Nordkorea und die Supernotes: Blütenproduzent oder blütenweiße Weste?

Kennt ihr „Supernotes„? Nein? Kein Wunder! Die sogenannten Supernotes sind Fälschungen von amerikanischen 100-$ Noten, die so gut sind, dass sie von den echten Scheinen nahezu nicht zu unterscheiden sind. Und angeblich werden (oder wurden) sie in Nordkorea produziert und in alle Welt exportiert.

Die USA und die Supernotes

Dazu hat sich kürzlich auch wieder das US State Department in seinem jährlichen Bericht „2009 International Narcotics Control Strategy Report (INCSR)“ geäußert. Dort wird auf einige bedeutende Funde von Supernotes hingewiesen, allerdings sei nicht klar, ob Nordkorea die Blüten weiterhin produziere oder ob es sich um Altbestände handle. Auch der Congressional Research Service veröffentlicht etwa alljährlich Berichte, die auf den nordkoreanischen Ursprung der Supernotes hinweisen. Liest man dann aber etwas genauer in den Berichten, entstehen recht schnell Zweifel über die Stichhaltigkeit der Beweise. So schreibt der Autor des aktuellen Berichts, Dick K. Nanto schon in der Einleitung:

Although Pyongyang denies complicity in any counterfeiting operation, at least $45 million in such Supernotes thought to be of North Korean origin have been detected in circulation, and estimates are that the country has earned from $15 to $25 million per year over several years from counterfeiting. The illegal nature of any counterfeiting activity makes open-source information on the scope and scale of DPRK counterfeiting and distribution operations incomplete. South Korean intelligence has corroborated information on North Korean production of forged currency prior to 1998, and certain individuals have been indicted in U.S. courts for distributing such forged currency. Media reports in January 2006 state that Chinese investigators had independently confirmed allegations of DPRK counterfeiting. In June 2009, press reports claimed that the DPRK produced counterfeit U.S. bills even after 2007.

Aha, 45 Millionen US Dollar von denen man glaubt, sie kämen aus Nordkorea wurden in 20 Jahren gefunden und daraus schließt man auf Einnahmen zwischen 300 und 500 Millionen Dollar in der Zeit. Beweise sind Zeitungsartikel oder Presseberichte über Aussagen von ungenannten chinesischen Ermittlern und natürlich nicht zu vergessen: Aussagen von kriminellen, die mit Falschgeld in der Tasche gefangen wurden. Als leidenschaftlicher Konsument amerikanischer Krimi- und Gerichtsserien (kennt jemand „Boston Legal“? Großartige Serie mit grandiosem William Shatner und auch für Leute geeignet, die nicht auf amerikanische Krimiserien stehen!) weiß ich, dass diese Indizien nicht zu besonders viel führen würden. Naja, aber hier geht es ja nicht um Gerechtigkeit, sondern um Politik! Und dementsprechend wurden unter anderem unter Berufung auf die Geldfälschungsvorwürfe im Jahr 2005 Sanktionen gegen die Banco Delta Asia verhängt, die für einigen Wirbel sorgten. Auch bei aktuellen Maßnahmen gegen Geldhäuser die in Verbindung mit Nordkorea gebracht werden, wird auf dieses „Faktum“ hingewiesen. Nordkorea wurde allerdings von den amerikanischen Behörden erst Ende der 1990er und dezidierter im Jahr 2005 als Ursprung der gefälschten Geldscheine identifiziert (Das kam ja passend zur Banco Delta Asia Geschichte). Zuvor war man allerdings nicht damit beschäftigt, den Fall näher zu untersuchen, sondern vielmehr damit, andere Staaten und Akteure dieses Verbrechens zu beschuldigen. So wurden zu Beginn der 1990er Jahre Verbindungen der Supernotes mit dem Libanon, sowie mit dem Iran und Syrien hergestellt, achja und die Stasi wurde auch schonmal als Falschgeldquelle ausgemacht, aber das dürfte sich ja mittlerweile erübrigt haben. Insgesamt ein recht exklusiver Klub. Da wundert es mich nur, dass nicht auch noch der Irak beschuldigt wurde das Falschgeld zu produzieren…aber gegen den gab es ja schon genug hieb und stichfeste Beweise!

Medien und offizielle Berichte: Selbstverstärkende Flüsterpost

Auf jeden Fall schlägt die Supernotes Geschichte schon seit Jahren recht hohe Wellen. Immer wenn ein neuer Bericht veröffentlicht wird, der Nordkorea und Supernotes in Verbindung bringt berichten die Medien darüber und den Rest des Jahres verbringen Berichtschreiber vermutlich damit, Beweise in Form von Medienberichten zu sammeln. Das kann man dann wohl als ne Art selbstverstärkende Flüsterpost mit zwei Teilnehmern bezeichnen. Seltsam nur, dass keiner Seite aufzufallen scheint, dass sie die von der anderen Seiten nichts bekommt, als die Beweise, die sie kurz zuvor zu Papier gebracht hat. Aber vermutlich wollen beide das nicht. Ist ja ne schöne, runde Geschichte und eigentlich im Interesse aller.

Die andere Seite: Auch hier nichts waschechtes

Aber drehen wir das Tableau mal etwas und schauen wir, ob es denn Beweise gibt, die Nordkorea entlasten könnten. Auch hier ist die Datenlage etwas dünn. Klaus Bender, der sich im Rahmen eines Buches mit Geldfälschung beschäftigte, einige Artikel veröffentlicht, die sich mit der Verbindung zwischen Nordkorea und den Supernotes beschäftigen und auf der Seite von „Global Research.ca“ gibts auch einen recht ausführlichen Beitrag (allerdings ist mir die Seite nicht ganz geheuer, weil die Autoren irgendwas zwischen Friedensaktivisten, US-Kritikern und Verschwörungstheoretikern zu sein scheinen. Darüber hinaus ist ihre wohl wichtigste Quelle…genau: Der Artikel von Klaus Bender. Also gilt hier wohl was Ähnliches wie weiter Oben: Munteres Zitieren voneinander Abschreiben). Nichtsdestotrotz weisen beide Quellen auf einige interessante Punkte hin. Bender geht vor allem auf technische Details, wie die verwendeten Rohstoffe und die Druckmaschine. Die bei der Produktion der Supernotes verwendeten Spezialfarben und das Papier scheinen von Nordkorea kaum zugänglich zu sein. Weiterhin ist Nordkorea zwar im Besitz einer entsprechenden Druckmaschine, allerdings stellte der Lieferant kurz nach der Lieferung die Versorgung mit Ersatzteilen ein, da Nordkorea nicht mehr zahlte. Auch die möglichen Motive Pjöngjangs für diese Art der Falschgeldproduktion werden in Zweifel gezogen. Wirtschaftlich mache die Produktion solch geringer Mengen Falschgeld, wie sie auch von US-Seite postuliert wird wenig Sinn, da hier die Produktionskosten den Erlös bei weitem übersteigen würden. Auch als Mittel der „wirtschaftlichen Kriegsführung“ hätte ein solch geringes Fälschungsvolumen wenige Erfolgschancen, da es ja nicht zu einer Überschwemmung des Marktes mit Falschgeld komme, sondern zu einer wohldosierten Abgabe. So könne kein nachhaltiger Vertrauensverlust in die amerikanische Währung erzeugt werden. Global Research nimmt weiterhin die teils abenteuerlichen Storys etwas näher in den Blick, die als Belege dienen sollen. So wird auf Unstimmigkeiten in Berichten über einen IRA Terroristen, der in Moskau eine Übergabe von falschen 100 $ Noten mit einem nordkoreanischen Agenten abwickelte, bevor er in britische Haft kam, hingewiesen (Also wenn das mal kein attraktiver Stoff für nen Zeitungsartikel oder ne Doku (aber dazu unten mehr) ist, auch wenn es sich später als kapitale Ente herausstellen sollte).

Eine für meine Begriffe recht glaubwürdige Quelle zu diesem Thema ist der Falschgeldbericht der schweizerischen Bundespolizei aus dem Jahr 2004/2005 (Sind nur zweieinhalb Seiten zum Thema aber mit Fotodokumentation, sehr lesenswert). Hier wird darauf hingewiesen, dass „die Druckqualität der Fälschungen als besser als diejenige
der echten Hundertdollar-Note [sic!]“ zu bewerten sei. Details und Linien seien bei den Fälschungen genauer und schärfer als auf den echten Geldscheinen. Zwar wird darauf hingewiesen, dass solch aufwändige Fälschungen nur von Staaten oder staatlichen Organisationen produziert werden könnten, jedoch steht der Bericht der Überlegung, Nordkorea sei Ursprung der Supernotes, äußerst kritisch gegenüber. Der Punkt, dass die Sicherheitsdruckmaschine über die Nordkorea verfügt seit Jahren 500 Won Noten in außerordentlich schlechter Qualität herstelle, sowie die Tatsache, dass jedes Mal, wenn Veränderungen an den 100-$ Noten vorgenommen wurden, binnen kürzester Zeit auch aktualisierte Supernotes vorlagen, werden stark gemacht. Weiterhin wird auch hier die Wirtschaftlichkeit des Vorgehens in Frage gestellt und darauf hingewiesen, dass nur ein äußerst geringer Anteil der in der Schweiz entdeckten Supernotes aus dem Fernen Osten komme (Aber vielleicht hat das mit IRA Terroristen, nordkoreanischen Agenten und Moskau zu tun…). Achja und man beklagt sich, dass die USA keinerlei Auskunft über ihre eigenen Ermittlungen gäben.

Nebel, Nebel, keine Antworten

Und wie so oft, muss ich auch diesen Artikel ohne letztendliches Fazit schließen. Produziert Nordkorea Supernotes? Keine Ahnung. Manches spricht dafür (ich meine warum sollten die USA so sehr darauf beharren, es gibt nun sicherlich genug Belastendes das gegen Nordkorea vorliegt. Muss man sich da auch noch so eine Räuberpistole zurechtkonstruieren?) und vieles dagegen, aber rausfinden kann man das letztendlich erst, wenn man die Maschine gefunden hat, die die besseren 100-$ Scheine ausspuckt.

Was man allerdings sagen kann, ist wie so oft, dass sich alle Seiten auf Halbwahrheiten und Gerüchte stützen und dass die Medien die Happen die sie hingeworfen bekommen dankbar aufschnappen, ohne auch nur eine Sekunde weiter zu recherchieren. Zur Lösung der Frage nach dem Supernotes-Produzenten trägt das Ganze allerdings nicht bei.

Auch deutsche Medien spielen Flüsterpost

Apropos Räuberpistolen aufschnappen, hier eine Doku die diese ganzen Halbwahrheiten und Gerüchte zu einer soliden und glaubwürdigen Geschichte macht und die erschreckenderweise in unserem Öffentlich Rechtlichen Fernsehen lief. Wird wohl nicht mehr lange dauern, bis man da auch ne Doku über die Geschichten der mobilen irakischen Chemiewaffenlabors sehen kann. Naja, wer die eher amerikanische Version der Supernotes sehen will, dem sei diese Dokumentation ans Herz gelegt.

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