Nichts ist älter als die Nachrichten von Gestern…Und die von letztem Monat? – Die Medienberichterstattung zu Nordkorea

Manchmal wundere ich mich doch sehr, was es, wenn das Thema auf Nordkorea kommt, alles in die Nachrichten schafft. Heute wurde da berichtet, Nordkorea wolle sein Nuklearprogramm nicht gegen wirtschaftliche Hilfen eintauschen, da dieses zur Abschreckung gegen die US-amerikanische Bedrohung entwickelt worden sei. Solange die USA ihre feindselige Politik und der nuklearen Bedrohung fortsetzten, sei das Nuklearprogramm nicht verhandelbar.

Soweit so gut, aber wo bitte ist hier etwas neues, was ist der Mehrwert dieser Nachricht? Reicht es, dass Nordkorea einen Punkt, der seit Monaten wieder und wieder herunter gebetet wird, wiederholt, um eine Schlagzeile daraus zu konstruieren? Offensichtlich schon. Statements aus Pjöngjang, die einen Friedensvertrag mit den USA als Voraussetzung für die Rückkehr zu den Sechs-Parteien-Gesprächen forderten waren in den vergangenen Wochen und Monaten ja nicht eben selten. Aber wahrscheinlich reicht das kollektive Gedächtnis unserer Medien nicht viel weiter als zwei Tage zurück. Und vermutlich glaubt man bei den Medien, dass es sich bei den Konsumenten ähnlich verhält. Aber seis drum, wenn man die Nachricht genauer liest und mit etwas Hintergrundwissen ausgestattet ist, dann kann man sich ja irgendwie zusammenreimen, dass die Schlagzeile: „Nordkorea bleibt bei Atomprogramm – Kein Tauschgeschäft“ nicht die ganze Wahrheit beschreibt. schließlich steht da ja irgendwo im Artikel der Satz:

Solange die USA ihre „feindliche Politik und ihre nuklearen Drohungen“ gegenüber Nordkorea nicht beendeten, werde das Land sein Nuklearprogramm ohnehin nicht aufgegeben, erklärte Pjöngjang.

Aber das ist auch nicht immer so. Die guten alten Yahoo! News haben die Nachricht nämlich aufs wesentliche (und weniger, aber ich habe eh die Vermutung, dass die Yahoo! News wahlweise von Praktikanten oder intelligenten Primaten zusammengestellt werden) reduziert und das liest sich dann so:

Nordkorea will auch im Gegenzug für wirtschaftliche Hilfen aus dem Ausland nicht auf sein Atomprogramm verzichten. Der Staat habe zu seiner eigenen Verteidigung Nuklearwaffen entwickelt, und „nicht, um irgendjemanden zu bedrohen oder wirtschaftliche Begünstigungen zu erhalten“, erklärte die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA am Freitag. Es sei ein „Fehlurteil“, wenn die internationale Gemeinschaft glaube, Nordkorea werde im Austausch für Wirtschaftshilfen sein Atomprogramm beenden.

Klingt dann nochmal ne Nummer drastischer. Aber warum das Ganze? Warum macht man sich überhaupt die Mühe, aus einer Nicht-Nachricht eine Nachricht zu konstruieren und diese dann im Zweifel noch n bisschen zu frisieren, indem man entscheidende Bauteile weglässt? Natürlich weiß ich es nicht, aber ich kann es mir irgendwie vorstellen. Themen im Zusammenhang mit Nordkorea haben es ja in der vergangene Zeit recht häufig in die deutschen Nachrichten geschafft. Das Thema ist also irgendwie im Kopf der Konsumenten wie der Redakteure/Journalisten präsent. Wenn die Agenturen dann irgendwas im Zusammenhang mit Nordkorea über den Ticker schicken, denkt vermutlich der Eine oder Andere. „Achja, der Irre mit der Bombe und seinem abstrusen Persönlichkeitskult, der bald stirbt, die Menschenrechte verletzt und seinen geheimnisvollen Sohn an der Staatsspitze installieren will. Darüber müssen wir berichten.“ Außerdem hört man in der letzten Zeit ja ziemlich viel von Atomprogrammen und liest auch öfter mal was darüber, dass es der Iran wohl genauso wie Nordkorea machen will. Nuklearwaffen sind also zurzeit ein kleines Hype-Thema. Und wenn es dann eine Nachricht zum nordkoreanischen Nuklearprogramm gibt, egal wie inhaltsleer sie ist, denkt vermutlich der Eine oder Andere: “ Oh, irgendwas über Atombomben. Es habe ja gerade eh alle Angst, dass der Iran morgen mit Atombomben um sich wirft. Und wenn ein anderer Schurkenstaat irgendwas über Atomwaffen und so sagt, dann müssen wir darüber berichten.“

Tja und Ruckzuck wird aus ner Nicht-Nachricht ne Nachricht. Wäre das Timing anders, hätte sich um Nordkorea nichts getan in de letzten Wochen und würde der Iran weiterhin brav sein Uran nur zu 3,5 % anreichern und wäre die IAEA nicht besorgt, dann hätte sich vermutlich auch niemand für das Statement aus Nordkorea interessiert. Aber in der Politik kommts halt auch ganz schön oft aufs Timing an.

Nur noch ne kleine Schlussbemerkung hinsichtlich Timing und Iran. Nordkorea dürfte das Buhei um Irans Nuklearprogramm mit einem lachenden und einem weinenden Auge beobachten. Einerseits ist es natürlich ganz im Sinne Nordkoreas, dass die Gefahr von Nuklearer Proliferation und der Notwendigkeit des Abbaus von Nuklearprogramm hoch auf der internationalen Agenda firmiert, denn so kann man auch seine eigenen Belange auf diese setzen und es besteht ein gewisser Druck auf die USA, existierende Probleme konstruktiv anzugehen. Gleichzeitig könnte Nordkorea aber auch die Gefahr sehen, dass dem Thema Iran (das zurzeit ja eindeutig heißer gehandelt wird) der Großteil der internationalen Aufmerksamkeit und besonders derjenigen der USA zukommt. Ist das der Fall, kann Nordkorea trotz einer „günstigen“ Positionierung seines Themas nicht darauf hoffen, dass seine Belange ernsthaft angegangen werden. Und was tut man da? Man versucht das Thema präsent zu halten, indem man zum Beispiel Sperrzonen nahe den Grenzgewässern zu Südkorea erklärt (haben sie mal wieder gemacht) oder diese Sperrzonen gar mit schwerem Artilleriefeuer belegt (ihr erinnert euch). Tja, wir werden sehen, was man sich im Kampf um Aufmerksamkeit noch so einfallen lässt.

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