Traumwelten auf Zelluloid: Nordkorea und der Film

So, da bin ich wieder in alter Frische und freue mich nochmal in die Tasten hauen zu können. Die größte Kuckucksuhr der Welt hab ich leider (aufgrund schneeverwehter Straßen) nicht gesehen, dafür aber das Geburtshaus des Erfinders der Dauerwelle. Meiner Meinung nach fast gleichwertig.

Aber das alles hat natürlich nichts mit Nordkorea zu tun und daher kehre ich zügig zum Thema zurück. Ich werde keinen lauwärmen Kaffee aufwärmen und das berichten, dass ihr eh schon wisst, sondern im hier und jetzt einsteigen. Und hier und jetzt bin ich auf ein sehr interessantes Interview gestoßen, dass es auf korientation zu lesen gibt. Das Tolle daran ist, dass es mal eine Materie abseits der ausgetretenen Nordkorea-Pfade behandelt, nämlich nordkoreanisches Kino. Sun Ju-choi, die sich auch beruflich mit dem Thema „Film“ befasst, gibt hier Einblicke in die Entwicklung des nordkoreanischen Kinos und die Verbindungen zwischen nordkoreanischem Film und Juche Ideologie. Wer also mal einen Ausschnitt der nordkoreanischen Gesellschaft sehen möchte, der sich nicht vorrangig mit Hunger, Unterdrückung und Gefangenenlagern beschäftigt, dem sei das Interview sehr ans Herz gelegt.

Dem Einen oder Anderen mag das Thema Film und Nordkorea etwas abwegig erscheinen, denn, so könnte man denken, etwas Anderes als Propaganda wird da wohl kaum rumkommen. Allerdings stößt man, beschäftigt man sich etwas näher mit der Materie recht schnell auf einige interessante Details. Viele werden vermutlich des Öfteren die Storys über Kim Jong Ils riesiges Filmarchiv gehört haben und je nach Quelle noch zusätzlich das schlüpfrige Detail, dass er besonders von amerikanischen Pornos angetan sei, weil seine erotischen Interessen vor allem Blondinen gälten. Ich weiß es nicht besser, daher halte ich mich mit der Aussage das (besonders das mit den pornografischen Blondinen) sei in großen Teilen Quatsch, mal zurück, aber diese Idee sollte man meiner Meinung nach nicht außer Acht lassen. Eine gewisse Affinität Kim Jong Ils zum Film ist nämlich tatsächlich nicht zu leugnen.

Hierfür ist unter anderem sein in relativ frühen Jahren erschienenes Werk „Theory of Cinematic Art“ (1973) ein Beleg. Generell beschäftigte sich Kim in seinen jüngeren Jahren ausgiebig mit dem Film und wirkte aktiv an der Umgestaltung des nordkoreanischen Filmsektors mit (darf man dem biographischen Werk „Kim Jong Il. Brief History“ (1998) glauben. (Wer nen guten Virenschutz hat, oder an das Gute im (nordkoreanischen) Menschen glaubt, kann das Ganze hier runterladen.)) Resultate dieser Beschäftigung waren unter anderem die Mitarbeit an Filmen wie „Five Guerilla Brothers“ und der filmischen Adaption der Oper „Sea of Blood“. Allerdings hatte Kims Leidenschaft auch etwas handfestere (und eher dem „Nordkorea-Style entsprechende) Auswirkungen wie die Entführung der südkoreanischen Schauspielerin Choe Eun-hee und des Regisseurs Shin Sang-ok 1978 in Hong Kong. Die beiden sollten dem nordkoreanischen Film auf die Beine helfen, doch nach achtjähriger „Gasttätigkeit“ in Pjöngjang gelang ihnen 1988 in Wien die Flucht. Weniger obskure Filmförderungsmaßnahmen stellen die Gründung einer Filmschule in Pjöngjang, besonders aber das „Pyongyang International Filmfestival“, das 1987 das Licht der (Kino-)Welt erblickte und seit 1990 alle zwei Jahre (gewöhnlich im September) stattfindet, dar. Das Festival zeigt mittlerweile auch westliche Filme, die dann allerdings (natürlich) einen „systemneutralen“ Charakter haben. Insgesamt sahen sich im Rahmen dieses Events im Jahr 2008 120.000 Besucher die über hundert Filme aus über 40 Nationen (auch aus Deutschland, vielleicht hat der Eine oder Andere noch „Die Fälscher“ in Erinnerung. Den, aber auch andere international erfolgreiche Filme wie „Kick it like Beckham“ konnten sich interessierte Nordkoreaner anschauen) in den Kinos Pjöngjangs an (Das größte fasst übrigens, für ein Kino durchaus respektable, 2.000 Personen). Lesenswerte und interessante Berichte zum Pjöngjang Filmfestival 2008 gibts hier und hier. Die offizielle (und nicht besonders informative) Homepage, die das Festival übrigens als das Zehnte und nicht als das Elfte bezeichnet (vermutlich wird hier das von 1987 aus der Rechnung gestrichen) findet ihr hier.

Das solls erstmal hierzu gewesen sein, aber vielleicht werde ich mich zu gegebenem Anlass nochmal etwas näher mit dem nordkoreanischen Kino befassen, schließlich steht ja auch dieses Jahr wieder ein Festival auf dem Programm…

Eine Antwort

  1. Einen esrten Überblick über Filme aus Nordkorea bietet wikipedia:
    http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_North_Korean_films
    Hier erhält man schon Hinweise auf Gemeinschaftsproduktionen mit Italien resp. Frankreich (1988) oder Südkorea (2005), deren Inhalte nicht gerade der politischen Kultur Nordkoreas entsprechen.

    oder bei http://www.imdb.com/country/kp
    über russisch-nordkor. Filmprojekte

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