Nordkorea und die Verhandlungen um die (Sechs-Parteien-)Verhandlungen: Der Nebel lichtet sich, doch klarer sehen wir trotzdem nicht.

Ich war etwas busy die letzten Tage und kam daher kaum dazu den PC einzuschalten. Aber ich dachte mir, dass sich die Welt vermutlich weiterdrehen wird, ohne dass ich über Nordkorea schreibe. Und siehe da, das hat sie tatsächlich getan. Dementsprechend möchte ich mal nen kurzen Roundup über die Ereignisse und Neuigkeiten der letzten Tage geben.

UN-Gesandter: Mäßiger Erfolg

Was den Besuch des UN Gesandten Lynn Pascoe angeht, so hat der scheinbar nicht sehr viel mehr nach Pjöngjang mitgebracht, als ne persönliche Botschaft Ban Ki-moons an Kim Jong Il. Und weil das nicht besonders viel war, konnte er die Botschaft auch nicht an Kim Jong Il himself übermitteln, sondern musste ganz im Sinne der guten alten Flüsterpost mit Kim Yong-nam, dem Vorsitzenden des Präsidiums der Obersten Volkskammer vorlieb nehmen. Und der dürfte die Botschaft dann wiederum weitergetragengeflüster haben. Da hoffen wir mal, dass sich alle Beteiligten die Botschaft gut gemerkt haben, nicht das am Ende – ganz Flüsterpostmäßig – was anderes rauskam als am Anfang gesagt wurde. Naja, seis drum. Pascoe kam jedenfalls mit der Information zurück, dass die nordkoreanische Seite nur mäßig an einer Wiederaufnahme der Sechs-Parteien-Gespräche interessiert sei.

Diplomatie mit China: Vielversprechend

Aber es gab auch positivere Signale. So verweilte Nordkoreas Chefunterhändler bei den Sechs-Parteien-Gesprächen, Kim Kye-gwan immerhin bis vergangenen Samstag in Peking, womit er seit seiner Ankunft am Dienstag der gleichen Woche einige Zeit gehabt haben dürfte, sich mit Wu Dawei, dem jüngst ernannten Chefunterhändler Chinas bei den Sechser-Gesprächen auszutauschen. Bezüglich Kim Kye-gwan gab es auch noch eine weitere Nachricht. Es wurde bekannt, dass Pläne für eine Reise Kim Kye Gwans in die USA bestehen. Dieser Besuch soll im März stattfinden und kann südkoreanischen Angaben zufolge als Entgegnung der Visite des US-Sondergesandten Bosworth gesehen werden.

Ein Geldsegen vom Verbündeten: Nur Zufall?

Und dann gabs heute noch eine äußerst interessante Nachricht, die im Zusammenhang mit den diplomatischen Bemühungen gesehen werden kann, aber nicht muss. Yonhap berichtet, dass Wang Jiarui, der hochrangige chinesische Diplomat, der kürzlich in Pjöngjang zu Gast war und (im Gegensatz zu Lynn Pascoe) noch mehr bei sich hatte, als nur eine Botschaft (in diesem Fall von Hu Jintao). Scheinbar überbrachte er auch die Nachricht, dass ein Konsortium aus chinesischen Banken und mehreren internationalen Konzernen gewillt ist, über zehn Milliarden US-Dollar in Infrastrukturprojekte in Nordkorea zu investieren. Da verwundert es auch nicht, dass Wu seine Nachricht persönlich an Kim Jong Il übermitteln durfte (ja klar, mir ist schon bewusst, dass es auch ohne eine zehn Milliarden Dollar schwere Nachricht ein Affront Nordkoreas gewesen wäre, den Gesandten des wichtigsten Verbündeten nicht zu Kim vorzulassen) und das Kim Kye-gwan sich danach in Peking viel Zeit nahm. Was für eine Tragweite dieses Investment für Nordkoreas Wirtschaft hätte, wird etwas klarer, wenn man sich vor Augen hält, dass sich Nordkoreas Brutto Inlands Produkt (BIP) zurzeit auf etwa 26 Milliarden US-Dollar beläuft. Da sind zehn Milliarden ein ganz schöner Batzen (Witzige Randnotiz die mal wieder zeigt, wie wenig man über Nordkorea mit Gewissheit sagen kann: Während Yonhap in seinem Artikel von einem BIP Nordkoreas von 26.2 Mrd. US-$ schreibt, berichtet der Korea Herald von einem BIP um 15 Mrd. US-$. Ich persönlich weiß nicht wie der Herald auf diese Zahlen kommt, halte die von Yonhap aber für wesentlich plausibler. Trotzdem erstaunlich.). Weiterhin interessant bei der Sache: Laufen sollen die Investitionen über die Korea Taepung International Investment Group, die erst vor noch nicht einmal einem Monat ins Leben gerufen wurde. Ganz schöner Erfolg für so ne neue Organisation. Oder wurde die Gruppe etwa genau aufgrund dieser Zehn Milliarden Dollar ins Leben gerufen, vielleicht weil das eine Voraussetzung des Konsortiums war? Man weiß es nicht, aber da gibt es jede Menge Raum für Spekulationen. Die Investitionen sollen jedenfalls nach Ansicht sowohl der Investoren als auch Nordkoreas im Einklang mit den bestehenden UN-Sanktionen gegen das Land stehen. Die Zeremonie zur Unterzeichnung der Verträge soll Mitte März stattfinden.

Terminplan für den nächsten Monat

Jedenfalls wäre das ein ziemlich Handfester Grund für Nordkorea, zu den Sechs-Parteien-Gesprächen zurückzukehren. Achja, bei der Datumsangabe März fällt mir noch was ein: Das ist ja derselbe Monat, in dem Kim Kye-gwan in die USA reisen will. Vielleicht wird diese Reise dann etwas früher stattfinden, um zu sehen ob da noch was zu holen ist und kurz vor der Unterzeichnung gibt Nordkorea dann (unabhängig von den Ergebnissen der Reise des Unterhändlers) bekannt, zu den Sechser-Gesprächen zurückzukehren. So könnte ich mir einen Zeitplan für den nächsten Monat vorstellen.

Nordkorea reizt hoch und findet gut: Spielt Kim einen Grand?

Ok, zum Schluss möchte ich die Ergebnisse der letzten Wochen nochmal in ein zwei Sätzen zusammenfassen. Und weil ich gerne in Metaphern schreibe und eigentlich genauso gerne Skat spiele, und weil sich das gerade recht gut anbietet, gibts heute mal ne Breitseite Skat-Metaphern. Nordkoreas Führung hat im Vorfeld der Verhandlungen ganzschön hoch gereizt, für das Blatt, dass sie auf der Hand hatte, aber sie ist ja schon seit langem als aggressiver Spieler berüchtigt. Trotzdem war es fraglich, ob es möglich gewesen wäre, mit diesem Blatt zu gewinnen. Aber Pjöngjang hat auf den Skat gereizt. Und was findet man da? Eine Lusche, die nichts bringt, aber auch nichts schadet (Lynn Pascoes Besuch) und einen Bauern (China). So ist die Hand wieder spielbar. Nordkorea hat zwei Bauern (Bombe und China) und ich vermute, dass man mal wieder aufs Ganze geht und es mit einem Grand versucht. Nen Grand mit Zweien kann man gewinnen, es ist aber bei weitem nicht sicher. Da kommt es drauf an, wie die Karten auf der anderen Seite stehen, vor allem aber wie die Gegner spielen. Aber das werden wir wohl erst in einiger Zeit erfahren. Auf jeden Fall wirds ein spannendes Spiel.

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