Wer hat die Cheonan versenkt? Pjöngjang lässt Gegendarstellung veröffentlichen

Nachdem sich die Medien in Südkorea und darüber hinaus mehr und mehr auf Nordkorea als Verursacher des Untergang der Cheonan eingeschossen haben, jedes Wort, dass Südkoreas Regierung äußert auf die Goldwaage legen und überall Hinweise auf Nordkorea finden, es aber noch immer keine schlussendlichen Beweise gibt, hat Nordkorea nun eine Art Gegendarstellung veröffentlicht. Und zwar nicht über die üblichen Kanäle (dementsprechend fehlt auch der KCNA-Jargon in dem Begriffe wie „warmongers“ oder „puppet regime“ dominieren vollständig). Fast könnte man meinen, dass es sich bei dem Beitrag in der Asia Times Online (erscheinnt in Hong Kong) um einen ganz normalen Artikel handle, wenn, ja wenn da nicht der Inhalt wäre, der so gar nicht zu allem Anderen passt, dass bisher über den Cheonan-Zwischenfall veröffentlicht wurde. Es werden vier „Fakten“ aufgezählt die belegen sollen, dass Nordkorea nicht für die Katastrophe verantwortlich sein kann. Dann werden sieben „Fakten“ aufgezählt, die nahelegen, die Cheonan sei im „friendly fire“ gesunken. Der Schlussabsatz der mit dem guten Rat beginnt, doch eine alte Mine für die Katastrophe verantwortlich zu machen verfällt dann doch wieder etwas in den KCNA-Stil (Aber lange nicht mehr gehört von dem guten alten „sea of fire“).

The best solution is for the South Korean government team investigating the ship disaster to find an old mine responsible. It is easy to falsely accuse North Korea, but public pressure will mount for military reprisals against North Korea, which will promptly react by turning Seoul into a sea of fire in less than five minutes. North Korea would not flinch from using nuclear arms in the event of US involvement.

Natürlich ist der Autor nicht irgendein x-beliebiger Journalist, der sich eine andere Meinung gebildet hat. Nein, Kim Myong-chol hat einen Doktortitel von Nordkoreas academy of social sciences und trat schon öfter als „Sprachrohr Kim Jong Ils“ in Erscheinung. Naja, jetzt kennt man zumindest die Meinung der anderen Seite (oder das was die Meinung der anderen Seite wäre, hätte man nicht doch die Cheonan versenkt (aber wer weiß es)).

Kurz will ich mich noch dazu auslassen, warum ich mich so beharrlich weigere der Meinung der meisten Medien zu folgen und zu sagen: „Ja, das muss Nordkorea gewesen sein.“ Irgendwie erinnert mich die Berichterstattung an das, was die Medien im Vorfeld des Irakkrieges produziert haben (ich will jetzt nicht sagen, dass die Berichterstattung unbedingt als Kriegsvorbereitung dienen soll, also  nicht falsch verstehen). Es gibt keine Fakten, keine Beweise, sondern nur irgendwelche schwammigen Aussagen von Amtsträgern die dann in griffige Überschriften umgeformt werden oder irgendwelche anonymen Aussagen von ominösen Informanten. Was bis jetzt öffentlich gemacht wurde, lässt noch keine Schlüsse zu. Trotzdem werden welche gezogen. Es werden einfach Geschichten konstruiert. Vor dem Irakkrieg war ich auch sicher, dass es da Massenvernichtungswaffen und wahrscheinlich sogar irgendwelche Terrorverbindungen geben würde. Aber wir wissen ja wie es wirklich aussah. Wenn ein Bericht veröffentlicht wird, der harte Beweise gegen Nordkorea liefert lasse ich mich überzeugen, aber ansonsten bleibe ich misstrauisch. (Obwohl das mit den Berichten ja auch so ne Sache ist. Ich kann es heute noch nicht wirklich fassen, was für eine Nummer die US-Regierung vor dem Irakkrieg vor dem UN-Sicherheitsrat hingelegt haben: Stichwort fahrbare Chemiewaffenlabors können überall in den USA zuschlagen. Mein Gott, eigentlich wusste doch spätestens dann jeder, dass das nur eine äußerst billige Lüge war. Irgendwie nehme ich das heute noch persönlich.) Tja, daher sollte man eigentlich wohl nur das glauben, was man selbst gesehen hat.

3 Antworten

  1. Wer hat deutsche Torpedos?
    Wer hat deutsche U-Boote ? >> geschenkt bekommen !
    Wer fuhr vor ein paar Wochen durch den Suez Kanal ?
    Wer hat seinen amerikanischen freunden eine gefallen getan, Fragen die man sich stellen sollte!

    Und ! Wer übt uneingeschränkte Solidarität

    • Naja, Fragen zu stellen ist ja grundsätzlich immer was Gutes. Mache von denen kann ich auch eindeutig beantworten (wobei vor ein paar Wochen vermutlich recht viele Boote durch den Suez Kanal gefahren sind und definitv kein Staat einem anderen gegenüber uneingeschränkte Solidarität übt). Aber glaube ich kaum, dass die Fragen irgendwas mit dem Untergang der Cheonan zu tun haben.

  2. Na ja, dass die Medien spekulieren ist klar. Ganz im trüben fischen die trotzdem nicht. Es deutet einfach vieles Richtung Nordkorea.
    Erstaunlich finde ich, dass sich die südkoreanische Regierung bisher weigert eindeutig Stellung zu beziehen. Dieses rumgeeiere irritiert mich irgendwie.

    Vor dem Irak Krieg hat, wie mittlerweile bewiesen scheint, die Bush Administration gezielt Falschmeldungen verbreitet (wie oben angesprochen), die dann von den Medien mehr oder weniger ungeprüft aufgenommen und verbreitet wurden.

    Der aktuelle Fall ist anscheinend anders gelagert (nach meinem empfinden). Hier ist es nicht die Regierung die versucht ihre Sicht der Dinge unter die Leute zu bringen, sondern die Medien spekulieren aus eigenem Antrieb und halten sich nicht so auffällig zurück, wie es noch die südkoreanische Politik tut.

    Abwarten, es bleibt spannend

    tollstoii

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