Kim baut seinem Sohn ein maßgeschneidertes Regime. Nächste Station: Die Partei

In den vergangenen Wochen haben sich ja Meldungen gehäuft, die eine Umstrukturierung der Führungsriege Nordkoreas betrafen. Es gab  Autounfälle, Herzinfarkte, Kabinettsumbildungen und einfache Umbesetzungen und die Gemeinsamkeit hinter diesen Ereignissen war, dass Persönlichkeiten wie Jang Song-thaek in wichtigere Positionen kamen, die die Nachfolge Kim Jong Uns auf seinen Vater Kim Jong Il befürworteten. Die Änderungen beim Führungspersonal betrafen in der Hauptsache das Kabinett, über dessen Einfluss in der Politik Nordkoreas zwar Uneinigkeit herrscht, das aber nicht gänzlich unbedeutend ist und die National Defence Commission (NDC), die das einflussreichste Führungsgremium des Landes darstell. Nun scheint das Regime in Pjöngjang den nächsten Schritt zu machen, um die Machtübergabe des Vaters auf den Sohn unter Dach und Fach zu bringen.

Medienberichten zufolge gab KCNA heute bekannt (noch nicht in der englischen Version), dass im September dieses Jahres eine Konferenz von Repräsentanten der Partei der Arbeit Koreas (PdAK) zusammentreten soll um das oberste Führungsgremium der Partei neu zu wählen:

The Political Bureau of the WPK Central Committee decides to convene early in September, Juche 99 (the year 2010), a conference of the WPK for electing its highest leading body.

Seltenes und ungewöhnliches Ereignis

Dieses Ereignis kann schon allein aufgrund seiner Seltenheit als bedeutend angesehen werden. Die letzte Veranstaltung dieser Art fand 1966 statt und insgesamt ist es erst das dritte Mal, dass die Führungsspitze der Partei auf diesem Weg neu besetzt wird. Da die Veränderungen in der auf Führung von Analysten eigentlich immer und reflexhaft mit der Nachfolge Kim Jong Uns in Verbindung gebracht werden, beginnen auch nach dieser – zugegeben ungewöhnlichen – Ankündigung, die Spekulationen zu sprießen. Während manche sich damit begnügen, die Konferenz als einen weiteren Schritt zur Vorbereitung der Nachfolge des jungen Kims zu sehen, erwarten andere dass Kim Jong Un dort offiziell als Nachfolger Kim Jong Ils vorgestellt werden wird (den Hinweis auf Berichte der Chosun Ilbo, dass Kim Jong Il sein Erinnerungsvermögen verloren habe und zusammenhanglose Aussagen treffen würde, lasse ich einfach mal unkommentiert stehen (nicht ganz: Vielleicht würde da ne Portion frisches Jungfrauenblut helfen…)). Allerdings scheinen sich erstere Überlegungen hauptsächlich auf Aussagen von Südkoreas Geheimdienstchef Won Sei-hoon zu stützen. Und irgendwie kommt es mir oft so vor, als habe Südkoreas Geheimdienst hauptsächlich die Aufgabe (oder schlicht nur die Fähigkeit) Fehlinformationen und Gerüchte unters Volk zu bringen (aber das kann durchaus ne subjektive Wahrnehmung sein).

Nach NDC und Kabinett jetzt PdAK

Unstrittig ist jedoch die Tatsache, dass das Regime scheinbar eine Art institutionellen Plan abarbeitet, um sich für die anstehenden Veränderungen, die spätestens mit dem Ableben Kim Jong Ils eintreten werden, fit zu machen. Nachdem mit der NDC das absolute Schwergewicht in der Führung des Landes auf Linie gebracht wurde und das Kabinett im Handstreich mit abgehandelt wurde, ist mit der PdAK nun ein weiteres äußerst bedeutendes Standbein des Regimes an der Reihe. Zwar hat die Partei bei der konkreten politischen Entscheidungsfindung vermutlich kein so großes Gewicht wie die NDC. Allerdings ist sie die etwas stillere Macht im Hintergrund, ohne die das Regime auch nicht bestehen kann (Nur eine Einschätzung, es gibt viele Andere und vermutlich wissen das ganz genau nur ein paar Leute in Pjöngjang), denn sie ist es, die eine Bindung zwischen Kim und seinen Strukturen und einer Basis im Volk (den erweiterten Eliten) herstellt und mit ihren Gliederungen in die Dörfer und Betriebe des Landes horchen kann. Daher ist es essentiell, auch die Partei auf die Nachfolge Kim Jong Uns einzustimmen. Ist das geschafft, stehen die Chancen für einen zumindest kurzfristig erfolgreichen Machtübergang gut. Als wichtige Stütze des Regimes bliebe nur noch das Militär, das überzeugt werden muss. Das hat zwar in den letzten Jahren an Gewicht gewonnen, ist aber Einschätzungen zufolge noch immer der Partei ergeben. Außerdem dürften Umbesetzungen auf militärischer Ebenen (die ja teils schon begonnen haben) etwas mehr im Dunkeln ablaufen, denn wer merkt schon, wenn niedere Generäle oder Offiziere der mittleren Ebene in unbedeutenden Positionen (oder ganz) verschwinden.

Vorgehen folgt einem großen Plan

Was mir beim Vorgehen des Regimes auffällt ist, dass es einen logischen und wohldurchdachten Plan bei der Vorbereitung der Nachfolge zu geben scheint (ich geh jetzt nur auf das Institutionelle ein, sonst ufert das alles aus). Zuerst wurden als kritisch angesehene Personen die sich in wirklich wichtigen Ämtern befanden entfernt und die Struktur der Sicherheitsorgane verändert (warum wohl?), um Instabilitäten zu vermeiden, dann wurden die NDC und das Kabinett neu formiert. Damit wurde die kurzfristige politische Handlungsfähigkeit des Regimes sichergestellt. Sollte es also in der Folge zu Verwerfungen oder Konflikten mit Teilen der Eliten kommen, hält der engste Kreis um Kim alle Fäden in der Hand schnell und effektiv zu reagieren, da mit dem NDC das wichtigste Entscheidungsgremium auf Linie ist, während das Kabinett das politische Alltagsgeschäft weiterführen kann. Der nächste und kritische Schritt ist die Partei. Gegen ihren Wiederstand kann Kim Jong Un die Nachfolge nicht antreten, allerdings hat sie auch nur begrenzten Einfluss auf die Politik. Sicherlich kann auch hier gegen einzelne „Störenfriede“ vorgegangen werden, allerdings wird wohl ein gemeinsames Vorgehen angestrebt, denn wie gesagt, die Partei gegen sich aufzubringen ist eine schlechte Idee. Aber die Partei weiß eben auch, dass ihre Chancen ohne Kim-Regime gering sind. Tja und dem Militär bleibt danach kaum mehr eine andere Wahl als zu gehorchen. Entscheidungsgremien und Basis (der Partei) stehen zusammen und ein Widerstand ohne Unterstützung innerhalb der politischen Ebene ist von vorne herein zum Scheitern verurteilt.

Durchdachte Strategie, keine Panik

Meiner Meinung nach sieht das nicht nach Hektik oder Panik aus, sondern nach einem durchdachten Plan, der zugegebenerweise recht zügig, aber nicht überstürzt in die Tat umgesetzt wird. Natürlich kann man nie wissen, ob es an der einen oder anderen entscheidenden Wendung nicht doch zu einer Fehlkalkulation des Regimes gekommen ist oder kommen wird, denn selbstverständlich handelt es sich um einen sehr kritischen Prozess. Aber das bestätigt mich mal wieder in der Wahrnehmung, dass das Regime weiterhin alles unter Kontrolle hat und nichts zufällig oder unüberlegt geschieht.

Was im September geschehen wird und was nicht

Achja, was die Frage angeht ob Kim Jong Un im September offiziell als Nachfolger Kim Jong Ils vorgestellt wird: Das glaube ich nicht Totaler Quatsch. Er wird vielleicht einen Posten bekommen und vielleicht gibt es sogar Bilder von ihm (obwohl ich selbst das bezweifle), aber wenn Kim nicht täglich mit seinem Ableben rechnet, wird man bis 2012 warten um Kim jong Un vorzustellen. Dann ist vielleicht auch die angespannte wirtschaftliche Situation ein bisschen überwunden, wobei er sich schonmal ein paar Sporen verdienen kann und damit bei Antritt ein paar Erfolge hat, die er sich ans Revers heften kann.

Ich jedenfalls bin gespannt, ob und wo der Mann in der schwarzen Kutte sein Mähwerkzeug weiter heiß glühen lässt…

2 Antworten

  1. Vielleicht wird Kim Jong Ill wirklich langsam dement. Selbst wenn er mehr und mehr Unsinn redet (na ja, macht er eigentlich schon immer), an die Öffentlichkeit wird das kaum kommen, dafür sorgen schon seine engsten Gefolgsleute.
    Hat die heiße Phase des Führungswechsels begonnen? Nach allem was man so liest, ist das gut möglich.
    Also, am Ball bleiben, könnte sich schon bald vieles ändern…

    tollstoii

    • Ich glaube nicht, dass es wirkich die heiße Phase ist, aber die wichtigste: Denn macht das Regime die Sache schon in der Vorbereitung relativ wasserdicht, gibt es bei der Nachfolge des kleinen Kims nicht mehr viel, was wirklich heiß werden kann. Aber da die Vorlaufzeit gegenüber Kim Jong Ils Nachfolge wirklich knapp ist, muss man vermutlich tatsächlich die Augen nach heißen Entwicklungen offenhalten. Ich werde jedenfalls mein Bestes tun…

Meinungen, Anregungen, Kritik? Alles gern gesehen!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s