Das „isolierte“ Nordkorea — Was ist das eigentlich?

Kim Yong-nam, Nordkoreas Nummer zwei und protokollarischer Staatspräsident hat momentan eine recht stressige Zeit. Nachdem er seine Minitournee durch einige Staaten West- und Zentralafrikas abgeschlossen hatte standen in Pjöngjang einige Besuche auf dem Programm, die so wichtig war, dass der Vertreter Kim Il Sungs auf Erden (jetzt wo ich das schreibe erinnert es mich an irgendetwas, aber keine Ahnung woran…) sich die Ehre gab. Unter anderem traf er sich in der letzten Woche mit einer kubanischen Militärdelegation und am selben Tag mit einer Gesandtschaft des iranischen Außenministeriums. Die Informationen über das Treffen sind naturgemäß recht knapp, allerdings meldete ungefähr zeitgleich die iranische Nachrichtenagentur IRNA, dass für den Sommer dieses Jahres ein Besuch Kim Yong-nams im Iran geplant sei, also sorgt man schonmal dafür, dass es Kim auch in der Zukunft nicht langweilig wird. Diese Woche gabs dann wieder ein Highlight, denn wenn sich schonmal ein Oberhaupt einer UN-Organisation nach Pjöngjang bemüht (und Geschenke bringt), weiß man dies dort auch entsprechend höflich zu behandeln und dementsprechend gabs ein offizielles Zusammentreffen zwischen den Beiden. Damit hatte Kim seine Pflichten in Pjöngjang gerade rechtzeitig erledigt um sich nach Shanghai zu begeben um dort der Eröffnungsfeier der Expo beizuwohnen. Schließlich hat Nordkorea in diesem Jahr die Chance genutzt, auch mal an einer Weltausstellung teilzunehmen (In recht exklusiver Nachbarschaft übrigens. Direkt neben dem nordkoreanischen Pavillon steht nämlich das Irans, naja aber beide Staaten sind ja nun auch schon seit annähernd zehn Jahren Nachbarn — auf der guten alten Achse des Bösen). Tja und wenn man in China ist, dann trifft man natürlich auch wichtige Leute, in diesem Fall den chinesischen Präsidenten Hu Jintao. Interessant ist in diesem Fall auch, dass Hu sich nach seinem Treffen mit Kim auch mit Südkoreas Lee Myung-bak zusammengesetzt hat. (Ob sich hier wohl eine Art Expo-Diplomatie entwickelt?).

Das alles ist natürlich nicht extrem spektakulär, aber irgendwie fand ich die vielen hochrangigen Aktivitäten Kim Yong-nams doch interessant. Warum? Eines der Worte, dass relativ häufig im Zusammenhang mit Nordkorea genannt/geschrieben wird ist „isoliert“. Da frage ich mich ja glatt: Wie genau definiert man isoliert? Ich hatte mir bisher immer so etwas wie einen starken Mangel an Kontakten zu anderen darunter vorgestellt. So ganz scheint das ja nicht zu stimmen. Man könnte das natürlich etwas verfeinern, indem man das Ganze um ein „von“ erweitert. zum Beispiel – „von gesellschaftlichen Kontakten“ – „vom World Wide Web“ – „von den internationalen Finanzmärkten“ – „von den USA und ihren Verbündeten“. Was ich damit sagen will? Naja, die in den Medien oft herangezogene Isolation nimmt meist Bezug auf eine Art zwischenstaatliche Isolation. Das ist aber die Art von Isolation, die man Nordkorea am wenigsten attestieren kann. Im Endeffekt ist der Begriff nicht mehr und nicht weniger als eine Leerformel, deren Aussage irgendwas ist wie: „Die Idioten versuchen tatsächlich ohne uns westlichen Mächte klarzukommen!“ und das zeigt wiederum einen gewissen Mangel an Reflektion und eine gewisse Überheblichkeit in unseren Breiten. Denn implizit sagt man damit natürlich auch: „Kontakte mit afrikanischen, amerikanischen und asiatischen Staaten zählen nicht.“ Warum die nicht zählen sollen, darüber kann man wohl nur spekulieren, aber es wird wohl was damit zu tun haben, dass es sich bei diesen Staaten um gesetzlose Schurken und Rabauken handelt. Ich möchte hier keinesfalls irgendeinen Staat und sein Vorgehen verteidigen, oft sind es Schurken und Rabauken. Allerdings stellt sich mir die Frage, ob eine solch arrogante Position es überhaupt möglich macht, eine Verständigung mit solchen (- es sind nicht gerade wenige -) Staaten zu ermöglichen. Gäbe es nur einen oder zwei davon, wäre es wohl keine Probleme, aber wenn die Zahl der Staaten, die wir als „isoliert“ betrachten (nicht von denen zu sprechen, die uns völlig egal sind, weil es winzige Fleckchen in Afrika sind) in die Dutzende geht, dann wird es eben kompliziert. Die Staatenwelt ist nun einmal recht heterogen und unter diesen Voraussetzungen von seinen eigenen Wunschvorstellungen auszugehen ist nicht zielführend. Natürlich kann man versuchen einen Schurken zu zwingen „gut“ zu werden (ich habe mich ja kürzlich schonmal mit den „Guten“, vor allem aber den „Bösen“ beschäftigt). Allerdings hat sich in den vergangenen Jahren recht eindrucksvoll gezeigt, dass dieses Vorgehen oft kontraproduktiv ist. Also mein kurzes Statement dazu: Zwang, als einziges Mittel der Politik führt zu nichts (achja: Abwarten und Teetrinken führt zu noch weniger).

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2 Antworten

  1. Ich meine NK entschied sich für eine Selbstisolation.

    Die Sunshine-Politik Südkoreas gilt als gescheitert, der Schweizer Entwicklungsdienst verläßt wegen mangelnder Perspektive, die Handel mit dem Ausland liegt darnieder, weil Nordkorea den Usus internationaler Rechtsgeschäfte nicht anerkennt.

    UN-Sanktionen und ähnliches haben da mehr Propaganda-Charakter; doch hauptsächlich die Selbstisolation hält die Regierung an der Macht.

    • Das ist das Bild, dass Nordkorea nach innen vermittelt, was aufgrund des Informationsmonopols auch nicht besonders schwer fällt. Mir ging es unter anderem um das Bild, das wir und vor allem unsere Medien von dem Land haben und vermitteln und um gewisse Unterschiede zur Realität. Denn so isoliert, wie man das glauben könnte, wenn man seine Informationen nur aus bestimmten Zeitungen und Zeitschriften bezieht ist das Land dann doch nicht. Das war mein – wenn auch bescheidener – Punkt.

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