Nordkoreas WM: Was war, was bleibt und was nicht sein wird…

Die Fußball WM ist vorbei – zumindest auf diesem Blog – und da wir ja nun auch schon den zweiten fußballfreien Tag zu durchleiden haben, dachte ich, komme ich heute mal meinem Versprechen nach, den seit 44 Jahre ersten Auftritt Nordkoreas bei einer WM (korrekterweise muss man wohl „FIFA Fußball Weltmeisterschaft“ schreiben, aber ich übernehme nicht so gern die Sprachregeln von totalitär angehauchten Alleinherrschern, die sich mit allerlei Kniffen an der Macht halten) retrospektiv zu betrachten. Natürlich gab es auch Sport, aber bei Nordkorea sind ja immer die Gerüchte und Geschichten aus der Kategorie „Vermischtes“ interessanter und außerdem ist der Sport schnell abgehandelt (über das Brasilien-Spiel hab ich berichtet, Portugal ein Desaster: 0:7, Elfenbeinküste eine (etwas kleinere) Katastrophe 0:3).

Aufgeben? Steht doch nicht außer Frage!

Erstmal muss ich eine Aussage, die ich nach dem Brasilien-Spiel getroffen habe korrigieren: Mein dort mit „Aufgeben? Steht außer Frage“ überschriebener Absatz ist nach dem Portugal-Spiel wohl kaum mehr zu halten. Hier setzte sich etwas fort, das ich in diesem Absatz auch kurz angesprochen habe. Der Schock nach dem Rückschlag. Offensichtlich ist auch der Glaube der Nordkoreaner in die eigene Unüberwindlichkeit endlich. Und als dieser Glaube endgültig gebrochen war, begann das Team so zu spielen, wie man es eigentlich schon gegen Brasilien erwartet hätte. Auch hieraus ließen sich durchaus politische Implikationen ableiten, z.B. die, dass man nur den Glauben der Eliten in die Haltbarkeit ihres Regimes brechen muss, um seinen Zusammenhalt zu zerstören, aber das nur am Rande.

Was? Keine Spieler geflohen?…

Was gab es sonst noch? Wie zu erwarten war, gab es während der WM Gerüchte über geflohene Spieler. Genauer gesagt sollen es vier gewesen sein, die angeblich eine Zeitlang vermisst waren.  Es hätte mich ganz ehrlich erstaunt, wenn es solche Gerüchte nicht gegeben hätte, denn eigentlich immer wenn Sportteams aus abgeschotteten oder sehr armen Staaten ins Ausland reisen gibt es die und manchmal sind sie nicht unbegründet. In diesem Falle aber scheinbar schon. Die Verwirrung entstand dadurch, dass der Trainer Nordkoreas den Spielerbogen falsch ausgefüllt („interpretiert“) und die betreffenden Spieler als „abwesend“ eingetragen hatte obwohl sie sich im Stadion befanden, weil er nicht vorhatte sie einzuwechseln. Also viel Lärm um nichts…

…und keine Kohlegrube…

Unter die gleiche Kategorie dürfte auch die Sache mit der Strafe für die Mannschaft fallen, bei der sich das Strafmaß „Kohlemiene“ in den Medien durchgesetzt hat. Bisher zumindest gibt es dafür keinerlei Anzeichen, außer dass ein vor sechs Jahren aus Nordkorea geflohener ehemaliger Fußballtrainer es in die Welt gesetzt hat. Während andere Länder sich entschlossen haben ihre Fußballmannschaften für die nächsten Jahre bei internationalen Wettkämpfen nicht antreten zu lassen (hat Nordkorea in den 90ern auch schonmal gemacht, als man gegen Südkorea verloren hatte), oder eine mittlere Staatsaffäre aus dem Ausscheiden des Teams machten, mit Anhörungen vor dem Parlament und Überlegungen zu parlamentarischen Untersuchungsausschüssen, scheint man in Nordkorea einen anderen (aber nicht eleganteren) Weg gewählt zu haben: Man schweigt es einfach tot. Während es nach dem Brasilien-Spiel noch recht zuversichtliche KCNA-Meldungen gab, konnte man seit dem grandios gescheiterten Versuch die Leute beim Portugal-Spiel mit einer Liveübertragung zu erfreuen, nichts mehr über die WM in den nordkoreanischen Medien lesen. Natürlich würde ich nicht mein ganzes Vermögen darauf wetten (obwohl es nicht so viel ist), dass es keine Strafe geben wird, aber neben der Tatsache, dass es bisher keine Strafe gab, glaube ich auch, dass das nicht passieren wird, weil es dem Regime nichts bringt. Das einzige Motiv wäre Unzufriedenheit oder Rachsucht und diese Motive spielen bei rational agierenden Akteuren selten eine Rolle. Da lässt man die Mannschaft lieber nochmal ne Runde üben und hofft, irgendwann nochmal die Chance zu kriegen.

…nur eine langweilige Heimkehr!

Auf jeden Fall ist das nordkoreanische Team mittlerweile wieder in der Heimat angekommen. Nachdem die Mannschaft einen Zwischenstopp in Peking eingelegt hatte, wo man ja eh immer das Flugzeug wechseln muss, und in einem hochklassigen nordkoreanischen Restaurant abgestiegen war (klingt auch nicht nach Strafe), wurden die Spieler am Flughafen in Pjöngjang von Familienangehörigen und Offiziellen in Empfang genommen, woraufhin sich „die versteinerten Mienen der Spieler in lächelnde Gesichter verwandelten.“ Damit ist das Abenteuer WM erstmal beendet, aber Offizielle zeigen sich zuversichtlich, dass die Mannschaft von den gewonnen Erfahrungen profitieren und so künftig noch stärker werden könne.

Manche Fragen bleiben

Damit sind fast alle Fragen rund um den Auftritt Nordkoreas bei der WM in Südafrika beantwortet. Aber einiges bleibt noch offen und wird – so fürchte ich – nie beantwortet werden:

  • Woher hat der Hersteller diese Videos die Fähigkeiten die unnachahmlichen nordkoreanischen Methoden der Fälschung von Bilddokumenten so genau zu kopieren? Und wieso hat er sich überhaupt die Mühe gemacht?

So, für alle Fußballinteressierten: Das wars von meiner Seite zur WM! Für alle Nicht-Interessierten: Geschafft!

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2 Antworten

  1. […] 4. The excellent German-language site Nordkorea.info has a long and link-rich round up on July 1 of North Korea’s participation in the World Cup. […]

  2. Das Fake-Video ist sehr gelungen. Man könnte glatt meinen, der Publisher arbeit für den nordkoreanischen Einheitssender…

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