Kim Yong-nam auf Bildungsreise durch Afrika: Von Wunderheilern, Monumentalstatuen und Familienclans

Die KCNA meldet, dass Kim Yong-nam (Der Autor von North Korea Leadership Watch bietet echt gut gemachte Kurzbiographien zu allen wichtigen nordkoreanischen Führungspersonen an, wenn ihr sowas sucht, kann ich euch nur raten hier reinzuklicken), das protokollarische Staatsoberhaupt Nordkoreas (für den Ewigen Präsidenten ist die Erfüllung seiner Amtspflichten ja seit etwa 16 Jahren recht schwierig), am vergangenen Samstag eine Reise nach Afrika begonnen hat. Auf dem Reiseplan stehenden Staaten sind Gabun, Senegal und Gambia. Worum es bei den Visiten konkret gehen soll hat die KCNA natürlich nicht vermeldet. Schaut man sich aber die politischen Umstände in den drei Ländern an, kann man sich vorstellen, dass es hier zu einem angeregten Austausch von know-how auf verschiedenen Gebieten kommen könnte.

Senegal: Monumentalstatuen und Nachfolgefragen

Über die Verbindungen zwischen dem Senegal und Nordkorea habe ich ja vor einiger Zeit schonmal kurz berichtet. Hier nutzt Präsident Abdoulaye Wade die Fertigkeiten nordkoreanischer Arbeiter im Bau von Monumentalstatuen bei der Errichtung des „Monument de la Renaissance africaine“, einer 20 Millionen Dollar schweren und 50 Meter hohen Statue. Dem 83 jährige Wade, der zwar demokratisch legitimiert ist, wird zunehmend die um sich greifende Korruption und eine autoritäre Amtsführung vorgeworfen. Er selbst scheint allerdings recht überzeugt von seinen Leistungen und hat den Willen bekundet, im Jahr 2012 erneut für eine fünfjährige Amtszeit antreten zu wollen. Er wird mit den Worten zitiert: „I do not know of any African country doing better than I am“ (Das nenn ich mal ein gesundes Selbstvertrauen). Kritiker werfen ihm weiterhin vor, er wolle sein Amt nach seinem Abgang an seinen Sohn weiterreichen, der zurzeit Minister in seiner Regierung ist.

Da wird sich Kim Yong-nam be seinem Besuch wohl an den monumentalen (im wahrsten Sinne des Wortes) Leistungen seiner Landsmänner freuen und außerdem noch Erfahrungen über die Vorbereitung der Amtsnachfolge von Söhnen austauschen können.

Gabun: Wie man als Sohn nachfolgt und siche mächtige Patrone warmhält

Letzteres Thema könnte auch beim Besuch in Gabun auf der Agenda stehen. Schließlich hat es Ali Bongo, der jetzige Präsident des Landes geschafft, die Nachfolge seines Vaters anzutreten, nachdem diesem das Kunststück gelungen war, 52 Jahre lang den Staat zu führen und eines dann eines natürlichen Todes zu sterben (viele Staatschefs des Kontinents konnten nur auf eine wesentlich kürzere Amtszeit zurückblicken bevor meuternde Militärs o.ä. ihrem Leben ein Ende setzten). Außerdem hat Ali Bongo in seiner kurzen Amtszeit schon Erfahrungen gesammelt, wie man nach dem Amtsantritt mit widerständen im Volk umgeht. Neben diesem Wissen, könnte Kim auch die Erfahrungen der Herrschenden in Gabun anzapfen, wenn es darum geht mit mächtigen Patronen umzugehen. Schließlich ist die erstaunliche Stabilität des Landes nicht zuletzt auf die handfeste Stützung Frankreichs zurückzuführen.

Auch hier gibts also einiges zu lernen, wie zieht man eine erfolgreiche Nachfolge durch, knüppelt den Widerstand danach nieder und hält sich gleichzeitig einen mächtigen Freund warm, der für die Sicherheit des Regimes garantiert.

Gambia: Regieren mit eiserner Faust und Medizinische Versorgung per Wunderheilung

Nicht vergessen bei der Reise darf man natürlich Gambia. Dieses kleine aber feine (Ansichtssache! Im Notfall kann man das „feine“ durch ein „abgefahrene“ ersetzen, aber das würde mir die Redewendung versauen) Land, von dem wohl nur diejenigen etwas gehört haben, die etwas genauer die Landkarte Westafrikas studiert, oder sich im Kuriositätenkabinett exzentrischer Regierungschefs umgesehen haben, hat einiges zu bieten für Kim Yong-nam. Seit einem unblutigen Putsch im Jahr 1994, nachdem Präsident Yahya Jammeh durch Wahlen ins Amt kam, ließ er sich zweimal auf diesem Wege bestätigen, wobei es allerdings angeblich zu Unregelmäßigkeiten kam. Jammeh regiert mit eiserner Faust und wird für die Einschränkungen der Freiheitsrechte in seinem Land stark kritisiert. Interessanter sind aber seine persönlichen Gaben (in einigen Bereichen scheint er sogar mehr Wunderfähigkeiten als Kim Jong Il zu besitzen!), die ihm erlauben zweimal in der Woche mit Hilfe eines geheimen Mittels AIDS zu heilen. Auch bei der Lösung wirtschaftlicher Probleme verfügt er über weitaus elaboriertere Methoden als die Führung in Nordkorea. So erkannte er im Jahr 2003, das wirtschaftliche Schwierigkeiten daher rührten, dass ein Oppositionspolitiker an einer Hauptstraßenkreuzung den Kadaver eines Löwen und ein Fass mit Palmöl vergraben hatte, um so die Wirtschaft des Landes zu ruinieren. Nordkorea dagegen ließ eine Währungsreform vom Sohn eines Kulaken durchführen, der natürlich dasselbe im Sinn hatte (Also Merke: Jammeh erkennt die Feinde der Wirtschaft seines Landes, in Nordkorea dürfen sie Reformen durchführen).

Auch hier könnte es zu einem Erfahrungsaustausch kommen. Jammeh kann von Kim lernen, wie man das Land mit einer noch eiserneren Faust regieren kann, Kim von Jammeh, wie man sein Gesundheitssystem per Wunderheilung verbessert (ach wie passend, dass er auch den Gesundheitsminister im Gefolge dabei hat) und Feinde der Wirtschaft frühzeitig identifiziert oder, um mal ganz spekulativ was unterstellen zu wollen, sich kreative Gründe einfallen lässt, um Leute zu diskreditieren.

Beste Aussichten für eine erfolgreiche Bildungsreise…

Sieht so aus, als könnte das eine interessante Bildungsreise für Kim Yong-nam werden und als würde er mit jeder Menge neuem Wissen nach Pjöngjang zurückkehren können. Und sollte natürlich einer der Staaten Interesse an monumentalen Statuen, Tunneln oder Waffen zeigen, dann bin ich mir sicher, dass beide Seiten ins Geschäft kommen werden…

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