Nordkorea will seine Wirtschaft schmieren: Öldeal mit irisch-britischem Unternehmen

Nachdem mir alles was mit Schiffen, Torpedos und großer Politik zu tun hat langsam zum Hals raushängt, bin ich froh, dass es nochmal was zu schreiben gibt, das relativ weit ab ist davon (obwohl man auch hier keinen festen Boden unter die Füße bekommt, sondern sich weiterhin auf dem schwankenden Untergrund der Meere rund um Korea bewegt – sozusagen). Nordkorea hat nämlich in der vergangenen Woche mit der irisch-britischen Ölfirma Aminex einen „Product Sharing Contract (PSC)“ mit Nordkorea geschlossen, dass über zehn Jahre laufen soll und ein Gebiet von über 50.000 Kilometern an der Ostküste betrifft. Das Gebiet umfasst sowohl Tiefsee als auch Küstengewässer. Und nimmt man es ganz genau hat nicht Aminex den Kontrakt geschlossen, sondern dessen Tochter Korex Ltd., von der Aminex im Vorfeld des Abkommens außerdem 50 % an die Chosun Energy Pte Ltd., die in Singapur gelistet ist, abgetreten hat. Letztere Firma ist ein recht unbeschriebenes Blatt, gehört aber Angaben von Aminex zur Folge zur Triton Energy group of companies, zu der man ebenfalls eigentlich nichts findet (Es gibt ne kanadische Firma die Triton heißt und im Ölgewerbe ist, aber die scheint nur in Kanada aktiv zu sein und es gab eine amerikanische Firma mit dem Namen, die ging aber scheinbar 2001 in einem anderen Konzern auf), aber seis drum, Aminex wird wohl wissen wo die hingehören (obwohl michs immer irritiert, wenn man so garnichts finden kann). Das PSC sieht eine gemeinsame Suche nach Ölvorkommen mit der staatlichen Korea Oil Exploration Company (KOEC) vor. Sollten Lagerstätten entdeckt werden bestände die Möglichkeiten größere Konzerne für die Förderung ins Boot (oder auf die Bohrinsel) zu holen, ließ Aminex verlauten.

Das Engagement von Aminex ist allerdings nicht ganz neu. Schon im Jahr2004 unterzeichnete man ein Petroleum Co-operation Agreement mit Nordkorea, in dessen Rahmen Aminex Nordkorea technisch und juristisch bei der Suche nach Lagerstätten unterstützte und dafür das Erstzugriffsrecht auf mögliche Explorationsverträge hatte, was in einem sehr lesenswerten Aufsatz zur Geschichte von Nordkoreas Suche nach Öl (die reicht nämlich bis in die 1960er Jahre zurück) als extrem unvorteilhafter Deal für Nordkorea beschrieben wurde. Vielleicht trug dieses Abkommen zwischen Aminex und Nordkorea aus diesem Grund auch keine Früchte. Aminex begründet die geringen Erfolge der bisherigen Zusammenarbeit mit Zeiten des turbulenten Wandels in Nordkorea (naja, wenn man bedenkt in welch turbulenten Zeiten der aktuelle Deal geschlossen wurden, dürften die Perspektiven ja dann nicht gut sein). Das neue Abkommen stände auf einer soliden Basis und das Gebiet habe – obwohl schon oberflächlich untersucht – Potential für große Ölvorkommen. Nordkoreas Ölsektor habe in den letzten Jahren einen starken Wandel vollzogen und sei nun in der Lage schnell und Effekiv Datenmaterial zu liefern, sagte der Chef von Aminex, Brian Hall. Die Aktivität in Nordkorea scheine zwar auf den ersten Blick riskant, nicht zuletzt aufgrund der aktuellen Spannungen („the torpedo“), aber es sei wesentlich einfacher Leute nach Nordkorea zu entsenden als in den Irak oder in bestimmte Teile von Afrika (Nigeria z.B.?). Man werde aber kein so hohes finanzielles Risiko eingehen wie Beispielsweise bei einem Projekt in Tansania, bei dem Aminex 8,5 Millionen Dollar im Indischen Ozean versenkt hatte.

Kurzfristig hat Nordkorea von dem Deal also keine großen finanziellen Vorteile zu erwarten, allerdings dürfte sich das schnell ändern, sollte man tatsächlich auf Öl stoßen. Während die Chancen dafür zwar schwer einzuschätzen sind, fiel mir der Hinweis auf positive Veränderungen der Strukturen innerhalb der nordkoreanischen (Öl-)bürokratie auf. Dies könnte man als (wenn auch nur kleinen) Hinweis auf eine mögliche Verschiebung der nordkoreanischen Interessen hin zur wirtschaftlichen Entwicklung sehen, über die ich ja gelegentlich gerne spekuliere. Naja, wir dürfen gespannt sein, ob man in Nordkorea tatsächlich Öl finden wird und ob Kims Regime sich noch daran erfreuen kann…

2 Antworten

  1. Nkeconwatch meint, dass die Firma Chosun Energy Pte. Ltd. aus Singapur unter der Kontrolle des Amerikaners James Passin (resp. seiner Finanzinvestment-Firma Firebird Management stehen soll).

    • Das mit diesem amerikanischen Investmentfondsmanager habe ich auch gelesen: http://www.irishtimes.com/newspaper/finance/2010/0601/1224271586508.html , allerdings war ich schon mit der Triton Energy group of Companys so verwirrt, dass ich den Amerikaner weggelassen habe, vor allem weil Triton in dem Statement von Aminex erwähnt wurde, aber nicht Firebird. Irgendwie schwer zu verstehen, aber wer versteht schon moderne Finanzgeschäfte? (Offensichtlich oft genug auch die nicht, die selbst damit ihr Brot verdienen.) Leider scheint NK-Econ-watch gerade nicht zu funktionieren. Macht vielleicht ein update oder so…

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