Chinesische Händler in Nordkorea leben zunehmend gefährlich: Vermutlich wieder zwei Tote

Scheinbar wird die Tätigkeit als Händler in Nordkorea für Chinesen zunehmend gefährlich. Nachdem es vor gut zwei Wochen zu einem Zwischenfall am Grenzfluss Yalu gekommen war, bei dem drei Chinesen durch einen nordkoreanischen Grenzsoldaten erschossen wurden, berichtet Yonhap nun (unter Berufung auf eine ungenannte Quelle), dass zwei chinesische Händler Gefangengenommen und bei ihrer Befragung vermutlich zu Tode geprügelt wurden. Den Beiden wurde Seitens Nordkoreas Spionage vorgeworfen, da sie von den offiziell erlaubten Reiserouten abgewichen und in die nordöstliche Provinz Jagang gereist sein sollen. In dem Gebiet in dem es viele Munitionsfabriken gibt hätten sich die Männer die eine Digitalkamera und Camcorder bei sich trugen (chinesischen Angaben zufolge um Handel zu treiben, nordkoreanischer Ansicht nach um zu spionieren) für mehrere Tage aufgehalten. Nordkorea weigere sich bisher die Überreste der Chinesen an die Behörden dort zu übergeben, während China vermute, dass Nordkorea den Spionagefall konstruiert habe um den Vorfall zu rechtfertigen. Das Vorgehen wird mit einer Anweisung an die Sicherheitsbehörden in Verbindung gebracht, die nahezu unkontrollierte Beweglichkeit der chinesischen Händler im Grenzgebiet effektiver zu begrenzen. Es wird vermutet, dass dieser Vorfall chinesische Händler künftig davon abhalten könnte, sich abseits der ausgewiesenen Reiserouten zu bewegen.

Durch diesen neuerlichen Vorfall zu Ungunsten Chinas werden zwei Dinge deutlich. Erstens nimmt das Regime in Pjöngjang erstaunlich wenig Rücksicht auf die wichtigen Beziehungen zum bedeutendsten Verbündeten und riskiert damit weiter an Rückhalt zu verlieren, was für mich grundsätzlich nur schwer verständlich ist. Es sei denn — aber damit bewege ich mich auf sehr dünnem Eis nahe den internetüblichen Verschwörungstheorien — man hat darüber gesprochen und von der chinesischen Seite das OK bekommen, hier und da mal ein Exempel zu statuieren um das Treiben der Händler in geregeltere Bahnen zu lenken (Ich weiß, sowas erwartet man nicht von Regierungen, aber Aussagen wie die Folgende von Mao Tse-tung zeugen von einem — nunja… — etwas anderem Selbstverständnis: „Wir haben keine Angst vor Atombomben. Was geschieht, wenn 300 Millionen (Chinesen) getötet werden? Wir haben immer noch viele Menschen – China ist das letzte Land, das im Atomkrieg untergeht.“ Und was sind da schon zwei oder fünf…).

Zweitens scheint das Regime in Pjöngjang sich tatsächlich zunehmend Sorgen um die Aktivitäten der chinesischen Händler im Grenzgebiet (und vor allem darüber hinaus) zu machen. Dies kann man auch im größeren Zusammenhang mit dem Versuch sehen, die Märkte insgesamt zurückzudrängen. Nachdem die jüngsten Versuche gescheitert sind (bzw. aufgrund von Versorgungsengpässen teilweise zurückgenommen wurden), also eine inländische Lösung des Problems nicht möglich zu sein scheint, schielt man eben auf die Nachschubwege. Kann man die kontrollieren (und damit auch bei Bedarf abschneiden) hat man einen großen Erfolg im Kampf gegen den „Graswurzel-Kapitalismus“, der in vielen Teilen des Landes schon starke Wurzeln geschlagen hat, erzielen. Die jüngsten Zwischenfälle mit chinesischen Händlern können daher als Elemente des Kampfs Nordkoreas gegen den „Kapitalismus von unten“ gesehen werden.

Wer die Schlacht gewinnt? Schwer zu sagen, aber Egoismus und daraus entstehender Geschäftssinn sind starke Kräfte und alles hat seinen Preis. Daher ist es schwer vorstellbar, dass das Regime überhaupt genug Gewalt und Einschüchterung zur Verfügung hat, um die Wurzeln des Kapitalismus ganz auszureißen. (Eigentlich bin ich davon überzeugt, dass das generell unmöglich ist, da Egoismus eine der grundlegenden treibenden Kräfte jedes Menschen ist und dass daher immer einer auf die Idee kommt, zum eigenen Vorteil Handel zu treiben, aber das nur nebenbei.)

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