese Restaurants zum Teil auch scheinbar direkt vom nordkoreanischen Staat betrieben werden. Dabei ist allerdings nicht klar, ob die jeweiligen Botschaften oder das „Büro 39“ das für die Beschaffung von Devisen zuständig ist, das Management führt und ob es hier nur um Devisenbeschaffung oder noch um weitere dunkle Geschäfte (die man Nordkorea ja reflexhaft unterstellt (keine Ahnung ob zurecht)) geht. In China scheinen die Restaurants dagegen eher in einer Art Franchise-Modell betrieben zu werden. Privatleute führen die Restaurants, bekommen von Nordkorea Personal gestellt und müssen 40% der Einnahmen abtreten. 

Was die Restaurants an sich angeht, scheinen sie sich recht stark zu ähneln. Das Essen scheint gut zu sein (oft als besser als bei der südkoreanischen Konkurrenz beschrieben) und der Service super. Abends gibt es dann immer eine Performance der Bedienungen, die nordkoreanisches Liedgut zum Besten geben, wobei sie meist als hübsch und als gute Sängerinnen beschrieben werden. 

Allem Anschein nach sind die Bedienungen handverlesene Universitätsabsolvetinnen, die meist über hervorragende Fremdsprachenkenntnisse verfügen. Generell scheint man in diesen Restaurants nicht besonders glücklich über Fotos oder Videoaufnahmen zu sein (warum auch immer, mir fällt kein Geheimnis ein, dass dadurch gelüftet werden könnte) In manchen (vor allem den chinesischen) Restaurants, wandelt sich das Lokal zu späterer Stunde in eine Karaoke Bar mit oft angenehmer Atmosphäre.

So war es wohl zumindest bis Mitte diesen Jahres. Seitdem hat die Finanzkrise zumindest die Restaurants in Südostasien so schwer gebeutelt, dass ein Großteil (Kambodscha und Thailand sicher) davon mittlerweile geschlossen ist. Japan Probe vermutet, dass die südkoreanischen Touristen, die einen entscheidenden Teil der Kundschaft ausmachten, wegen der Wirtschaftskrise und des schwachen Won ausblieben. Dies könnte dazu geführt haben, dass die Restaurants keine Gewinne mehr abgeworfen haben (Was gegen eine mögliche Rolle der Restaurants in Geldwäscheaktivitäten spräche).  ROK-Drop dagegen berichtet dass 10 Restaurants geschlossen wurden, weil die Bedienungen mit den Gästen fraternisiert hätten und aus Sicht Nordkoreas den guten Ruf des Landes beschmutzt hätten (Klingt auch gut, aber eher wie ein vorgeschobener Grund Nordkoreas).

Wie dem auch sei. Sollte mal zufällig jemand in ner Stadt mit nem nordkoreanischen Restaurant rumlaufen, scheint sich ein Besuch durchaus zu lohnen, vermutlich noch mehr aufgrund der Atmosphäre als wegen des Essens. Also, wenn man keine moralischen Bedenken hat kann man hier vermutlich einen kleinen Eindruck gewinnen, wies in Nordkorea so ist…

3 Antworten

  1. Ich war in Nordkoreanischen Restaurant im XiBaoShan (Chilbosan) Hotel in Shanyang und im „Pyongyang Haedanghwa“ in der Chaoyangmenweidaijie in Peking neben dem Buy Now Elektronikmarkt in der Nähe der nordkoreanischen Botschaft.

    Das Restaurant in Peking war eindeutig besser als das in Shenyang. Beide waren für chinesische wie auch für nordkoreanische Verhältnisse recht teuer und es gab kleine Portionen, sowie Hund auf der Speisekarte. Die meisten der Bedienungen in Shenyang waren Chinesinnen, die Betreiber aber eindeutig nordkoreanisch. In Peking waren die Bedienungen nordkoreanisch und recht hübsch, allerdings ohne Englishkenntnisse.

    Grundsätzlich würde ich sagen, dass das Essen qualitativ dem Koryo Hotel entspricht (die Restaurants werden auch vom Koryo Hotel gemanaged). In Pyongyang gibt es besseres Essen, wie z.B. im Rakwon Kaufhaus, bei Gyonghung (meinem Lieblingsrestaurent) und in vielen anderen Locations.

    In Nordkorea ist es übrigends recht normal, dass die Bedienungen Musik und Tanz „studiert“ haben. Das was man in Deutschland Berufsausbildung nennen würde heißt dort „Studium“, die Berufsschule Universität. Musik und Tanz sind für Kellnerinnen in guten Locations Standardprogramm.

  2. Bei meiner Reise (mit einer chinesischen Gruppe) wurden wir in Pjongyang in ein Restaurant gebracht, in dem die Angestellten für ihren Einsatz in Restaurants in China trainiert werden. Ich glaube nicht, daß die Nordkoreanerinnnen einen Hochschulabschluß haben, aber ganz gut Chinesisch konnten sie und (*politisch unkorrekter Modus ein*) umwerfend schön sahen sie auch aus.
    Nach dem Essen kam dann die Überraschung, Tanz und Gesang. Zuerst als Vorführung der Nordkoreanerinnnen, dann unter Einbezug der Gäste, wobei ich als einiziger Europäer fast mit Gewalt zum Mitmachen gedrängt wurde. Auch das ist Nordkorea.

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