Handel zwischen Süd- und Nordkorea: Leicht rückläufig aber stabil

Irgendwie wird durch die Medien ja oftmals suggeriert, Nordkorea würde hauptsächlich über illegale Geschäfte wie Waffenhandel, Drogenhandel und Geldfälschung zu Einnahmen kommen. Obwohl da natürlich ein Funke Wahrheit dran ist, gibt es auch einen bedeutenden Anteil der Wirtschaft, der ganz kapitalistisch über den Handel mit anderen Staaten abläuft. Dies zeigen zum Beispiel die nicht unbedeutenden Mengen von Gütern, die in andere Länder exportiert, bzw. aus diesen importiert werden. In der letzten Dekade hat sich Südkorea trotz vieler politischen Schwierigkeiten zu einem der bedeutendsten Handelspartner Nordkorea entwickelt. Gestern wurden die Zahlen des vergangenen Jahres veröffentlicht, die meiner Meinung nach durchaus überraschendes beinhalten.

Im Jahr 2009 lag der Handel zwischen Nord- und Südkorea Pressemeldungen zufolge bei 1,66 Milliarden US Dollar. Im Vergleich zum Jahr 2008, in dem noch Waren im Wert von 1,82 Milliarden Dollar gehandelt wurden, stellt dies zwar einen Rückgang von 8,5 % dar, allerdings ist dieser Rückgang bei der Betrachtung des Gesamthandels Südkoreas als moderat zu betrachten. Im vergangenen Jahr sanken die Exporte des Landes nämlich um 13,9 % und die Importe sogar um 25, 8 %. Gegenüber diesen Ergebnissen blieb der innerkoreanische Handel also relativ stabil.

Weitere interessante Erkenntnisse ergeben sich bei einem Blick auf die Handelsbilanz. Während Nordkorea Güter für rund 930 Millionen Dollar nach Südkorea lieferte, führte es nur Wahren für ca. 730 Millionen Dollar ein. Also hat Nordkorea gegenüber dem Süden einen Außenhandelsüberschuss von rund 200 Millionen Dollar. Dies ist insofern verwunderlich, weil oft davon ausgegangen wird, Nordkorea würde sich in großen Teilen über Hilfen aus anderen Ländern  (vor allem China und Südkorea) finanzieren. Südkorea lässt diese Hilfen als „noncommercial transactions“ in diese Statistik mit eingehen, was bewirkt, dass sich die Handelsbilanz „zugunsten“ Südkoreas verschiebt. Vor allem ist Nordkoreas Überschuss aber bemerkenswert, weil oft davon ausgegangen wird, dass in der desolaten Kommandowirtschaft eh kaum etwas produziert wird und dass diese Sachen für ausländische Märkte nicht tauglich sind. Dem schein nicht so zu sein.

Am bemerkenswertesten an der ganzen Sache finde ich allerdings, dass die angespannte Situation des vergangenen Jahres, mit dem Nuklear- und den Raketentests, den Handel zwischen beiden Staaten nicht nachhaltig behinderte. Auch die Tatsache, dass Lee Myung-bak zu Beginn seiner Amtszeit angekündigt hatte, alle Kooperationsprojekte mit dem Norden auf den Prüfstand zu stellen, sie unter anderem an die Denuklearisierung Nordkoreas zu knüpfen und eine Bewertung einzig nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten vorzunehmen, stoppte zwar die zuvor rasante Zunahme des Handels, führte aber nicht zu einem bedeutenden Rückgang.

Die jüngsten Zahlen machen also vor allem zwei Dinge deutlich: Einerseits scheint Nordkorea sehrwohl in der Lage zu sein etwas zu produzieren, das auch für den Markt in Südkorea geeignet ist (Was genau das ist, wie die Strukturen des Handels zwischen Nord- und Südkorea aussehen und welche Rolle das Große Kooperationsprojekt in Kaesong dabei spielt, damit werde ich mich in Kürze nochmal gesondert auseinandersetzen.). Andererseits scheint der Handel mittlerweile auch so robust zu sein, dass er nicht nachhaltig betroffen ist, wenn politisch ein wesentlich schärferer Wind weht, als dass zu den Zeiten Kim Dae-jungs Sonnenscheinpolitik der Fall war.

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