Rachsucht? Hwang Jang-yop im Visier nordkoreanischer Agenten

Es gibt ja Menschen, denen tritt man besser nicht auf den Schlips weil sie ganz schön nachtragend sein können. Und hat man erstmal so einen Feind fürs Leben „gewonnen“ dann ist es besser, dem nicht wieder über den Weg zu laufen. Dumm nur, wenns sich dabei um einen Diktator handelt, der sich aufgrund seiner bewegten Vergangenheit um seinen guten Ruf eh keine Sorgen mehr machen muss.

Ein solch nachtragender Zeitgenosse scheint Kim Jong Il zu sein. Dies bestätigen zumindest die Berichte aus Südkorea, nach denen dort zwei nordkoreanische Spione verhaftet wurden, die mit einem delikaten Auftrag ins Land eingereist waren. Angeblich sollen KimYong-ho und Dong Myong-gwan nach Südkorea eingereist sein um Hwang Jang-yop zu töten. Hwang, der vor dreizehn Jahren aus Nordkorea floh, soll der Vordenker bei der Entwicklung der Juche-Ideologie gewesen sein und galt als Mentor Kim Jong Ils. Dass er die Flucht Hwangs nicht einfach so hinnehmen wollte hat Kim Jong Il schon zu früheren Anlässen belegt, zum Beispiel durch die Ermordung von dessen Exfrau in Südkorea, die auf Auftrag Pjöngjangs durchgeführt worden sein soll. Dass Kim Jong Il aber die Ermordung eines 87 jährigen (Der vermutlich eh nicht mehr ewig leben wird) befiehlt, zeugt davon, dass es hier ums Prinzip zu gehen scheint. Man könnte ja auf die Idee kommen, Kim Jong Il hätte sich über die Auftritte Hwangs in den USA und Japan geärgert und ihn deshalb ins Fadenkreuz genommen. Allerdings haben sich die beiden Mitglieder des militärischen Geheimdienstes bereits im vergangenen Jahr auf den Weg gemacht. Nach dem sie ein spezielles Training in China erhalten hatte (wie und warum auch immer in China) tarnten sie sich als nordkoreanische Flüchtlinge und kamen über Thailand nach Südkorea, wo ihre Scheinidentitäten bei Befragungen aufflogen. Und nachdem der für nordkoreanische Agenten obligatorische Selbstmordversuch fehlgeschlagen ist, befinden sie sich nun in ihrer misslichen Lage.

Naja, Kim Jong Il scheint auf jeden Fall Wert darauf zu legen, dass sich die Menschen, die für ihn Verräter sind, nie wieder sicher fühlen können. Es könnte natürlich auch sein, dass das Ganze im Zusammenhang zu der erwarteten Nachfolge seines Sohnes Kim Jong Un steht. Vielleicht wollte Kim seinem Sohn ein ähnliches Ereignis zu Beginn seiner Amtszeit ersparen. Und was wäre da wohl ein beeindruckenderes Signal an die eigenen Eliten gewesen nicht aus der Reihe zu tanzen, als die Ermordung Hwang Jang-yops.

Was genau die Motive der Aktion waren weiß wohl nur Kim selbst, ich für meinen Teil werde es jedenfalls künftig zu vermeiden versuchen, irgendwelche rachsüchtigen Despoten zu ärgern. Das dürfte mir zum Glück auch nicht besonders schwer fallen, weil ich mit keinem Mitglied dieser seltenen Spezies bekannt bin.

2 Antworten

  1. „ich für meinen Teil werde es jedenfalls künftig zu vermeiden versuchen, irgendwelche rachsüchtigen Despoten zu ärgern.“

    Du schreibst aber über sie (ihn)..!!!!!

    Gruß Micha
    und mach weiter🙂

    • Ich mache mir (wohl berechtigte) Hoffnungen, dass ihn das nicht interessiert.
      Daher gibts wohl keinen Grund, liebgewonnene Hobbys nicht weiter zu pflegen.

      Mfg,

      TobiD

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