Zitierbares zu Nordkorea frei im Netz: E-books, Berichte, Newsletter (I, Menschenrechtssituation)

Ein von mir formuliertes Ziel meines Blogs war es ja, die vielfältigen open source Quellen, die man im Netz über Nordkorea finden kann, aufzuzeigen und besser zugänglich zu machen. Wie schon gesagt, kann natürlich auch jeder selbst suchen, aber nicht jeder hat Lust auf stundenlange Google-Recherchen, bei denen man dann aus der Unmasse von Seiten politischer Wirrköpfe (links, rechts, religiös oder einfach nur verrückt, egal) die Rosinen raussuchen muss. Ich habe eigentlich schon ziemlich viele Rosinen gefunden (vermutlich nicht alle, aber es werden eigentlich ständig mehr), was mich in die komfortable Lage bringt, euch an meinen Quellen teilhaben zu lassen, was euch wiederum in die komfortable Lage bringt, gute Informationen zu finden, ohne euer Hirn mit dem alltäglichen Schwachsinn des WWW zu verseuchen (Obwohl das auch mitunter lustig, aber eigentlich nie zielführend ist).

Meine Artikel, die sich mit Blogs und Nachrichtenquellen zum Thema Nordkorea beschäftigen, dürften möglicherweise dem Einen oder Anderen eine Hilfe gewesen sein, waren aber bereits ziemlich ausschweifend. Da das Feld, dem ich mich jetzt zuwenden möchte, noch breiter ist, ich aber eigentlich keine Lust habe, eine Woche an nem Artikel rumzuwerkeln, den dann aufgrund seiner Länge niemand liest, werde ich das Ganze in mundgerechten (wobei das Mund eigentlich nicht so passt, aber es ist nunmal n geflügeltes Wort und passt zu den..) Happen servieren. Also kurz und gut, diesesmal möchte ich mich mit Fundstellen aus Wissenschaft und Forschung auseinandersetzen und primär diejenigen aufzählen, wo ihr auch was Zitierfähiges finden könnt. Ob ihr vorhabt, irgendwas zu zitieren ist eigentlich egal, denn damit meine ich hauptsächlich, dass die Infos, die ihr da kriegt, Hand und Fuß haben, auch wenn die Inhalte der Publikationen natürlich etwas von den Standpunkten der Autoren gefärbt sein können, aber da werd ich versuchen euch vorzuwarnen. Ich glaube, dass es irgendwie schon besser ist zu wissen, dass der Autor eines Beitrages ein Wissenschaftler ist, der sich von Berufswegen mit der Materie beschäftigt, als zu hoffen, dass es kein ultrakonservativer Monarchist / Stalin-Fanclub-Vorsitzender / sendungsbewusster Religionsfanatiker, der während einer Gebetskampagne eine Erleuchtung bekommen hat, ist. Naja aus diesem Grund jedenfalls werd ich versuchen in relativ regelmäßigen Abständen (ich versuch nen Wochenrhythmus anzupeilen) so ungefähr drei vielversprechende Fundstellen vorzustellen, bis ich keine mehr kenne. Ich vermute mal, dass das ganze in 4 bis 5 Beiträgen reinpassen sollte. Ich werde versuchen, die Fundstellen thematisch zu ordnen, weiß aber noch nicht genau, inwiefern mir das gelingen wird, weil die Meisten recht breite Spektren abdecken. Nagut, bevor ich auch den letzten Leser mit meinem nicht enden wollenden Geschreibe vergraule, fang ich am Besten schnell mal an.

Quellen zum Thema Menschenrechte

Da in den vergangenen Wochen das Thema Menschenrecht von der, von mir nicht besonders geschätzten zutiefst verhassten Hilfsorganisation Missionierungs-, Propaganda- und Spendensammelagentur Open Doors, mal wieder hoch auf die Agenda gesetzt wurde, möchte ich heute Quellen vorstellen, die es ermöglichen, neutrale Informationen zu diesem Thema (im weiteren Sinne) einzuziehen.

E-Books und Berichte direkt von US Regierungsstellen: US Commission on International Religious Freedom und State Department

Anfangen möchte ich entsprechend meiner Einleitung mit der United States Commission on International Religious Freedom, die einen jährlichen Bericht zur religiösen Freiheit in Nordkorea herausgibt und darüber hinaus Transkriptionen der relevanten Hearings zum Thema anbietet. Vor allem gibts da aber zwei sehr ausführliche Berichte zum Download, die von ihren Ausmaßen an Bücher heranreichen und umfangreich zum Thema informieren. In „Thank you Father Kim Il Sung“ und „A Prison without Bars“ werden Geschichte und aktueller Status der verschiedenen Religionsgruppen eingehend thematisiert. Der aktuelle Status wird dabei vor allem basierend auf einer Umfrage unter Flüchtlingen beschrieben (Die Umfrage ist allerdings nicht gerade repräsentativ, da nur eine geringe Zahl (40 im ersten und 38 im zweiten Bericht) von Flüchtlingen befragt wurde) und erlaubt interessante Einblicke in die Lebenswirklichkeit in Nordkorea, beschreibt aber auch den Umgang des Staates mit den verschiedenen Religionsgruppen im Land. Natürlich könnte man kritisieren, dass eine Kommission, die einem Staat untersteht, nicht unbedingt als neutrale Quelle zu bewerten ist. Allerdings wird die konkrete Forschung von Wissenschaftlern betrieben und wenn man sich die Berichte anschaut, scheinen diese nicht unbedingt von politischen Zielen (außer der Durchsetzung des Menschenrechts auf freie Religionsausübung) bestimmt zu sein. Ein Muss für jeden, der sich mit dem Thema Religion in Nordkorea auseinandersetzt. Und weil wir schonmal gerade bei Stellen des amerikanischen Staates sind: Hier gibts den Bericht des State Department zur Menschenrechtslage in Nordkorea. Wird jährlich geupdated und das Schöne ist, dass alle Menschenrechte aufgelistet sind und dann die jeweiligen Verstöße dagegen beschrieben werden. Übersichtlich aber informativ.

Eine Lobbyorganisation die mit der Wahrheit überzeugt (ja gibts tatsächlich): Committee for Human Rights in North Korea (HRNK)

Eine weitere Quelle hervorragender Informationen, die sich allgemeiner mit Menschenrechten in Nordkorea auseinandersetzen, ist das Committee for Human Rights in North Korea (HRNK). Diese Gruppe, der einige der bedeutendsten Forscher zum Thema Nordkorea angehören, hat es sich zum Ziel gemacht, die Menschenrechtssituation in Nordkorea zu verbessern und generell eine Öffnung des Landes herbeizuführen. Ein hohes Ziel, dass sie durch „Lobbyarbeit“, vor allem mit Hilfe gut recherchierter Berichte, zu verwirklichen suchen. Im Rahmen dieser Berichte versuchen sie gleichzeitig konkrete Lösungs- und Handlungsvorschläge zur Verbesserung der Situation zu formulieren. Auf der Seite dieser Organisation gibt es eine ganze Reihe hervorragender Berichte in Buchlänge zu finden. Diese Beschäftigen sich mit Flüchtlingen, der Nahrungsmittelsituation, der Menschenrechtslage im Allgemeinen und mit den berüchtigten Straflagern, in denen Schätzungsweise 200.000 Nordkoreaner leiden. Da ich nur letzteren Bericht gelesen habe, „Hidden Gulag“ von David Hawk, will ich nur diesen ausdrücklich empfehlen. Auch dieser Bericht baut in großen Teilen auf der Befragung Betroffener auf, was aufgrund der Materie noch bedrückender ist, als die Berichte über religiöse Freiheit. Weiterhin werden die einzelnen Lager anhand von Satellitenfotos näher beschrieben und es werden hervorragende Hintergrundinformationen zum Lagersystem insgesamt geliefert. Ein absolutes must read für jeden der sich hierzu informieren möchte. Und da fällt mir gerade noch was auf: Der Bericht „Hunger and Human Rights: The Politics of Famine in North Korea“ dürfte auch auf jeden Fall lesenswert sein. Die beiden Autoren Marcus Noland und Stephen Haggard haben ausgiebig zu dem Thema geforscht und sind im Gegensatz zu vielen ihrer Kollegen und nahezu allen Vertretern der Medien so ehrlich zu sagen, dass es unmöglich ist, genaue Zahlen zu den Todesopfern der großen Hungersnot von 1994 bis 1998 zu nennen. Sie schätzen die Opferzahlen annäherungsweise (wobei sie sich statistischer Analysemethoden bedienen) bei 600.000 bis einer Million (Das heißt immerhin eine Million weniger, als die in unseren Medien mittlerweile als feststehende Wahrheit verkauften zwei Millionen). Da ihre Artikel und Paper eigentlich immer fundiert und so weit es geht neutral sind, dürfte das auch hier der Fall sein. Aber wie gesagt, vermutlich sind auch die anderen Berichte es wert gelesen zu werden. Auf der Seite des (HRNK) hat sich schon seit 2007 nichts mehr getan. Man weiß ja nie was passiert, und daher würde ich dem interessierten Leser empfehlen auf Nummer sicher zu gehen und alle Berichte runterzuladen. Erspart das Suchen, sollte die Seite irgendwann nicht mehr erreichbar sein… Achja, auch hier wieder die Frage, inwiefern eine Lobbyorganisation neutral sein kann und die Antwort: Zumindest soweit, dass sie wissenschaftliche Standards erfüllt und Berichte kostenlos im Netz anbietet, die Infos liefern, die dem Alltagsleser sonst nicht so einfach und kostengünstig zugänglich sind. Der Fall Nordkorea ist eben ein so krasser, dass man die Realität nicht künstlich aufbauschen muss.

Zwar tendenziöse, vor allem aber exklusiv: Good Friends: Center for Peace, Human Rights and Refugees

Und abschließend noch eine Quelle, bei der ich lange überlegt habe, ob ich sie dazu nehmen soll oder nicht. Letztlich hab ich mich dafür entschieden, weil die Organisation „Good Friends: Center for Peace, Human Rights and Refugees“ in ihrem Newsletter „North Korea Today“ oftmals Infos haben, die noch nicht mal Yonhap liefern kann und weil die Good Friends natürlich einen Schwerpunkt auf Fragen der Menschenrechte haben, der hier hervorragend reinpasst. Was mich etwas zögern ließ war, dass einem bei der Lektüre des Newsletter nicht entgeht, dass er etwas einseitig und tendenziös ist. Aber wenn man da kritisch rangeht, dann überwiegen auf jeden Fall die gewonnenen Infos gegenüber dem Ärger beim Filtern. Wer up to date bleiben will oder nach bestimmten Fakten sucht, ist hier gut aufgehoben.

So, dass wars erstmal zur Menschenrechtssituation in Nordkorea. Es kann sein, dass mir da noch weitere Quellen einfallen, aber die werde ich dann an anderer Stelle nachzuliefern versuchen. Aber da viele Augen immer mehr sehen als zwei meine klare Ansage: Sollte jemand Ergänzungen zum Thema haben: Immer her damit!

 

Diese und weitere Links zum Thema findet ihr auch in meiner Linksammlung zum Thema Menschenrechte.

7 Antworten

  1. … na das dauert vllcht noch ’nen Augenblick – mit Ruhm und Reichtum und so…, aber wie sagt mein Lieblingsbaumarkt *raktiker in seiner Werbung zur Zeit immer so schön: „Weil reden allein in diesen Zeiten nicht hilft. Sofortmaßnahme Nr. 91428: 100 % auf Alles !“ – also mail mir mal – wenn du willst – deine Adresse – dann schick ich dir mal ’n paar original NK-Schriften ( Kostet keinen Cent: Bin vor einiger Zeit mal über „verschlungene“ Wege zu einem größeren Posten NK-Original Literatur gekommen und hab da jetzt vieles doppelt, dreifach und vierfach…. und bevors jetzt in unserem Keller die Mäuse anfressen, kanns ja auch an ’ne „arme Kirchenmaus“ weitergehn – einzige Bedindung – keine ausschweifigen Danksagungen – Maximal: „Bücher angekommen. Danke.“ … Ok ?😉

    Also wenn’s dich interessiert: kurze mail mit deiner Adresse an XXXXX@gmx.de

    • Hey Houty,
      Das Paket ist eingetroffen.
      Wie sagt man noch: „Es war mir eine Freude mit Ihnen Geschäfte zu machen…“
      Danke, Tobias

  2. …jetzt kommt ja ein bisschen Leben in die „Bude“ – so kommentar-mäßig gesehen… – ( vllcht ist es sinnvoll „Die letzten Kommentare“ in ’nem frame irgendwie hervor zu heben – nicht nur dass man meine kommentare dann besser erkennen kann ( das natürlich vor allem 😉 – ach Quatsch – nee sondern, weil sich dann vllcht andere Leser ermutigt fühlen ihren Kommentar auch abzugeben… man guckt eben eher was andere schon gesagt haben und sagt dann vllcht dann doch seine meinung dazu – irgendwo rechts unten „1 Kommentar“ geht einfach unter… )
    Was Quellen zu NK anbelangt bin ich ja ein absoluter Verfechter von „Quellenstudium“ … Ich les den ganzen NK-Kram vom „Verlag für Fremdsprachige Literatur Pjongjang“ – sortiere, versuch zwischen den Zeilen zu lesen und empfehle ergänzend „North Korean Review“ (http://www.mcfarlandpub.com/nkr.html) und „Vantage Point“ von Yonhap…

    • Hey Houty,
      wie immer vielen Dank für den Kommentar. Ich hatte tatsächlich schon hin und wieder überlegt so was einzubauen, bin aber bisher aus zwei Gründen davor zurückgeschreckt: Erstens mach ich mir immer Sorgen, meine Sidebar zu sehr vollzuknallen und dadurch der Übersichtlichkeit/Lesefreundlichkeit Schaden zuzufügen. Zweitens habe ich gedacht, dass das Ganze auch eine Entgegengesetzte Wirkung haben könnte, indem die Leser denken: „Oh, hier scheint man ja kaum zu kommentieren, dann lass ich das auch mal lieber… Aber du hast schon recht, ich werds mal versuchen.
      Was die Quellen angeht, so sind die sicherlich alle lesenswert. Das Problem ist nur, dass man dafür zahlen muss. Naja und weil ich ein Sparfuchs bin und arm wie eine Kirchenmaus (Hehe, ist zwar gar nicht so witzig. Aber „arm wie eine Kirchenmaus“ find ich n tolles geflügeltes Wort), muss ich noch warten bis ich reich und berühmt bin, um auf diese Quellen zuzugreifen.

  3. Erstmal vielen Dank für die Kommentare David und Herr Klitz,
    ich freue mich natürlich über jedes Feedback, aber natürlich besonders über positives.
    Der Anmerkung von Herrn Klitz kann ich nur voll und ganz zustimmen. Ich bin viel auf der Suche nach Erster-Hand Infos, aber selten erfolgreich. Mitunter habe ich dabei auch das Gefühl, dass diejenigen, die entsprechende Erfahrungen hätten (verständlicherweise) sehr zurückhaltend damit umgehen, vielleicht um die vorhandenen Beziehungen nach Nordkorea nicht in Gefahr zu bringen.
    Und Arbeiten oder Kommentare, die nur auf Wissen aus zweiter oder sogar dritter Hand aufbauen, mögen noch so gut recherchiert und durchdacht sein, im Endeffekt wird über etwas geschrieben, dass man nicht aus eigener Erfahrung kennt und daher auch nicht wirklich treffend darstellen kann.
    Das, was ich hier mache ist ja auch nichts anderes. Eigentlich ist das so, als würde ein Beduine ein Blog über Wintersport und Schnee betreiben…
    Nichtsdestotrotz bin ich bisher von meinem Vorgehen überzeugt (und nehme die Kommentare als Bestätigung). Da sich hier in Deutschland die Informationen zu Nordkorea hauptsächlich auf oft reißerische und verkürzte Artikel in der Presse beschränken, denke ich, dass es ein wichtiger erster Schritt ist, darüber hinausgehende Informationen überhaupt zugänglich zu machen. So können diejenigen, die interessiert sind, sich wenigstens ein annäherungsweise realistisches Bild von der Situation machen. Was man damit anfängt, bleibt jedem selbst überlassen…

  4. Da kann ich mich nur anschließen. Bin kein Experte für Nordkorea, lese Dein Blog aber immer wieder gerne🙂 Vielen Dank.

  5. Als zuständiger Projektleiter der Friedrich-Naumann-Stiftung in Korea war ich in den letzten drei Jahren 15mal in Nordkorea. Ich finde Ihr Motiv, einigermaßen zuverlässige Quellen zu finden sehr ehrenwert. Den meisten Kommentatoren über Nordkorea fehlt es aber leider an eigenen Erfahrungen und Informationen aus erster Hand. Viel Erfolg für Ihr Projekt.
    Walter Klitz, Seoul

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