Nach der Währungsreform in Nordkorea: Berichte über extremen Wertverfall des Won

Nachdem die Behörden in Nordkorea Anfang des vergangenen Monats eine Währungsreform durchgeführt haben, bei der neue Won gegen alte im Verhältnis 1:100 umgetauscht wurden, während eine Obergrenze das umtauschbare Vermögen stark begrenzten und nachdem zur Stützung dieser Maßnahmen die Nutzung jeglicher Fremdwährungen untersagt wurde, zeichnen sich Berichten zufolge nun weitere Folgen dieses Vorgehens ab. Yonhap schreibt unter Berufung auf „Open Radio for North Korea“, dass man für einen Yuan Anfang Dezember noch 50 Won bezahlen musste, dass der Preis aber mittlerweile bei 1.000 Won liegt. Sollten diese Berichte zutreffen, hätte der nordkoreanische Won binnen eines Monats gegenüber dem Yuan um 1.900 % an Wert verloren, was einer deutlichen Verschärfung der Inflation gleichkäme. Für diese Inflation wird ein Vertrauensverlust der Bevölkerung in den Won verantwortlich gemacht. Weiterhin wird das Verbot der Nutzung von Fremdwährungen als Grund für die Inflation angegeben. Während zuvor Devisen als Ersatzwährungen genutzt werden konnten, müssen nun die Geschäfte auf den Märkten vermutlich vermehrt in Won getätigt werden. Die Händler die die Güter meist aus China importieren, müssen dort allerdings in harter Währung zahlen, oder eben in Won, vermutlich jedoch mit erheblichem Risikoaufschlag, denn für die chinesischen Händler dürfte der neue Won eine ganz schöne Wundertüte sein. In China macht man nichts mit dem Won und in Nordkorea kann man nichts davon kaufen. Solange das Verbot der Nutzung von Fremdwährung in Nordkorea also anhält, hat man ziemlich wertlose Papierfetzen gegen gute Ware getauscht. Und wer macht das schon ohne saftigen Risikoaufschlag?

Tja und schon haben wir einen krassen Wertverfall. Allerdings sind die Berichte bisher mit Vorsicht zu genießen, weil es dafür nur eine Quelle gibt, die sich wiederum auf ungenannte Informanten beruft. Aber sollten sich diese Bericht bestätigen, was wären die Implikationen? Das kommt natürlich auf die Ziele des Regimes an. Wenn es, wie ich ja schonmal gemutmaßt habe, hauptsächlich einen Schlag gegen die privaten Märkte führen wollte, so war es wohl recht erfolgreich. Die aus China eingeführten Waren dürften sich immens verteuert haben, so dass die Nutzung der Märkte uninteressant, bzw. für die meisten Nordkoreaner unmöglich geworden sein dürfte. Und wo es keine Kunden gibt, da gibts auch keine vermögenden Händler die Geschäfte machen können. Allerdings dürfte dieser Schlag auch die Bevölkerung hart getroffen haben, denn die Möglichkeit die spärliche staatliche Versorgung durch Produkte von den Märkten zu ergänzen wäre nicht mehr gegeben und eine Nahrungskrise wäre vorprogrammiert. Dass sich das Regime für solche Sachverhalte jedoch nur bedingt interessiert belegt die Hungersnot in den späten 1990er Jahren, während der zwischen 300.000 und 3.500.000 Nordkoreaner (das weiß niemand so genau, aber die Medien schreiben meist von 2.000.000) an den Folgen von Unterernährung starben. Wenn das Ziel der Regierung in Pjöngjang jedoch, wie ebenfalls oft vermutet, die Bekämpfung der Inflation war, dann waren die Maßnahmen ein riesiges Desaster.

Welches Ziel die Maßnahmen genau hatten wird sich wohl am ehesten am weiteren Verfahren des Regimes zeigen. Sollte das rigide Vorgehen weiterhin fortgesetzt, oder sogar durch weitere Beschlüsse ergänzt werden, dürfte das Regime vor Allem die das Zurückdrängen der Märkte im Sinn gehabt haben. Werden die Beschlüsse aufgeweicht oder unauffällig zurückgenommen, war das Ganze wohl mehr ein gescheiterter Versuch, die Inflation zu bekämpfen.

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