Nordkorea: Hochrangiger Kader nach gescheiterter Währungsreform (vermutlich) erschossen

„Irgendjemand muss den Kopf dafür hinhalten“ oder „da werden Köpfe rollen“, solche leeren Phrasen gibts ja auch in Deutschland oft genug zu hören. Während das hier allerdings nicht mehr heißt, als dass der Betreffende seine Zukunft in totlangweiligen Aufsichtsratssitzungen verbringen muss, oder zu völlig überteuerten Tarifen überall Vorträge zu dem halten darf, weswegen er eigentlich von der politischen Bühne gestupst wurde, nimmt man das Ganze in Nordkorea wörtlicher.

Yonhap berichtet, dass Pak Nam-gi, der ehemalige Direktor des Finanz- und Planungsamtes des Zentralkomitees der Partei der Arbeit Koreas, kürzlich sprichwörtlich seinen Kopf für die weitestgehend gescheiterte Währungsreform vom Dezember vergangenen Jahres hinhalten musste. Während schon im Februar Gerüchte aufgekommen waren, dass Pak seine politischen Positionen verloren habe und seit Mitte Januar von der Bildfläche verschwunden sei, verdichten sich nun die Vermutungen, er sei verhaftet, vielleicht sogar öffentlich exekutiert worden. Pak ist kein unbedeutender Sündenbock. Noch im vergangenen Jahr war er ein vielgesehener Teilnehmer bei der Dauertournee Kim Jong Ils durch die Stahlwerke und Schweinefabriken seines Reichs. Vermutlich werden die beiden da auch über mögliche Reformen zur Ankurbelung der Wirtschaft gesprochen haben, aber davon scheint Kim nun nichts mehr zu wissen. Angeblich wurde Pak vorgeworfen, die Wirtschaft Nordkoreas ruiniert, die öffentliche Meinung negativ beeinflusst und die Vorbereitung der Nachfolge Kim Jong Ils in Gefahr gebracht zu haben. Tja, Politik ist eben ein schmutziges Geschäft, zumindest in Nordkorea.

Soweit ich mich erinnern kann, wäre dies die erste Exekution eines wirklich hochrangigen Offiziellen seit der von Suh Kwan-hee 1998. Dieser wurde für die Hungerkatastrophe von 1994 – 1998 verantwortlich und dementsprechend zum Sündenbock gemacht. Die Tatsache, dass ein solch hochrangiger Politiker geopfert wird verdeutlicht, wie kolossal die Währungsreform danebengegangen ist. Um den öffentlichen Unmut etwas zu besänftigen war kein anderes Mittel als dieses mehr zur Hand. Ich gehöre nicht zu denen, die das Regime in Pjöngjang nun bis in seine Grundfesten erschüttert sehen, allerdings ist dieser Fehlschlag auch nicht ganz unbedeutend. Das Regime muss nun in anderen Bereichen Erfolge erzielen. Ob das bei den Sechs-Parteien-Gesprächen sei, deren Vorverhandlungen ja noch immer feststecken, oder bei der Gewinnung ausländischer Investoren, wo sich Nordkorea in der letzten Zeit ja allem Anschein nach gut geschlagen hat ist relativ egal. Aber ein permanentes Scheitern bei der Verbesserung der Lebensumstände der Bevölkerung bei gleichzeitiger Austrocknung der Finanzzuflüsse aus externen Quellen wird es dem Regime zunehmend erschweren, seine Handlungsfreiheit zu bewahren. Daher sind ein Fortschreiten des Sechs-Parteien-Prozesses und ein weiteres aktives Werben um ausländisches Kapital nicht unwahrscheinlich.

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