Amt für öffentliche Sicherheit zu Ministerium „befördert“. Verschiebungen in der Machtbalance?

Update (08.06.2010): Ich habe eben (erst) gesehen, dass sich North Korean Leadership Watch auch recht ausführlich mit dem Thema beschäftigt hat. Zu finden ist der Beitrag hier.

Ursprünglicher Beitrag (07.06.2010): Im Dong-A Ilbo habe ich gestern einen Artikel gelesen, den ich interessant finde, ohne allerdings genau zu wisse, was die Implikationen der Inhalte sind. Demnach wurde in einem Beitrag der nordkoreanischen Nachrichten das ehemalige Amt für öffentliche Sicherheit (Public Security Agency) nun als Ministerium bezeichnet. Es wird spekuliert, dass Kim Jong Il seinen Einfluss ausgeweitet haben könnte, indem er das Amt der Kontrolle des Kabinetts entzogen hat und seiner eigenen direkten Kontrolle unterstellt hat. Das würde Sinn machen, aber nur etwas.

Für mich könnte dies auch ein weiteres Zeichen einer Machtverschiebung innerhalb des Regimes sein. Die Kompetenzen der unterschiedlichen Institutionen die für Sicherheit in Nordkorea sorgen sind nicht klar voneinander abgegrenzt. Oft werden ähnliche oder die gleichen Aufgaben von unterschiedlichen Organen erfüllt. Daraus ergibt sich einerseits eine Konkurrenzsituation zwischen diesen Organen, andererseits aber auch (nicht zuletzt bedingt durch diese Konkurrenz) eine Art Machtbalance. Keine der Institutionen kann es wagen gegen die Herrscher zu arbeiten, da die konkurrierenden Gruppen dies ausnutzen können, um sich bei den Machthabern beliebt zu machen und Einfluss zu gewinnen. Diese Balance scheint relativ gut austariert aber fragil zu sein. Kommt es zu Verschiebungen innerhalb dieser Balance, wie eine  formelle Aufwertung einer Institution es signalisieren würde, ist dies daher meiner Meinung nach ein Zeichen für die Umgestaltung des Machterhaltungssystems im größeren Rahmen. Die Public Security Agency unterstand dem Kabinett, also dem zivilen Teil des nordkoreanischen Regimes. Eine Aufwertung dieser Institution zu einem Ministerium könnte daher als Machtgewinn der zivilen Seite auf Kosten des Militärs gesehen werden, dass ebenfalls Aufgaben in der Wahrung der öffentlichen Sicherheit wahrnimmt. Dies würde weiterhin mit der von mir kürzlich beschriebenen möglichen graduellen Abkehr von der Songun (Militär zuerst) Politik zusammenpassen. Aber wie immer muss ich dazu sagen, dass ich mich gerade sehr weit aus dem Fenster lehne. Also lasse ich es damit am besten gut sein, bevor ich total ins Reich der Spekulation und des Gerüchts abdrifte…

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2 Antworten

  1. Interessante Nachrichten, in der tat. Danke für den LInk….unglaublich, wie du die in den Weiten des Netzes ausgräbst

    • Vielen Dank für die Blumen. Aber ich müsste lügen wenn ich behaupten würde, dass das wirklich viel Arbeit ist. Ich benutze eigentlich nur ein paar Seiten, die ich immer recht schnell durchgeschaut habe. Ist eigentlich keine Zauberei, nur n bisschen Google nutzen, dann noch newsnow und Yonhap und im Zweifel noch n bisschen was Ergänzendes (je nach Bedarf einer von den Think Tanks, NK-News oder sowas). Aber mit den Sachen kannst du normalerweise innerhalb von 20 Minuten alles finden, was ich hier verlinke.

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