Nordkorea nutzt Aijalon Mahli Gomes als Verhandlungsmasse

Lange hat man nichts mehr gehört von Aijalon Mahli Gomes, dem US-Amerikanischen Mann, der im Januar dieses Jahres von China aus die Grenze nach Nordkorea überquert hatte und im April zu acht Jahren Arbeitslager verurteilt worden war. Der scheinbar religiös motivierte Gomes war dabei vermutlich dem Vorbild Robert Parks gefolgt, der sich freiwillig in nordkoreanische Gefangenschaft begeben hatte um auf die Menschenrechtssituation dort aufmerksam zu machen, aber nach einigen Wochen Haft wieder freigekommen war und seitdem (zumindest aus der Öffentlichkeit) untergetaucht ist. Da die USA im Fall Gomes scheinbar nicht gewillt waren, sich diplomatisch so weit aus dem Fenster zu lehnen wie das noch bei Laura Ling und Euna Lee der Fall war und Nordkorea Gomes auch nicht einfach so laufen lassen wollte, wie bei Robert Park geschehen, hätte es mich auch nicht überrascht, wenn man für mindestens acht Jahre nichts mehr von Gomes gehört hätte.

Aber besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen. Und da die Situation auf der Koreanischen Halbinsel gerade besonders angespannt ist, erinnerte sich Nordkorea wohl des besonderen „Humankapitals“ das es da in einem Arbeitslager/Gefängniszelle noch hat und brachte diese „Verhandlungsmasse“ gestern durch eine KCNA-Meldung wieder ins Spiel:

Application of Wartime Law to American Prisoner under Examination

Pyongyang, June 24 (KCNA) — The U.S. is escalating the campaign to put international pressure upon the DPRK while persistently antagonizing the DPRK over the „Cheonan“ case. Such moves have gone beyond the tolerance limit.

The DPRK had already solemnly declared that it would consider the prevailing situation as a war phase and handle all relevant issues according to a wartime law.

An institution concerned is now examining the issue of what additional measure it will take against American Gomes in line with a wartime law. He is serving a prison term in the DPRK for the encroachment upon its sovereignty.

The U.S. government is requesting the DPRK to leniently set him free from a humanitarian stand, but such thing can never happen under the prevailing situation and there remains only the issue of what harsher punishment will be meted out to him.

If the U.S. persists in its hostile approach toward the DPRK, the latter will naturally be compelled to consider the issue of applying a wartime law to him.

Da ist mal wieder „an institution concerned“ (ich wüsste wirklich zu gern, warum sie nicht einfach schreiben welche das ist, aber vielleicht wissen die Leute von KCNA das selbst nicht…) am Werk die untersucht, welche zusätzlichen Maßnahmen gegen Gomes unter Anwendung des Kriegsrechts ergriffen werden können. Aus Pressemeldungen geht hervor, dass die Anwendung des Kriegsrechts bis zu einer Todesstrafe führen könnte. Aber der Text der KCNA-Nachricht ist natürlich recht vage gehalten und es wird darin kein definitiver Beschluss das Kriegsrecht anzuwenden genannt, aber ein mehr als eindeutiger Hinweis ist es trotzdem: „Wenn ihr uns weiter wegen der Cheonan nervt geht es eurem Gomes bald schlecht!“ Die USA scheinen allerdings vorerst nicht gewillt zu sein sich durch die (nicht besonders) unterschwelligen Drohungen Nordkoreas einschüchtern zu lassen. Mehr als Appelle, Politik vom wohlergehen amerikanischer Privatleute zu trennen, war bisher nicht zu hören. Man scheint seine Linie gegenüber Nordkorea weiter beibehalten zu wollen. Allerdings wird es spannend zu sehen sein, ob diese „strategic patience“ auch dann noch als hilfreich angesehen wird, wenn Gomes tatsächlich vor einem nordkoreanischen Kriegsgericht steht, denn soweit wird Kims Regime auf jeden Fall gehen, ob man Gomes dann aber tatsächlich zum Schafott führen wird, steht auf einem anderen Blatt…

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