„Ideologische Kriegführung“: Hwang Jang-yop beim CSIS über Wege zum Wandel in Nordkorea

Update (06.04.2010): Wie versprochen gibts hier den Link zum Bericht von CSIS zum Vortrag Hwang Jang-yops. Es gibt nen kurzen Text dazu und was vielleicht etwas interessanter ist, eine Audioaufzeichnung der Veranstaltung. Ich hatte zwar noch keine Zeit es anzuhören, aber es dürfte sicherlich interessant sein.

Ursprünglicher Beitrag (01.04.2010): Hwang Jang-yop, der wohl prominenteste Nordkoreaner der sich bisher aus dem Land abgesetzt hat, hat gestern bei CSIS seine Sicht der Dinge zum Besten gegeben. Hwang galt als Chefideologe des Regimes in Pjöngjang und als Mentor Kim Jong Il, bevor er 1997 nach einer spektakulären Flucht dem Land den Rücken kehrte. Seitdem ist Hwang die wohl bedeutendste Figur der nordkoreanischen Dissidenten und setzt sich von Seoul aus für die Menschenrechte in seinem Vaterland und für politische Veränderungen ein. Seinen Aussagen und Einschätzungen wird noch immer großes Gewicht beigemessen, da nur wenige die inneren Strukturen des Regimes so gut kennen wie er. Allerdings ist seit 1997 eine Menge Wasser den Yalu runter geflossen und daher bin ich mitunter verwundert, dass manche Medien seine Aussagen so aufnehmen, als hätte er vorgestern Pjöngjang verlassen. Weiterhin bin ich manchmal erstaunt, dass ihm über zwölf Jahre nach seinem Seitenwechsel noch immer Details einfallen, die er bis dahin scheinbar vergessen hatte zu erwähnen (ihr erinnert euch vielleicht noch an die Fluchttunnel-story vom vergangenen Jahr, nach der Kim bei einer politisch instabilen Lage über ein Tunnelnetz bis nach China fliehen könne.). Daher bin ich immer etwas vorsichtig bei dem was Hwang sagt, aber den Fakt, dass er die Mechanismen des Regimes und Kim selbst wahrscheinlich besser kennt, als jeder andere, der darüber schreibt dürfte wohl unbestritten sein.

Naja, jedenfalls ist der 87 jährige nach Washington gereist und hat auf einer Veranstaltung des CSIS gesprochen. Leider hat der Think Tank selbst noch keinen Bericht dazu veröffentlicht (ich werde das nachliefern wenns da ist), aber es gibt erste Medienberichte. Und ganz Nordkoreaner sprach sich Hwang für eine „ideologische Kriegsführung“ gegen Nordkorea aus. Mit Mitteln von Diplomatie, dem Markt und Ideologie sei es möglich, die Herrschaft des Regimes in Pjöngjang zu beenden, nicht durch Gewalt. Man solle dazu den Fokus der Aktivitäten auf die Bevölkerung richten, nicht auf das Regime. Zu schneller Wandel im Norden berge große Gefahren und solle daher vermieden werden. Außerdem brachte er die großartige Erkenntnis an den Mann, dass es sich bei den regelmäßig ausgestoßenen Kriegsdrohungen gegen Südkorea und die USA nur um Rhetorik, um einen Bluff, handle. Interessant auch die Anmerkungen zur Sicht der USA und China durch Kim Jong Il. Hier sagte Hwang, dass Kim in privater Runde nie annähernd so bösartig über die USA gesprochen hätte, als das bei Betrachtung der nordkoreanischen Propaganda zu erwarten gewesen wäre. Vielmehr würde er über China schlecht sprechen.

Scheint eine recht gemischte Veranstaltung gewesen zu sein. Während ich die Aussagen zum Wandel in Nordkorea fast eins zu eins unterschreiben würde, kommt mir die Geschichte mit Kims Meinung zu China und den USA n bisschen fragwürdig vor. Das könnte ebenso ne kleine Kampagne sein, um das Vertrauen des wichtigsten Partners in Pjöngjang zu erschüttern. Aber wie gesagt, interessant scheints trotzdem gewesen zu sein.

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