Südkorea untersagt Reise von Gläubigen nach Nordkorea

Laut Yonhap hat die südkoreanische Regierung eine Reise von 4.000 Buddhisten nach Nordkorea untersagt. Vom 30. Januar bis zum 2. Februar war Rev. Jaseung der Führer des Jogye Ordens, der größten buddhistischen Sekte in Südkorea, nach Pjöngjang gereist. Dort hatte er im Rahmen von Gesprächen mit Offiziellen der Buddhist Federation of Korea, der staatlichen buddhistischen Organisation Nordkoreas, Besuchsreisen südkoreanischer Buddhisten vereinbart. Die Reisen sollten ins Kumgang Gebirge führen, wo der buddhistische Singye Tempel steht, der im Koreakrieg zerstört und mit Hilfe des Jogye Ordens von 2002 bis 2007 wieder aufgebaut wurde. Nicht lange nach der Eröffnung des Tempels waren die Touristentouren von Südkoreanern ins Kumgang Gebirge beendet worden, nachdem eine Touristin von einem nordkoreanischen Soldaten erschossen worden war. Neben dem Besuch des Tempels sollten auch Gespräche über weiteren Austausch auf der Agenda stehen. Das südkoreanische Ministry of Unification empfahl den Buddhisten nun allerdings von der Reise abzusehen. Dazu wurde folgende Begründung geliefert:

With the current state of inter-Korean relations uncertain, such a large scale visit to Kumgang Mountain to contact working-level (North Korean) counterparts does not seem relevant […] Therefore, we requested the Jogye order to refrain (from the visit).

Bei dem unsicheren Status der Beziehungen sind also Kontakte auf Arbeitsebene nicht relevant. Aha, hört sich irgendwie so an, als wäre jemand angefressen, dass die eigenen Gespräche um die Wiederaufnahme der Touristentouren gescheitert sind, andere aber scheinbar erfolgreicher sind. Die Selbstverständlichkeit, mit der die südkoreanische einer nicht staatlichen Gruppe eine Reise nach Nordkorea untersagt macht gleich mehrere Tatsachen deutlich:

  1. Dieses Vorgehen verdeutlicht, dass der Geist des Kalten Krieges in gewissem Maß noch auf beiden Seiten der DMZ weht. Zivilgesellschaftliche Freiheiten werden den Interessen des Staates unterworfen, wenn es um Nordkorea geht.
  2. Die südkoreanische Regierung scheint momentan die Zügel fest in der Hand halten zu wollen. Man möchte nicht das Risiko eingehen, dass gesellschaftliche Kontakte zu Ergebnissen führen könnten, die die eigene politische Linie konterkarieren.
  3. Wenn Südkoreas Regierung das will, kann sie gesellschaftlichen Gruppen bestimmte Vorgehensweisen gegenüber Nordkorea untersagen. Das wirft ein interessantes Licht auf die Episoden mit den Propagandaflugblättern, die von südkoreanischen Aktivisten via Luftballons nach Nordkorea geschickt wurden. Hier stritt die Administration nicht ein. Folglich wollte man nicht einschreiten und folglich hatten die wütenden verbalen Attacken Nordkoreas gegen die südkoreanische Regierung im Kern etwas Wahres. Die Aktionen wurden geduldet und hätten verhindert werden können.

Wie gesagt, mich überrascht das Vorgehen der südkoreanischen Regierung etwas. Scheinbar traut man sich nicht, dem autoritären System in Pjöngjang vollständige bürgerliche Freiheit als Gegenmodell gegenüberzustellen. Mal sehen ob es im Bezug auf diese Vorgänge in den nächsten Tagen noch mehr Infos gibt. Hier könnte ich mir Kritik aus eher „Sonnenscheinorientierten“ Gruppen der Gesellschaf vorstellen.

2 Antworten

  1. Wenn ich mich richtig erinnere, war es einE nordkoreanischE SoldatIN. die die südkoreanische Touristin am Strand nahe des Hyundai-Hotels beim Kumgangsan erschoss.

    Danach forderten die Südkoreaner für diesen und zukünftige Vorfälle, dass eine gemischte nord-südkoreanische Kommission zur Untersuchung der Vorfälle eingesetzt werden sollte, was die nördliche Seite (angeblich) bisher ablehnte.
    Deshalb untersagt die südkoreanische Regierung immer noch touristische Reisen südkoreanischer Staatsbürger in den Norden.

    Was mich wundert, wie es der Norden logistisch geschafft hätte, die 4000 südkoreanischen Buddhisten nahe des Singye-Tempels unterzubringen … jetzt ist in Kangwon ja auch tiefer Winter und die Gäste könnten ja nicht im Freien übernachten, gibt es dort so viele Unterkunftsmöglichkeiten, oder war nur ein Tagesausflug geplant ?

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