Feuergefecht? Nordkorea schießt ins Wasser, Südkorea in die Luft…

Im Gelben Meer ist es zu einem Zwischenfall gekommen bei dem nordkoreanische Artillerie bis zu 30 Schüsse in ein Gebiet nahe der nördlichen Grenzlinie (NLL) schoss. Allerdings gingen die Geschosse auf der nordkoreanischen Seite dieser De facto Seegrenze, die 1953 vom UN-Oberkommando gezogen und seitdem von Nordkorea kritisiert wird, nieder. Kurz darauf wurden von einer südkoreanischen Marinebasis mehrere Schüsse in die Luft abgefeuert. Also nichts passiert könnte man sagen, oder wie der Autor des Blogs Marmots Hole es ausdrückt: „Boys will be boys„.

Verschärfte Rhetorik zwischen Nord und Süd

Meiner Meinung nach ist das aber nur die halbe Wahrheit. Nachdem in den vergangenen Tagen die Rhetorik zwischen Süd- und Nordkorea immer schärfer wurde stellt dieser Vorfall eine weitere Steigerung auf der Eskalationsleiter dar. Jetzt fliegen als Träger von Provokationen nicht mehr nur noch Worte, sondern auch Artilleriegeschosse. Festzuhalten ist dabei jedoch auch, dass obwohl die Worte als auch die Geschosse in genau dosierter Form unterwegs sind. Man weiß wie weit man gehen kann und weiter geht man auch nicht.

Die Sechs-Parteien-Gespräche fest im Blick

Das scheinen mir mittlerweile alteingeübte Rituale zu sein. Und wozu dienen die Rituale? Genau, da kommt meiner Meinung nach wieder das große Ganze ins Blickfeld. Die Sechs-Parteien-Gespräche. Man hat aus Pjöngjang in den vergangenen Wochen ein erstaunliches „Wohlverhalten“ gegenüber den USA beobachten können. Man zeigte sich entgegenkommend und gesprächsbereit. Gleichzeitig waren die Beziehungen zu Südkorea geprägt von eher zwiespältigem Verhalten. Einerseits zeigte man sich in konkreten Punkten gesprächsbereit, andererseits verschärfte man auf der obersten politischen Ebene die Rhetorik. Vermutlich will man in Pjöngjang seine Charmeoffensive gegenüber den USA noch ein Zeitchen weiterführen. Da man aber gleichzeitig mit der Blockade der Sechs-Parteien-Gespräche unzufrieden ist und das Thema auf der internationalen Agenda hochhalten will, ärgert man eben Südkorea. Das ganze könnte möglicherweise auch noch den strategischen Vorteil mit sich bringen, dass man in den USA und Südkorea die Bedrohung durch Nordkorea unterschiedlich wahrnimmt. Dies könnte ein Bröckeln der gemeinsamen Front gegen Nordkorea bewirken. Aber am wichtigsten dürfte es für Nordkorea zurzeit sein, eine Situation aufrechtzuerhalten, die von der Weltgemeinschaft als bedrohlich empfunden wird, weil man zum Beispiel Kriegsgefahr wahrnimmt. Dadurch entsteht Druck auf die USA und Südkorea zur Lösung des Problems beizutragen, sich also bezüglich der Sechs-Parteien-Gespräche zu bewegen.

Den Boden für die Gespräche bereiten und vielleciht Konzessionen abgreifen

Das was sich in den letzten Wochen zwischen den USA und Nordkorea und Süd- und Nordkorea abspielte ist meiner Meinung nach vor allem ein Zeichen dafür, dass Nordkorea wieder an den Verhandlungstisch zurückwill. Allerdings wollen sie einerseits den Boden für die Verhandlungen bereiten, damit sie dort nicht auf eine gut abgestimmte und vollkommen einheitliche Front von Gegnern treffen. Außerdem versucht man für die Rückkehr an den Verhandlungstisch irgendwelche Konzessionen zu ergattern und bisher sah es ganz so aus, als würde das nicht gelingen. Wenn man allerdings weiter an der Eskalationsschraube drehen sollte, könnte vielleicht doch etwas dabei herauskommen. Wir werden sehen und bis dahin werden sich die Jungs in Nord und Süd wohl weiter gegenseitig ärgern…

Meinungen, Anregungen, Kritik? Alles gern gesehen!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s