Die Luft wird dünner am Kumgangsan…Jedenfalls für Südkoreaner!

Am Donnerstag wurde via KCNA bekanntgegeben, dass Nordkorea die südkoreanischen Besitzungen im Bereich des Kumgangsan enteignen und die Touren in Zusammenarbeit mit einem (ungenannten) anderen Betreiber schnellstmöglich wieder aufnehmen wolle. In einem ersten Schritt soll das Familienzusammenführungscenter, das Feuerwehrgebäude und einige weitere Immobilien, die sich im Besitz des südkoreanischen Staates oder ihm indirekt (wie die südkoreanische Tourismusorganisation) verbundener Institutionen befinden, vom nordkoreanischen Staat übernommen werden. In weiteren Schritten sollen dann die, von privaten Unternehmen (allen voran natürlich Hyundai-Asan) betriebenen, Teile des Kumgangsan-Ressorts enteignet werden. Die Schuld für diese Zuspitzung schiebt die nordkoreanische Seite (wie das ja kaum anders zu erwarten war) der südkoreanischen Regierung zu. Dabei versucht man auch Rechtfertigungen im Rahmen des internationalen Rechts zu finden. Dementsprechend wird die Enteignung als Kompensation für entgangene Gewinne und bereitgestellt Leistungen beschrieben. Es sei in der internationalen Geschäftswelt Usus, dass Verträge die über längere Zeit nicht erfüllt würden ihre Gültigkeit verlören. Am Schluss der Erklärung  verweist Nordkorea außerdem noch darauf, dass

In case the south Korean conservative group continues mocking at the sincere efforts of the DPRK and defiling them and escalate confrontation with the DPRK quite contrary to the spirit of the joint declarations and the desire of the nation, we will reexamine the work in the Kaesong Industrial Zone in an all-round way.

Man scheint also gewillt, im Zweifel auch den zweiten großen Erfolg der Sonnenscheinpolitik Kim Dae-jungs, den Kaesong-Industriepark auf den Prüfstand zu stellen.

Über die exzessive Verwendung des Worts „puppet“

(An der Erklärung an sich, die in der üblichen KCNA-Rhetorik verfasst ist, hat mich besonders die exzessive Verwendung des Begriffs „puppet“ begeistert. Ich meine, natürlich, der Begriff ist auf jeden Fall die Nummer Eins unter den Bezeichnungen für die südkoreanische Regierung. Aber spätestens ab der achten Nennung hätte ich mir mal ein bisschen Abwechslung gewünscht. „Warmonger“ oder sowas, wobei das in dem Kontext natürlich nur begrenzt gepasst hätte.)

Schuldige und Opfer

Aber zurück zum Thema. Die südkoreanische Regierung protestierte natürlich gegen das Vorgehen und forderte Nordkorea auf, bestehende Probleme durch Dialog zu klären. Allerdings hat die Regierung in Seoul wenig bis gar nichts in der Hand, dass das Regime in Pjöngjang von seinem Vorhaben abhalten könnte. Dementsprechend klingen die Appelle des Vereinigungsministeriums recht hilflos. Der Verweis auf eine Problemlösung durch Dialog scheint die einzige Idee zu sein, die den Strategen im Ministerium eingefallen ist. In Anbetracht der Tatsache, dass eine solche Problemlösung während der letzten zwei Jahre nicht zu Stande kam, was wohl nicht allein der Position Nordkoreas, sondern auch der harten Haltung der Regierung um Lee Myung-bak zuzuschreiben sein dürfte, klingt ein Verweis auf Dialog doch recht hohl. Aber aus Sicht der Regierung in Seoul gibt es ja auch nicht viel zu verlieren am Kumgangsan und dementsprechend halten sich die Bemühungen bisher in Grenzen. Anders ist das dagegen für Hyundai Asan. Dem Konzern könnte eine Enteignung der Besitzungen mit einem Wert im dreistelligen Millionenbereich (US-Dollar) existentielle Schwierigkeiten bereiten. Daher hat Hyundai-Asan den Aufforderungen des Regimes in Pjöngjang, am Kumgangsan zu erscheinen Folge geleistet und dementsprechend fordert man (auch recht hilflos) nun weitere Gespräche. Gleichzeitig tauchen aber Gerüchte auf, dass ein chinesischer Investor das Projekt am Berg Kumgang weiterbetreiben könnte. Dies würde einerseits zu der starken Zunahme chinesischer Geschäftsaktivitäten in Nordkorea vor Allem seit Beginn des Jahres passen. Andererseits würde es helfen den Schritt Nordkoreas zu erklären, denn in diesem Fall dürfte man sich weitere Einnahmen aus dem Tourismusgeschäft versprechen, während man gleichzeitig etwas Druck auf die südkoreanische Seite entfalten könnte. Unterdessen fielen an der Börse in Seoul die Kurse südkoreanischer Unternehmen mit Geschäften in Nordkorea, da sich diese in einem Geschäftsumfeld bewegen, das so unsicher ist wie seit langem nicht mehr.

Kaesong als nächstes auf der Liste

Weiterhin von Bedeutung scheint der Verweis auf den Industriepark in Kaesong zu sein. Hier zeichnet die nordkoreanische Regierung eine „road-map“ darüber, was passieren wird, sollte die Regierung in Seoul nicht von ihrer harten Position abweichen. Zwar ist das ganze bisher nur eine Drohung, allerdings ist die Tragweite derselben wesentlich größer als die des Vorgehens am Kumgangsan. In Kaesong sind über 40.000 nordkoreanische Arbeiter angestellt und der Park dürfte für mehr südkoreanische Unternehmen von großer Bedeutung sein, als das Projekt am Kumgangsan. Gleichzeitig würden Einschränkungen hier aber auch die Einnahmen Pjöngjangs empfindlich beschneiden. Daher ist abzuwarten, ob es sich bei dieser Drohung nicht eher um einen Bluff handelt. Allerdings machen die Ereignisse am Kumgangsan eine solche Drohung recht glaubwürdig.  Es dürfte jedoch noch einige Zeit dauern, bis Nordkorea diese wahrmachen würde. Vorerst kann man die Schmerzen der südkoreanischen Unternehmen am Kumgangsan instrumentalisieren und abwarten, ob sich in Seoul etwas tut. Auch die Aufnahme der Sechs-Parteien-Gespräche würde es vorerst verhindern, dass sich in Kaesong entscheidendes tut. Also bleibt vorerst mal wieder nur Abwarten und Tee trinken.

Meinungen, Anregungen, Kritik? Alles gern gesehen!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s