Nordkoreanische Entwicklungshilfe: Von Reis bis Raketen

Werden die Worte Nordkorea und Entwicklungshilfe in einem Satz genannt, dann ist meist recht klar wo die Reise hingeht. Es wird darüber berichtet, dass China mal wieder so und soviele Milliarden/Millionen in dieses und jenes Projekt stecken will, um das Regime zu stützen, oder das Südkorea trotz der bösartigsten Drohungen wieder Desinfektionsmittel, Impfstoffe oder Nahrungsmittelhilfen nach Nordkorea verschifft, oder aber, dass das Atomprogramm des Landes eigentlich nur dazu diene, Hilfen vom Ausland zu erpressen. Kreativere Menschen stellen das Ganze auch mal gerne in den Zusammenhang mit dem Export von Raketentechnologie nach Iran, Nukleartechnologie nach Syrien oder Bunkerbauskills/-experten an Myanmar. Erstaunlicherweise scheint Nordkorea darüber hinaus aber über weitere Fähigkeiten und Technologien zu verfügen, die sich für den „Export“ eignen und in anderen Staaten nachgefragt werden. Da mir in letzter Zeit einige dieser Fälle aufgefallen sind, möchte ich im Folgenden drei Beispiele für technische Zusammenarbeit Nordkoreas mit anderen Staaten aufzählen, die zumindest nicht direkt mit Waffen und Gewalt in Verbindung stehen.

Niemand performt besser als Nordkoreaner..

Hanoi, die Hauptstadt der Sozialistischen Republik Vietnam feiert in Kürze ihr tausendjähriges Bestehen. Und wie geht man in (den paar verbliebenen) sozialistischen Staaten ein großes Fest? Genau, durch spektakuläre Massenperformances! Vielen werden da die letzten olympischen Sommerspiele, zu denen die Chinesen nicht schlecht aufgetragen haben, einfallen. Noch dicker kann allerdings, wenn es um Massenperformances geht, Nordkorea auftragen. Die veranstalten mit dem Arirang-Festival alljährlich das größte und (wenn auch in vielerlei hinsichtlich bedenkliche, so doch) spektakulärste Massenspektakel der Welt. Daher scheinen sich die Veranstalter der Geburtstagsparty für Hanoi vertrauensvoll an den Vizedirektor der der Abteilung Arirang-Festspiele des nordkoreanische Kultusministeriums, Song Pyong-won, gewandt zu haben. Und natürlich sind die Nordkoreaner ihrem sozialistischen Bruderstaat zur Hilfe geeilt, indem sie eine Delegation unter Leitung des genannten Song, die weiterhin aus Experten in den Bereichen „mass performance, stage design sound and lightning“ bestand, entsandten. Unter anderem sollen im Rahmen der Choreographie Bilder und Wörter mittels farbiger Kartons dargestellt werden. Diese Technik liefert auch beim Arirang Festival immer wieder beeindruckende Bilder.

Die „Videowand“ an der Rückseite hat etwa 20.000 Pixel, die zu nicht-Arirang Zeiten auch als Schulkinder verwendet werden können.

Ob der Iran auch auf diesem Bereich auf nordkoreanische Entwicklungshilfe zurückgreift bleibt unklar.

Herausragende Erfahrungen im Bau von Monumentalstatuen

Auch das nächste Beispiel für nordkoreanische Entwicklungshilfe bezieht sich eher auf die kulturellen Errungenschaften des Landes. In Dakar der Hauptstadt des Senegals baute Nordkorea das „African Renaissance Monument“. Präsident Wade machte sich einerseits die niedrigen Arbeitskosten der nordkoreanischen Arbeiter, vor allem aber die jahrzehntelange Erfahrung Nordkoreas im Bau monumentaler Statuen, zu Nutze. Die etwa 50 Meter hohe Statue soll Senegal zum Spottpreis (zumindest für so ne große Statue, ob das Geld nicht trotzdem sinnvoller hätte verwendet werden können ist fraglich) von 17 Millionen Pfund bekommen haben. Auch in anderen Ländern haben sich nordkoreanische Arbeiter um den Bau ansehnlicher Monumente verdient gemacht. So zum Beispiel in Namibia eine Statue eines Soldaten mit einer AK-47 (im Volksmund auch Kalaschnikow); aber vielleicht war das ja auch der Bonus beim Kauf der Millionsten Waffe aus nordkoreanischer Produktion…

Die können nicht nur nutzlos: Nordkoreanische Reisanbautechnologie erobert die Welt

Aber Nordkorea kann natürlich noch mehr als nur die guten alten (böse Zungen sagen: „überkommenen“) sozialistischen Traditionen zu pflegen. Gestern habe ich einen recht interessanten Artikel auf der Seite der staatlichen malaysischen Nachrichtenagentur Bernama gefunden. Dieser berichtet davon, dass malaysische Bauern bald mit Hilfe nordkoreanischer Technologien in der Lage sein werden, kommerziell Reis anzubauen. Das Projekt, dem fünf nordkoreanische Experten beratend zur Seite stehen, soll auf einem 263 Hektar großen Gebiet umgesetzt werden. Die (nicht näher) genannten nordkoreanischen Technologien würden auch in anderen Ländern wie China, Uganda und den Philippinen erfolgreich angewandt. Auf diesem Gebiet scheint Nordkorea also gewisse Fähigkeiten zu besitzen, die jedoch leider nicht ausreichen, um die eigenen Leute ausreichend zu verpflegen. Vielleicht sollten sich die fünf Experten lieber um den Reisanbau in Nordkorea kümmern. Stattdessen könnte dann der Bautrupp der im Senegal fertig ist, in Malaysia ein monumentales Reiskorn bauen (In Nordkorea dürfte der Bedarf an Monumentalstatuen vermutlich etwas geringer sein, als derjenige an ausreichend Nahrung!) und alle währen zufrieden!

Die Moral? Keine Moral!

Und die Moral von der Geschicht? Scheinbar verfügt Nordkorea durchaus über ein paar Fähigkeiten, die für andere Länder interessant sind, ohne dass man Menschen damit töten könnte. Die Frage der Nützlichkeit für die Menschen bleibt zwar zumindest bei zwei von drei Fällen offen, aber mein Gott was ist den Menschen schon nützlich? Ob es den nordafrikanischen Ländern wohl mehr nützt, wenn wir ein riesiges Solarkraftwerk in ihre Wüst pflanzen und den gewonnen Strom unter dem Mittelmeer durch nach Europa bringen? Aber hey, wir sind die Guten!

Notification of absence.

Achja, eh ich es vergesse. Ich werd mal n paar Tage in Urlaub sein. (Wer wird sich schon die Chance entgehen lassen, die größte Kuckucksuhr der Welt in Natura zu sehen.) Also macht euch keine Sorgen, ich bin weder gestorben, noch reich und berühmt geworden. Und sollte Nordkorea explodieren oder den Weltfrieden ausrufen, dann gibts ja jede Menge andere Quellen mit mindestens genauso zweifelhafter Seriosität, aus denen ihr eure Infos beziehen könnt. Bis die Tage…

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